25.06.2019
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24.05.2019

Personalmanagement

Mehr Frauen auf dem Chefsessel

Die Türen zu den Chefetagen im Mittelstand öffnen sich für Frauen weiter, wenn auch nur langsam: 17,1 Prozent der Geschäftsführungsmitglieder im deutschen Mittelstand sind weiblich, im Vorjahr waren es noch 16,3 Prozent. Das ist ein Ergebnis des Mittelstandsbarometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young).

Mehr Frauen auf dem Chefsessel

Zwei Drittel der Unternehmen haben mindestens eine Frau im Vorstand beziehungsweise in der Geschäftsführung – das heißt im Umkehrschluss: Bei jedem dritten Mittelständler bestimmen nur Männer den Kurs. Damit sind die Karrierechancen für Frauen im Mittelstand höher als bei börsennotierten Unternehmen: Im DAX bestehen die Führungsgremien zu 15 Prozent aus Frauen, im MDAX sind es nur acht Prozent und im SDAX sogar nur fünf Prozent. Allerdings fällt es vielen Mittelständlern schwer, qualifizierte Frauen für sich zu gewinnen. 45 Prozent berichten von Schwierigkeiten, weibliche Fachkräfte ins Unternehmen zu holen. Trotzdem findet kaum aktive Frauenförderung statt. Nur 22 Prozent der Mittelständler fördern Frauen bei ihrer Karriereplanung.

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Für die Studie von EY wurden deutschlandweit 1.500 mittelständische Unternehmen mit mindestens 20 Millionen Euro und höchstens einer Milliarde Euro Umsatz befragt. „Der Aufstieg von Frauen in die Führungsgremien der deutschen Wirtschaft verläuft nach wie vor nur zäh“, kommentiert EY-Partnerin Elfriede Eckl. „Die Mittelständler stehen zwar etwas besser da als börsennotierte Unternehmen – allerdings ist ein Frauenanteil von 17,1 Prozent kein Grund, sich auf die Schulter zu klopfen. Die Ursachen sind vielfältig: Nach wie vor unterbrechen zu viele Frauen ihre Karriere, weil sie Beruf und Familie nicht unter einen Hut bringen können. Daneben werden Frauen in vielen Unternehmen nicht ausreichend gefördert. Und bereits in den Schulen gelingt es nicht zufriedenstellend, Mädchen für die Themen zu begeistern, in denen die deutsche Wirtschaft dringend Fachkräfte braucht.“

Aktive Frauenförderung: Flexibles Arbeiten, geringere Gehaltsunterschiede

16 Prozent der Mittelständler verstehen unter aktiver Frauenförderung, Modelle zur flexiblen Arbeitszeit anzubieten. Elf Prozent wollen Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in gleicher Position verringern. Und zehn Prozent bieten Trainings zur Karriereförderung gezielt für Frauen an.

Ecl sieht darin schon Schritte in die richtige Richtung. „Zudem ist die Kultur bei mittelständischen Betrieben oft weniger auf bestimmte Modelle ausgerichtet. Stattdessen gibt es prinzipiell eher flache Hierarchien, man kennt und unterstützt sich gegenseitig und findet spontan pragmatische Lösungen.“ Allerdings können Unternehmen ihrer Meinung nach das Problem nicht alleine lösen: „Fehlt es in der Firma an Möglichkeiten, flexibel zu arbeiten, muss zwangsläufig ein Elternteil die Kinderbetreuung übernehmen, da vielerorts nicht genügend Plätze in Kitas und Kindergärten zur Verfügung stehen, verbunden mit langen Wartezeiten. Meistens fällt diese Rolle dann der Frau zu. Denn zum einen sind tradierte Rollenbilder in der Gesellschaft nach wie vor nicht überwunden, zum anderen ist jedoch auch das oft höhere Einkommen des Mannes der Grund, warum sich häufiger die Frauen um die Familie kümmern, während die Männer die Hauptverdiener sind. Genau diese Gründe ersticken Frauenkarrieren schon früh im Keim.“

Mehr Frauen auf dem Chefsessel

Anteil von Frauen in der Geschäftsführung bei kleinen Mittelständlern höher

Es fällt auf, dass es vor allem die kleineren Mittelständler sind, die einen höheren Frauenanteil aufweisen: Die Betriebe mit einem Umsatz von weniger als 30 Millionen Euro kommen auf einen Frauenanteil von 18 Prozent im Top-Management, wohingegen die größeren Mittelständler mit einem Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro nur 15 Prozent ihrer Chefsessel mit Frauen besetzen. „Das könnte daran liegen, dass die kleineren im Werben um Fachkräfte kreativer und flexibler sein müssen als die meist bekannteren, großen Unternehmen. In dieser Größenordnung werden viele Unternehmen außerdem von Familien geführt – Frauen, Töchter und Enkelinnen werden hier schon von Hause aus an die Verantwortung herangeführt und übernehmen schnell wichtige Rollen im Betrieb“, so Eckl.

Geringe Unterschiede zwischen West und Ost – große zwischen den Branchen

Auch ostdeutsche Mittelständler setzen etwas stärker auf Frauen in den Führungsgremien als westdeutsche: Während in den ostdeutschen Bundesländern Mittelständler 18 Prozent der Posten im Top-Management mit Frauen besetzen, beträgt der Anteil in den westdeutschen Bundesländern 17 Prozent. Deutlich unterrepräsentiert sind Frauen nach wie vor in den klassischen Industriebranchen: Der Maschinenbau hat lediglich einen Frauenanteil von zwölf Prozent auf der obersten Führungsebene, die Unternehmen der Metallerzeugung und -bearbeitung und der Bau sind mit einem Anteil von 14 Prozent nur leicht darüber. Das Spitzenpersonal in der Transport- und Verkehrsbranche sowie bei den Finanz- und anderen Dienstleistungen besteht dagegen zu 21 Prozent aus Frauen. „Es wird versäumt, Mädchen und Frauen schon früh in der Schule und während des Studiums für diese Branchen zu begeistern. Zudem gibt es zu wenige weibliche Vorbilder in diesen Bereichen, die weiblichen Nachwuchskräften Mut und Orientierung geben können“, so Eckl abschließend.

Zu den Ergebnissen der Studie gelangen Sie hier.

Quelle: UD/cp
 

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