2010 wird als Katastrophenjahr eingehen
Obwohl erst Mitte März ist, kann man schon absehen, dass dieses Jahr als ein "Jahr der Naturkatastrophen" in die Geschichte eingehen wird. Bereits jetzt ist die durchschnittliche jährliche Zahl von Todesopfern bei Naturkatastrophen in einem Jahr überschritten, als Folge einer Serie von Erdbeben. Trotz der vielen Menschenleben sehen Experten keinen Hinweis für eine außernatürliche Zunahme tektonischer Katastrophen.
Foto: Logan Abassi/UN Photo
Das Ausmaß der Katastrophen in diesem Jahr wird dann ersichtlich, wenn man es in längeren Zeiträumen betrachtet. Zwischen 2000 und 2009 lag die durchschnittliche Anzahl von Todesopfern bei 78.000 Menschen. Zwei Ereignisse haben dafür gesorgt, dass diese Zahl besonders hoch ist - der Tsunami 2004 im indischen Ozean, bei dem 230.000 Menschenleben zu beklagen waren, und das Erdbeben in der Region Sichuan 2006, dem über 70.000 zum Opfer fielen. In den 90ern lag der Durchschnitt bei bloß 43.000 Menschen pro Jahr, in den 80ern allerdings bei 75.000.
"Oft entscheidet nicht die Magnitude eines Bebens darüber, welches Ausmaß die humanitäre Katastrophe hat. Es kommt vielmehr darauf an, was sich bei einem Beben oberhalb der Erde abspielt", sagt Kathleen Tierney, Spezialistin für Naturkatastrophen an der University of Colorado. Haiti sei eine Katastrophe gewesen, wie sie die Menschheit in der jüngeren Geschichte noch nicht erlebt habe. "Noch nie hat ein Naturereignis so hohe Auswirkungen auf eine einzige Gesellschaft gezeigt", so Tierney.
Kein Weltuntergang in Sicht
Teilweise dürfte der Schweregrad der Folgen darauf zurückgehen, dass die Bevölkerung besonders in den Städten wächst. Seitens der Erdbebenforschung gibt es allerdings keinen Hinweis darauf, dass sich Erdbebenereignisse weiter zuspitzen werden. "Die Drift- und Konvergenzraten sowie auch die Spannungen, die sich zwischen den Platten aufbauen, haben sich langfristig nicht verändert", betont der Seismologe Winfried Hanka vom Geoforschungszentrum Potsdam. Auch wenn Szenarien eines Weltuntergangs populär seien, könne dies wissenschaftlich widerlegt werden.
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