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20.06.2017

Reporting

Volkswagen Konzern legt Nachhaltigkeitsbericht 2016 vor

Die Abgas-Affäre lässt den Volkswagen Konzern nicht zur Ruhe kommen. Bald zwei Jahre nach Beginn der Dieselkrise ist der weltgrößte Autobauer weiter mit deren Aufarbeitung beschäftigt. Wie sehr, lässt der neue Nachhaltigkeitsbericht des Konzerns erahnen. Er widmet der Krise ein eigenes Kapitel – und erscheint bereits sechs Monate nach seinem Vorgänger.

Der Nachhaltigkeitsbericht 2016 von Volkswagen
Der Nachhaltigkeitsbericht 2016 von Volkswagen

„Das sind keine normalen Zeiten für Volkswagen“, sagen VW-Chef Matthias Müller und Betriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh. „Mitunter merkt man das sogar am Erscheinungsrhythmus unserer Berichte.“ Die Abgas-Affäre hatte die Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts für das Jahr 2015 kräftig durcheinander gewirbelt: Statt im Mai zur Hauptversammlung erschien er erst im November, also vor einem knappen halben Jahr. Jetzt sei man zwar „wieder in der Reihe“, so Müller und Osterloh. „Normalität bedeutet das für unser Unternehmen aber noch lange nicht“.

„Volkswagen in die richtige Richtung verändern“

Die Dieselkrise, das sagt auch Aufsichtsratsvorsitzender Hans Dieter Pötsch, „wird uns noch eine ganze Weile beschäftigen“. Bei Volkswagen seien „schwere Fehler gemacht“ worden, für die der Konzern „bereits teuer bezahlt“ habe. Nun nutze man die Krise jedoch zum Aufbruch, „um Volkswagen in die richtige Richtung zu verändern“. Etliches ist schon passiert: Emissionstests etwa werden im Volkswagen Konzern nun grundsätzlich extern und unabhängig überprüft. Das interne Risikomanagement wurde weiterentwickelt, das Stakeholder-Management neu aufgesetzt und eine Selbstverpflichtung zu ethischem und integrem Verhalten ausgeweitet.

Auch die Konzernstruktur blieb von der Krise nicht unberührt. Sichtbarstes Zeichen ist das auf Vorstandsebene neue geschaffene Ressort „Recht und Integrität“. Es untersteht Hiltrud Werner, die zuvor die Konzernrevision geleitet hat und der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt in dieser Position folgt. Hohmann-Dennhardt hatte den Konzern Anfang 2017 nach nur einem Jahr verlassen, gegen eine üppige Abfindung von rund 13 Millionen Euro. Werner obliegt es jetzt, dass von ihrer Vorgängerin gestartete Integritätsprogramm umzusetzen.

Im Kern soll es konzernweit für ethisches und integres Verhalten werben und Volkswagen davor bewahren, erneut in eine selbstverschuldete Krise zu schlittern. Eine Kommunikationskampagne wurde dazu aufgesetzt und ein sogenanntes Sounding-Board-Programm. Es soll den Austausch und Dialog zwischen dem Integritätsmanagement und der Belegschaft sichern, und das mit Hilfe von freiwilligen Integritätsbotschaftern aus dem Management- und Mitarbeiterkreis. Am Standort Wolfsburg sind laut VW bereits über 140 dieser Botschafter aktiv.

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Nachhaltigkeitsbeirat hat Arbeit aufgenommen

Im Zuge des Konzernumbaus hat Volkswagen zudem im vergangenen Herbst einen international besetzten Nachhaltigkeitsbeirat berufen. Dem Gremium gehören unter anderem der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, sowie die ehemalige EU-Kommissarin für Klimaschutz, Connie Hedegaard, an. Gemeinsam mit sieben weiteren Fachleuten beraten sie Vorstand, Top-Management und Arbeitnehmervertretung zu Themen wie nachhaltige Mobilität, Umweltschutz oder Zukunft der Arbeit. Erste Projekte entwickelt der Beirat derzeit.

