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28.06.2017

Unternehmenskultur

Post-Aufseher: "Shareholder Value ist nicht alles"

"Gute Unternehmensführung muss die Interessen der Mitarbeiter und der Zivilgesellschaft berücksichtigen." Das hat Wulf von Schimmelmann, Aufsichtsratschef der Deutschen Post, anlässlich der 20. DIRK-Konferenz in Frankfurt zum Thema "Aufsichtsrat - notwendige Pflichtübung oder echter Wertbeitrag?" gesagt.

Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann, AR-Vorsitzender Deutsche Post AG.
Prof. Dr. Wulf von Schimmelmann, AR-Vorsitzender Deutsche Post AG.

Im Gegensatz zur Arbeitsweise der Aufsichtsräte von US-Unternehmen, die sich fast ausschließlich an den Interessen der Investoren, dem Shareholder Value, orientiert, berücksichtige man in Deutschland auch weitere Aspekte. Demnach müsse gute Unternehmenssteuerung in Deutschland auch die Belegschaft miteinschließen - zumal hiesige Aufsichtsräte traditionell auch mit Mitarbeitern besetzt seien und den Konsens suchen.

Das im angelsächsischen Raum gängige Leitmotiv für den Board of Directors "Support & Challenge", also den Vorstand zu unterstützen und herauszufordern, ist nach Ansicht Schimmelmanns trotzdem gut auf deutsche Verhältnisse übertragbar. Insgesamt sieht er den Bogen der Aufgaben hiesiger Kontrollgremien aber weiter gespannt. Und zu viele Mandate sollten es auch nicht sein, die der einzelne Aufsichtsrat wahrnimmt.

Vorstand mit Bedacht auswählen

Schimmelmann verteidigt die in Deutschland übliche Aufgabenteilung: Der Vorstand repräsentiere das Unternehmen nach innen und außen. Er sei mit der operativen Leitung befasst. Anders der Aufsichtsrat: Dieser habe über das Tagesgeschäft hinauszudenken - Lenkung durch strategische Planung, Denkanstöße und die kontinuierliche Kontrolle des Vorstands. Als ganz wichtig erachtet Schimmelmann eine klare Regelung, welches Gremium sich zu welchen Themen und zu welchem Zeitpunkt in der Öffentlichkeit äußert.

Der Aufsichtsrat sei völlig frei in der Berufung des Vorstands. Dafür müsse er sich Zeit nehmen. Je sorgfältiger die Auswahl, desto unwahrscheinlicher der unangenehme Fall, dass der Vorstand im Fall von Differenzen mit dem Aufsichtsrat von diesem öffentlich abgebürstet werde. Das sei ein Unding, denn es untergrabe das Ansehen des Vorstands im Unternehmen und behindere seine Handlungsfähigkeit nach außen.

"Mittlere Flughöhe der Diskussion"

Für Aufsichtsratssitzungen empfiehlt Schimmelmann aus langer eigener Erfahrung "eine mittlere Flughöhe der Diskussion" - nicht zu abstrakt und abgehoben, sondern nach dem Motto: Auch nächstes Jahr sollen Erlöse und Marge gesteigert werden. Aber auch nicht zu detailversessen sollten Meetings laufen. Eine straffe Diskussionsführung durch den Aufsichtsratschef sei notwendig, gelegentlich aber auch Treffen ohne jedes Protokoll, um offener zu diskutieren.

Laut Schimmelmann sollten Aufsichtsräte 50 Prozent der Zeit zur Diskussion aktueller Fragen und 50 Prozent zur Beschäftigung mit Strategie und Zukunftsfragen nutzen. Aufsichtsrat und Vorstand sollten so ähnlich funktionieren wie ein gut eingespieltes Formel-1-Team: "Der Vorstand ist der Fahrer, er muss die Kraft des Unternehmens unmittelbar auf die Straße bringen. Der Aufsichtsrat spielt die Rolle des Boxenfunks, der dem Fahrer rechtzeitig die Tankstopps, die Reifenwechsel und die Ölspur auf der Fahrbahn ansagt", so Schimmelmann abschließend.

Quelle: UD/pte
 

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