Evonik: Demographischer Wandel im Blick
„Evonik“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Essener Konzerns, „denkt und handelt zukunftsorientiert und langfristig.“ Mit Blick auf den gesellschaftlichen Megatrend einer immer älter werdenden Bevölkerung, erfordert das Postulat Klaus Engels jedoch wahre Pionierarbeit.
Dr. Klaus Engel, Vorstandsvorsitzender von Evonik, Fotos (2): Evonik
„Das rasche Altern der Bevölkerung“ heißt es dazu im Deutschen Global Compact Jahrbuch, „gehören zu den Topthemen der weltweiten Nachhaltigkeitsagenda und sind als zentrale Aktionsfelder der Europäischen CSR-Allianz definiert.“ Der Think-Tank zum gesellschaftlichen Wandel erkannte zudem aber, dass „sich die große Mehrheit der Firmen“ noch selten „mit den Folgen des demografischen Wandels für ihre Geschäftsstrategie auseinanderzusetzen“.
Wenn fünf Jahrzehnte ununterbrochenen Bevölkerungswachstums wie in Europa zu Ende gehen, ist plötzlich der Mangel spürbar. „64.000 Arbeitsplätze für Ingenieure“, zählten etwa das Institut der deutschen Wirtschaft und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI), „konnten 2008 nicht besetzt werden“. Fazit: „Die deutsche Volkswirtschaft kostete dieser Ingenieursmangel rund 6,6 Milliarden Euro.“
Bis zum Jahr 2050, beschreibt die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) auf der Basis von Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt, was uns erwartet, „wird die Bevölkerung in Deutschland um rund sieben Millionen Menschen auf insgesamt 75 Millionen schrumpfen.“ Diese Tendenz ruft nach Reaktionen. Für Politik sowie Wirtschaft ist klar: Der „Druck auf die gewachsenen politischen und sozialen Strukturen steigt“, so jedenfalls analysieren die Wissenschaftler der Bundeszentrale die Aufgabe.
Rentensysteme oder die Finanzierungen der Gesundheits- sowie Pflegekosten müssen neu ersonnen werden. Am Arbeitsmarkt kommt es zudem bereits jetzt mehr und mehr zum Wettbewerb um Humanressourcen. Chefs buhlen um geeignete Mitarbeiter, mit denen sie die Aufgaben der Zukunft meistern können. „Demografiefit“, empfiehlt das Papier aus dem Laboratory Demographic Change, „wird ein Unternehmen erst, wenn es für seine konkrete Situation maßgeschneiderte Konzepte entwickelt und diese nachhaltig umsetzt.“
Risk Map zeigt Situation auf
Ein Plan mit mehreren Stufen soll Erfolg sichern. Zunächst galt es aber, Informationen und konkrete Daten zur Demografie in 264 europäischen Regionen zu sammeln. Experten bewerteten Fakten und bezogen diese auf die jeweils konkreten Situationen der Menschen am Arbeitsplatz.
Für die Personalexperten von Evonik entstand das Online-Tool „Demographic Risk Map“. Es zeigt Daten über Alterung sowie Wachstum oder Schrumpfung der Bevölkerung in den Regionen und analysiert sie auf Grundlage von vier Standortfaktoren: Arbeitskräftepotenzial, Verfügbarkeit von Fachkräften, Arbeitsproduktivität sowie Forschung und Entwicklung.
Die Kooperation mit den Spezialisten im Laboratory Demographic Change führte zum nächsten Schritt: dem Projekt Plan@HR. Es ist eine „neue Methodik zur langfristigen Personalplanung“. Sie bildet heute in „einem ganzheitlichen vernetzten Ansatz sowohl quantitative als auch qualitative Veränderungen des Personalbestands und des künftigen Personalbedarfs ab“. Die HR-Verantwortlichen des Konzerns schmieden damit Modelle, die „komplexe Planungsszenarien simulieren“, so Evonik in seinen CSR-Informationen.
Quer durch Europa bieten die Spezialisten des Laboratory Demographic Change in Workshops nun Firmen und deren Personalchefs die Tools als Planungshilfen an, um „ihr demografisches Gesamtrisiko individueller einschätzen zu können“. Sie sind überzeugt: „Zu einer fundierten Analyse des konkreten Handlungsbedarfs sollten Unternehmen unter Berücksichtigung ihrer gesamtstrategischen Ausrichtung ihr externes Standortrisiko und ihre interne demografische Situation gemeinsam betrachten.“ Dabei wollen sie helfen.
Schließlich geht es um die Mitarbeiter der Zukunft. Und: „Evonik“, beschreibt deren Chef Klaus Engel die Strategie des Unternehmens dazu, „stellt die Mitarbeiter in den Mittelpunkt.“
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