GM unter Strom – Größte Solaranlage setzt Zeichen
General Motors (GM) errichtet die größte auf einem Dach montierte Solaranlage der Welt. In seinem Opel-Werk in Figuerelas/Spanien werden rund 183.000 Quadratmeter Solarpaneele verarbeitet. Die erwartete Stromleistung könnte rund 1/4 des Energiebedarfes des Werkes decken. Das senkt die Kosten und sichert den Standort. Zudem sieht GM dies als Symbol für eine strategische Ausrichtung hin zu elektrischen Antriebsmodellen.
Solarmodule für Opel-Werk in Figuerelas/Spanien, Fotos (4): GM Europe
Am Projekt beteiligt sind neben GM die Region Aragon, der französische Umweltspezialist Veolia Environnement sowie der US-amerikanische Solarprojektierer Clairvoyant. Die so errichtete 10-MW-Solaranlage wird von ihnen als gemeinsames Joint Venture über den Zeitraum von 25 Jahren betrieben. Zudem will GM Europa den Erfolg dieses Projektes prüfen und möglicherweise diese Idee auch auf die anderen 10 Fabrikationsstandorte in Europa übertragen. Nach Angaben spanischer Zeitungen soll zumindest das Werk in Sankt Petersburg mit Solaranlagen ausgestattet werden, weil auch dort eine hohe Sonnenstunden-Zahl im Jahr schon jetzt Rentabilität verspricht.
Bei der Installation der Anlage hat das amerikanisch-französischen Konsortium eine durchaus pfiffige Lösung entwickelt, bei der die Solarpaneele bahnenweise auf Gummimatten verlegt werden. Die Solarmodule sind dabei mittels einer Art Klettverschluss befestigt. Das hat zwei erhebliche Vorteile: So kann eine enorme Zahl an Solarpaneelen schnell verlegt werden – in Spanien sind es rund 2.000 am Tag – ohne große bauliche Eingriffe. Der Klettverschluss wiederum ermöglicht eine schnellen und einfachen Austausch beschädigter Module. Bis September sollen alle Solarmodule verlegt sein und die Anlage ihren Betrieb aufnehmen.
Der Start für den Bau der Solarfabrik findet in einer wirtschaftlich schwierigen Situation für GM statt. Amerikas größter Automobilhersteller ist nach einhelliger Analysteneinschätzung schwer angeschlagen und vielleicht sogar am Rande des Konkurses. Grund hierfür sind anhaltende Absatzschwierigkeiten am Heimatmarkt USA, die sich in den letzten Monaten durch die hohen Spritpreise und eine verfehlte Modellpolitik dramatisch verstärkten. Derzeit vertreibt GM in den USA Fahrzeuge unter acht Marken, darunter so traditionsreiche wie Cadillac und Chevrolet, aber auch ökologisch und ökonomisch so unsinnige wie den Hummer.
Um das Unternehmen aus den wirtschaftlichen Untiefen heraus zu manövrieren, sind derzeit eine Reihe Optionen auf dem Tisch. Zweifelsohne wird rund 40.000 der weltweit rd. 266.000 Mitarbeitern gekündigt. Zudem steht der Verkauf einzelner Marken zur Debatte. Schließlich berichten die Medien auch über die Variante, das Eigenkapital durch Ausgabe weiterer Aktien zu erhöhen. Angesichts des schlechten Börsenkurses ist letztere Option allerdings die sicher unattraktivste Variante.
Projektpräsentation in Zaragoza
Ungeachtet der Schwierigkeiten des Mutterkonzerns floriert nach Angaben des GM-Europachefs Carl-Peter Forster das Geschäft diesseits des Atlantik. Der europäische Markt sei so gut aufgestellt, dass der Konzern in den kommenden Jahren sogar weitere 9 Mrd. Euro in einzelne Standorte investieren werde. Forster: „Jeder Euro, der hier investiert wird, wird auch hier erwirtschaftet“. Dabei ist das spanische Werk Figueruelas bei Zaragoza für GM die größte Produktionsstätte in Europa mit einer Fertigungskapazität von etwa 500.000 Fahrzeugen im Jahr. Der Automobilkonzern beschäftigt dort rund 7.100 Arbeitnehmer und ist damit einer der bedeutendsten Arbeitgeber in der Provinz Aragon.
Die jetzt gestartete 10-MW-Solaranlage sei dabei auch eine Maßnahme zur Standortsicherung, wie Forster freimütig zugibt. Als man sich für den Standort bei Zaragoza 1982 entschied, besaß Spanien noch eine signifikanten Kostenvorteil. Diese Tage sind lange gezählt. Um hier wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es also, die Kosten zu senken und die Leistung zu erhöhen. Dabei seien die meisten herkömmlichen Maßnahmen bereits ausgereizt, wie Forster erklärt. So gewinnt die Solaranlage und damit verbunden die deutliche Senkung der Stromkosten einen messbaren Standorteffekt.
Elektromotor als Regelantrieb Vor allem jedoch sieht GM in diesem Projekt ein symbolisches Zeichen für eine verstärkte Ausrichtung des Unternehmens hin zu nachhaltiger Mobilität. Die Detroiter setzten dabei auf den Elektromotor als den Regelantrieb. Für die meisten der berufstätigen Pendler mit einer durchschnittlichen Reichweite von max. 70 km am Tag soll schon bald ein solches Elektroauto erschwinglich und erhältlich sein. Um Reichweiten zu verbessern, setzt GM zudem auf einen eigenen Hybridansatz. Dabei fährt das Auto ständig und ausschließlich im Elektromodus, und ein zusätzlicher Verbrennungsmotor dient nur für das Aufladen der Batterien. In absehbarer Zukunft könnte dann diese Aufladefunktion von einem Wasserstoffantrieb übernommen werden. Entscheidend für den Erfolg dieser Strategie ist die Frage nach der Verbesserung der Batterietechnologie als Speichermedium. Hier stehe GM, so Forster, „kurz vor einem historischen Durchbruch.“ Nach Ankündigung von Forster soll bereits 2010 ein Chevrolet Volt als erstes serienmäßiges Elektroauto auf den US-Markt kommen. Im Jahr darauf folgt dann eine Variante für den europäischen Markt, voraussichtlich wohl unter dem Marken-Namen Opel.
Trotz aller Krisen zeigt diese Strategie also auch Zukunftschancen. Nicht zuletzt besitzt GM mit Opel eine bewährte Marke. Im ersten Quartal 2008 erreichte das Auto mit dem Blitz im Logo einen stabilen Marktanteil von 9,6 Prozent. Auch unter nachhaltigen Gesichtspunkten ist Opel zukunftsorientiert aufgestellt. So stellte man erst im letzten Jahr die Ecoflex-Variante seiner Modelle vor. Hierbei handelt es sich um emissionsärmere Fahrzeuge durch die neuen Motorenkonzepte „Eco-Turbo“. Auch mit CNG (Compressed Natural Gas, Erdgas) ist Opel traditionell stark am Markt aufgestellt. Dieser Modell-Zweig soll nun in Russland in Kooperation mit den dortigen Gaskonzernen weiter ausgebaut werden.
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