Soziale Projekte stärken Kakaobauern und Familien
Bekämpfung der Kinderarbeit und mehr Bildung – das ist eines der Hauptziele, das die Nestlé-Initiative „The Cocoa Plan“ in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen erreichen will. Gelingen soll das über die Stärkung der Bauern, die Verbesserung ihres Einkommens und ihrer Lebensbedingungen. „Seitdem das Projekt hier gestartet ist, haben sich sehr viele Kinder zur Schule angemeldet“, berichtet der Chef des Dorfes Assikoi an der Elfenbeinküste.
Schulung der Kakaofarmer an der Elfenbeinküste, Fotos (3): Nestlé
Die Traitants und Pisteurs der Elfenbeinküste
Um den Kakaobauern mit der Initiative „The Cocoa Plan“ wirklich helfen zu können, galt es für Nestlé, die Gründe für die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern zu erforschen. Als Ursachen für das zu niedrige Einkommen kristallisierten sich dabei vor allem zwei Faktoren heraus: Eine zu lange Versorgungskette sowie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der Kakaobauern.
Bernhard Herold, Agrarökonom der Max Havelaar-Stiftung – einer Vergabestelle für Fair-Trade Gütesiegel, kennt diese Problematik von seinen Besuchen auf Kakaofarmen vor Ort. So berichtete er 2009 in einem Fachartikel der Stiftung von den Kakaohändlern der Elfenbeinküste: Demnach beauftragen viele Kakaokonzerne sogenannte „Traitants“ als Zwischenhändler. Mit Krediten ausgestattet rekrutieren die Traitants weitere Mittelsmänner, genannt „Pisteurs“. Die sind dann während der Erntezeit mit „Lastwagen und viel Bargeld ausgerüstet in den Kakaogebieten unterwegs“, so Herold. Das Problem dieser Handelskette ist: Je mehr Stationen der Kakao durchläuft, desto weniger verdienen die Bauern an ihrer Ware. Denn die Zwischenhändler wollen von ihrem Geschäft profitieren: So bezahlen sie den Bauern so wenig wie möglich und behalten den Rest für sich. Da es keinen geregelten Mindestpreis für Kakao gibt, können sie den Preis immer weiter drücken. Um sich davor zu schützen, gibt es inzwischen einige Zusammenschlüsse von Bauern zu Genossenschaften. So wollen sie Zwischenhändler vermeiden und mit den Konzernen direkt verhandeln. Doch ohne Mindestpreis hilft auch das nur bedingt. Viele Bauern wählen daher immer noch den schnellen Weg zu Bargeld über die Pisteurs.
Neue Setzlinge für die Region
An dieser Stelle setzt der Nestlé Cocoa Plan an. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Genossenschaften zu steigern, unterstützt Nestlé durch lokale Organisationen die Bauern dabei, ihre Ware selbst exportfertig zu machen. Auch Hagen Streichert, Sprecher der Verbraucherländer im Internationalen Kakaorat, ist davon überzeugt, dass die Kürzung der Versorgungskette den Bauern nur dann hilft, „wenn es gelingt, die Verhandlungsposition der Kakaobauern gegenüber den Mittelsmännern zu stärken“. Nestlé will zudem ab 2012 jährlich eine Million Setzlinge an die Bauern im Anbaugebiet Westafrika verteilen. Da die Bauern über Jahre nicht in die Pflege ihrer Plantagen investieren konnten, sind die Pflanzen überaltert und verkümmert. Mit der Erneuerung des Baumbestands will Nestlé ertragsreicher Ernten erzielen und Ernteausfälle vermeiden. Darüber hinaus investiert Nestlé in ein Programm für sogenannte „Farmer Field Schools“ in Westafrika. Inhalt ist die Schulung der Bauern in nachhaltigem Kakaoanbau. Nestlé will mit dem Cocoa Plan zum einen sicherstellen, dass immer genügend Kakao zur Verarbeitung geliefert werden kann. Zum Anderen will Nestlé auch eine Verbesserung der sozialen Bedingungen der Bauern und ihrer Familien erreichen. So findet neben der praktischen Wissensvermittlung in den Farmer Field Schools auch das Thema Kinderarbeit seinen Platz.
