Flutwehr in Venedig soll 2014 in Betrieb gehen
Die mit der Errichtung des Flutwehrsystems "Mose" beauftragte Firmengemeinschaft Consorzio Venezia Nuova hat mit dem Bau der zur Aufnahme der beweglichen Schutzwälle benötigten Fundamente begonnen. In einem dem Meer abgerungenen Trockendock werden die 60 Meter langen und 12.000 Tonnen schweren Stahlbetonkolosse auf ihre Aufgabe an den drei Laguneneinfahrten vorbereitet. Besonders bei der Befestigung der 3,20 Meter hohen und 24 Tonnen schweren Scharniere ist Präzisionsarbeit angesagt.
Foto: Marion Book
Damit die 250 Tonnen schweren Hohlkörper im Wellengang nicht aneinander geraten, ist eine Passgenauigkeit von einem Zentimeter erforderlich. Die später als Kanalschleusen dienenden Trockendocks werden nach Fertigstellung der Fundamentmodule geflutet. Diese werden dann als schwimmende Hohlkörper per Schiff bis zu ihrem Zielort geschleppt und dort nach ihrer Versenkung mit Stahlpfeilern im Meeresboden verankert.
"Die Anlage funktioniert bei Wasserständen bis drei Metern über Normal", erklärt der Konsortialvorsitzende Giovanni Mazzacurati. Dies bedeute Schutz auch gegen die durch die Erderwärmung ausgelöste Anhebung des Meeresspiegels, die nach Schätzungen des Intergovernamental Panel on Climate Change in den kommenden hundert Jahren zwischen 18 und 59 Zentimetern liegen wird. "Da wir mit einer Marge von 60 Zentimetern arbeiten, kann sich Venedig bis Anfang des kommenden Jahrhunderts in Sicherheit wägen", so der italienische Bauingenieur weiter.
Seine Betriebsposition erreicht Mose bereits 30 Minuten nach Sturmwarnung . Experten rechnen damit, dass sich diese Notwendigkeit unter derzeitigen Bedingungen durchschnittlich vier Mal im Jahr ergibt und die mittlere Verschlussdauer viereinhalb Stunden am Tag beträgt. Bei einem in hundert Jahren erwarteten Anstieg des Meeresspiegels (Eustatismus) um zwölf Zentimeter unter gleichzeitigem Absinken des Festlandes (Subsidenz) um fünf Zentimeter, so die optimistischste Berechnungsvariante, würde der Abriegelungsbedarf auf jährlich 20 Mal steigen. In jedem Fall gewährleistet wird der Schiffsverkehr, der durch an den Seitenmauern angebrachte Schleusen geleitet wird.
Kosten liegen bei 4,6 Mrd. Euro
Für den Bau des Schutzwallsystems muss die italienische Regierung tief in die Tasche greifen. Aus den ursprünglich angesetzten 3,24 Mrd. Euro ist mittlerweile eine Baukostensumme von 4,67 Mrd. Euro geworden. Nach dem ersten Spatenstich im Jahre 2003 sind nunmehr knapp 60 Prozent der Arbeiten fertiggestellt. Mose hat neben vielen Befürwortern auch zahlreiche Gegner. Mit Fragezeichen behaftet werden neben den Kosten vor allem das technisch anspruchsvolle Erfordernis eines perfekt ebenen Baugrundes und die auf drei Jahre begrenzte Haftung des Baukonsortiums.
Eine wichtige Hürde genommen hat das Mammutbauwerk unterdessen vor wenigen Monaten, als die Europäische Investitionsbank ein 1,5-Milliarden-Euro-Darlehen freigab. Bei der für das Jahr 2014 geplanten Inbetriebnahme werden es wohl nicht nur die leidgeprüften Venezianer, sondern auch die jährlich 22 Mio. Besucher der Stadt danken.
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