E.ON: Sozialrabatt als Zeichen unternehmerischer Verantwortung
Mit seiner wiederholten Forderung an die Energieversorger, angesichts der drastisch gestiegenen Energiekosten niedrigere Strompreise für einkommensschwache Haushalte einzuführen, hat Umweltminister Sigmar Gabriel für Aufsehen gesorgt. Viele Unternehmen fühlen sich zu Unrecht als alleinige Preistreiber verunglimpft und stellen die Frage nach der Finanzierung solcher Rabatte. Der Düsseldorfer Energiekonzern E.ON jedoch hat Gabriels Forderung bereits umgesetzt und bietet flächendeckend Sozialtarife an.
Foto: T. Heinrichs Noll/pixelio
Für einkommensschwache Haushalte ergibt sich aus dieser Preisentwicklung ein ernsthaftes Problem: Immer mehr Verbraucher können sich die neuen Tarife einfach nicht mehr leisten. Gut 800.000 Haushalten würden bereits jetzt jedes Jahr ihre Anschlüsse wegen Zahlungsausstandes gesperrt, gab der SPD-Abgeordnete Reinhard Schulz kürzlich bekannt. Ein Umstand, der vielen Politikern bitter Aufstößt. So erklärte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel auf der Pressekonferenz zum Klimagipfel in Bali Ende Januar in Berlin: „In einem so reichen Land wie Deutschland darf es keine Energie- und Brennstoffarmut geben.“ Zugleich forderte er die deutschen Energieversorger dazu auf, ihrer sozialen Verantwortung nachzukommen und flächendeckend verbilligte Tarife für einkommensschwache Haushalte anzubieten: „Eigentum verpflichtet“, erinnerte Gabriel die Konzerne dabei an Artikel 14 des Grundgesetzes.
Energiebranche geteilter Meinung
Der Vorschlag des SPD-Politikers hat für erhebliche Diskussionen in der Energiebranche gesorgt. Der Grund: Viele Anbieter halten es für zu kurz gegriffen, allein den Stromkonzernen den schwarzen Peter an der Preisentwicklung zuzuschieben. Immerhin, zitiert das Handelblatt eine Vattenfall-Managerin, habe auch der Staat über Steuern und Abgaben einen erheblichen Anteil am Strompreis. Darüber hinaus sei das Thema Sozialtarife gesellschaftlich hoch brisant und weise weit über die Energiebranche hinaus. Ein einleuchtendes Argument, wenn man sich etwa die seit Jahren steigenden Lebensmittel- oder Benzinpreise vor Augen hält.
Foto: E.ON
Um von den verbilligten Tarifen profitieren zu können, müssen die Antragsteller zwei Voraussetzungen erfüllen: Sie müssen bereits Kunde bei E.ON sein und eine Befreiung von den Rundfunkgebühren durch die Gebühreneinzugszentrale (GEZ) nachweisen, wie sie zum Beispiel auch HartzIV-Empfängern ausgestellt wird. Wird der Sozialrabatt gewährt, entfällt für die Begünstigten die Grundgebühr, was für die Haushalte je nach Region zwischen 60 und 1256 Euro jährlich ausmachen kann. Der verbilligte Tarif gilt dann erst einmal für 12 Monate, kann aber nach abgelaufener Frist wieder neu beantragt werden. Insgesamt nimmt E.ON deutschlandweit 32.000 Anträge an, von denen derzeit jedoch erst knapp die Hälfte in Anspruch genommen werden. Sollte das Kontingent ausgeschöpft sein, wird neu kalkuliert. Mit der Einführung des verbilligten Tarifs entspricht E.ON einer von der EU bereits 2003 verabschiedeten Richtlinie, welche besagt, dass schutzbedürftige Kunden vor dem Ausschluss von der Stromversorgung bewahrt werden müssten.
Auch internationale Konzepte vorhanden
Aber nicht nur in Deutschland, auch international verfügt das Düsseldorfer Unternehmen über Konzepte, die es einkommensschwachen Haushalten ermöglichen, die Konsequenzen der steigenden Energiepreise abzufedern. In Großbritannien etwa hat der Konzern bereits im Februar 2006 das sogenannte "CaringEnergy"-Programm gestartet, welches finanziell schwachen Kunden den Zugang zu Energieeffizienzprodukten erleichtern soll. Teil des Programms ist der sogenannte "Hardship Fund", für den E.ON UK zwei Millionen Pfund zur Verfügung stellt. Die Gelder dieses Fonds stehen ausschließlich einkommensschwachen Familien zur Verfügung, die in eine finanzielle Notlage geraten sind.
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