Kinderarbeit auf Kakaoplantagen
Die International Cocoa Initiative (ICI), eine unabhängige Allianz mit dem Ziel, Kinder- und Zwangsarbeit in der Kakaoproduktion weltweit abzuschaffen, hat dazu Fakten: Offizielle Untersuchungen aus dem Jahr 2008 ergaben, dass noch immer 35 Prozent der Kinder an der Elfenbeinküste schwere Arbeiten auf den Kakaoplantagen verrichten. Dazu gehören der Umgang mit Pestiziden, die ohne Schutzkleidung Hautkrankheiten hervorrufen können, die Arbeit mit gefährlichen Buschmessern und das Tragen schwerer Lasten. Unter diesen Umständen arbeiten sie oft bis zu zwölf Stunden für einen Hungerlohn. Misshandlungen durch ihre Arbeitgeber sind keine Seltenheit. Die Kinder werden dazu häufig verschleppt und zur Arbeit in der Kakaoernte gezwungen. Nach Angaben der ICI wurde 2008 rund 240 Mal der Menschenhandel mit Kindern festgestellt. Neben den physischen und psychischen Schäden, die die Kinder davontragen, bleibt ihnen meist auch der Zugang zu Bildung verwehrt.
Farmer bei der Reinigung der Kakaobohnen
Harald Meier, Professor an der Fachhochschule Bonn beschäftigt sich seit Jahren im Rahmen von Forschungsarbeiten mit dem Thema Kinderarbeit. In dem Kampf gegen Kinderarbeit sei „Fingerspitzengfühl“ gefragt. Gerade in Ländern, wo die Familie – nicht wie bei uns das Individuum – an erster Stelle steht, sei Arbeit auch mit Wertschätzung und Respekt gleichzusetzen, erklärt Meier in einem Artikel des General Anzeigers Bonn. Er fügt außerdem hinzu, dass das Arbeiten bei Minderjährigen oft auch zu „Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit“ beiträgt. Daher ist es wichtig zu differenzieren: In welcher Form Kinderarbeit nicht erlaubt ist, regelt die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (KRK) und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Demnach ist der leichte Arbeitseinsatz von Kindern zulässig, wenn dadurch ihre Gesundheit, Entwicklung und Bildungsmöglichkeit nicht beeinträchtigt oder geschädigt werden.
Aufklärungsarbeit
Um das den Kakaobauern vor Ort zu vermitteln, hat die von Nestlé unterstützte Organisation ICI ein spezielles Vorgehen entwickelt. Dieses besteht aus vier Teilen: Erster Schritt ist das Gespräch mit der Gemeinde und die Aufklärung über Kinderarbeit. Dann folgt die Erstellung eines Gemeinde-Aktionsplans. Der beinhaltet Pläne, wie die aktuelle Situation für die Kinder verbessert werden kann. Zum Beispiel durch den Bau einer Schule. Dritter Schritt ist Umsetzung des Aktionsplan und der Vierte widmet sich dem Monitoring: Dazu bestimmt die Gemeinde ein Komitee, das die Ausführung des Aktionsplans überprüft und sicherstellt. Die ICI arbeitet bei diesem Programm mit lokalen Partnern wie anderen NGOs zusammen. Nachdem diese durch die ICI geschult wurden, ist es ihre Aufgabe, die Aktivitäten des Programms in die Gemeinde zu integrieren. Das Dorf Assikoi an der Elfenbeinküste ist dafür ein Beispiel: Gemeinsam mit lokalen Partnern startete die ICI im März 2008 ihr Programm. „Seitdem haben wir unser Verhalten geändert“, erklärt der Chef des Dorfes. „Kinder übernehmen nur noch ungefährliche und leichte Aufgaben“. Außerdem berichtet er, dass nun mehr Kinder die Schule besuchen: „Wir haben verstanden, dass Kinder zur Schule gehen müssen“, so der Chef von Assikoi.
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Weiterführende Links zum Thema:
Zur Homepage der Nestlé-Initiative "The Cocoa Plan"
Weitere Informationen zur International Cocoa Initiative (ICI)
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