V.l.: Michael Sommer, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB); Yves Leterme, ehemaliger stellvertretender Generalsekretär der OECD und ehemaliger Premierminister von Belgien; Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change; Margo T. Oge, ehemalige Direktorin Transportation Air Quality, US Environmental Protection Agency (EPA); Prof. Dr. Gesche Joost - Professorin an der Universität der Künste in Berlin; Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns; Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, Geschäftsbereich 'Integrität und Recht'; Georg Gell, Gründungsdirektor UN Global Compact; Elhadj As Sy, Generalsekretär der Internationalen Rotkreuz-Rothalbmond-Föderation (IFRC); Connie Hedegaard, ehemalige EU-Kommissarin für Klimaschutz.
V.l.: Michael Sommer, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB); Yves Leterme, ehemaliger stellvertretender Generalsekretär der OECD und ehemaliger Premierminister von Belgien; Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change; Margo T. Oge, ehemalige Direktorin Transportation Air Quality, US Environmental Protection Agency (EPA); Prof. Dr. Gesche Joost - Professorin an der Universität der Künste in Berlin; Matthias Müller, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns; Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG, Geschäftsbereich 'Integrität und Recht'; Georg Gell, Gründungsdirektor UN Global Compact; Elhadj As Sy, Generalsekretär der Internationalen Rotkreuz-Rothalbmond-Föderation (IFRC); Connie Hedegaard, ehemalige EU-Kommissarin für Klimaschutz.

In Sachen Nachhaltigkeit will sich VW zudem stärker an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientieren. Die im vergangenen Jahr verabschiedeten Sustainable Development Goals (SDGs) sollen „in Zukunft einen maßgeblichen Handlungsrahmen für das soziale Engagement im Volkswagen Konzern bilden“, heißt es aus Wolfsburg. Mit rund 230 weltweiten Projekten leiste man dazu bereits einen Beitrag: In Südafrika etwa durch Unterstützung junger Entrepreneure bei der Unternehmensgründung, in China über Seminare und Kampagnen für Kindersicherheit im Straßenverkehr.

Umbau zum führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität

Volkswagen hat indes nicht nur mit den Folgen der Abgas-Affäre zu kämpfen, sondern wie alle Autobauer mit einem wirtschaftlich fordernden Umfeld und einem rasanten Technologiewandel. Was die Branche in den kommenden zehn Jahren erleben werde, sagt VW-Chef Müller, werde „tiefgreifender sein, als in den vergangenen 100 Jahren“. Um dem Wandel zu begegnen, hat der Konzern das Zukunftsprogramm „TOGETHER – Strategie 2025“ aufgelegt, den nach Unternehmensangaben „größten Veränderungsprozess in der Geschichte Volkswagens“. Es soll VW den Weg zum weltweit führenden Anbieter nachhaltiger Mobilität bereiten.

Neben neuen Mobilitätsdienstleistungen und Lösungen für das autonome Fahren setzt Konzernchef Müller vor allem auf klimafreundlichere Antriebstechnologien. Ein Großteil der 2016 für Forschung und Entwicklung aufgewendeten 11,5 Milliarden Euro floss Konzernangaben zufolge in effizienzsteigernde Technologien. Im selben Jahr rollten neun Modelle mit alternativen Antrieben auf den Markt. Insgesamt bietet VW in Europa derzeit nach eigenen Angaben 21 Modelle mit alternativen Antrieben zum Kauf, also solche mit Elektro-, Plug-in-Hybrid- oder Erdgasantrieb.

Investitionen in E-Antriebe

„Der Konzern hat in den vergangenen fünf Jahren rund drei Milliarden Euro in alternative Antriebstechnologien investiert“, so Matthias Müller auf der Hauptversammlung des Konzerns Mitte Mai. „In den nächsten fünf Jahren werden wir diese Summe verdreifachen.“ Als zukunftsträchtig gelten in Wolfsburg vor allem E-Autos. Über 30 neue, rein elektrisch angetriebene Fahrzeugmodelle sollen ab 2025 produziert werden. Bei optimalen Rahmenbedingungen rechnet der Konzern mit dem Verkauf von zwei bis drei Millionen rein elektrisch angetriebener Fahrzeuge pro Jahr. Das entspräche dann einem Viertel des gesamten Absatzes.

Bis dahin ist der Weg allerdings noch weit. Laut Nachhaltigkeitsbericht verkaufte der Konzern im vergangenen Jahr weltweit gerade einmal 15.729 Fahrzeuge mit E-Antrieb. Das waren gut 1.300 weniger als im Vorjahr. Auch bei den Autos mit Hybrid- oder Gasantrieb zeigte der Trend zuletzt nach unten. Knapp 112.000 rollten davon 2016 weltweit von den Bändern, elf Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: An einem normalen Arbeitstag fertigen die 620.000 VW-Beschäftigten durchschnittlich 43.000 Fahrzeuge.

Über den Bericht

Der Nachhaltigkeitsbericht des Volkswagen Konzerns erscheint seit 2011 jährlich, in diesem Jahr zum zweiten Mal ausschließlich als Online-Version. Er wurde nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) der vierten Generation erstellt und ist zugleich die Fortschrittsmitteilung des Konzerns an den Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC). Der Konzern-Nachhaltigkeitsbericht für 2017 wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2018 veröffentlicht.

Quelle: UD
 

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