WWF: Die Rote Liste der bedrohten Arten wird immer länger
Die Weltnaturschutzunion (IUCN) hat jetzt die aktuelle Rote Liste der weltweit bedrohten Tiere und Pflanzen vorgestellt. Die dramatische Bilanz: 17.291 und damit mehr als ein Drittel der 47.677 untersuchten Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Liste erfasst nur einen Bruchteil der weltweiten Artenvielfalt.
Amphibien vom Aussterben bedroht, Foto: Marion Book
"Meist ist es nicht ein einzelner Grund, der das Aussterben einer Art besiegelt", erläutert Volker Homes, Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland. Wenn das Verbreitungsgebiet ohnehin klein sei, etwa in entlegenen Berg- oder Inselregionen, können kleine Veränderungen oder eine Krankheit eine Tierart endgültig auslöschen. Bei den Fröschen ist es ein Pilz, der zahlreichen Populationen auf aller Welt zu schaffen macht. Er spielte auch beim Exodus der lebendgebärenden Kihansi Spray Kröte eine Rolle. Die Tiere waren in den Kihansi Wasserfällen in Tansania zuhause. Von den ursprünglich mindestens 17.000 Exemplaren saßen nach dem Bau eines Staudammes 90 Prozent auf dem Trockenen. Die übrig gebliebenen Individuen raffte die mysteriöse Pilzkrankheit dahin.
Der Fall der afrikanischen Kröte ist kein Einzelfall. Der WWF geht davon aus, dass sich die Aussterberate durch menschliche Einflüsse mindesten um den Faktor 1.000 beschleunigt hat. Dies trifft längst nicht nur Amphibien. Am besten dokumentiert ist der Niedergang bei den Säugetieren. Ein fünftel der rund 5.490 Arten ist gefährdet. Ein typisches Beispiel der Tiger. Nur noch etwa 3.200 der majestätischen Katzen leben in freier Wildbahn. Die großen Beutegreifer brauchen vor allem eines: Platz. Aber davon überlassen die Menschen den Katzen immer weniger. Allein in den vergangenen zehn Jahren verlor der Tiger 40 Prozent seines ursprünglichen Verbreitungsgebietes. "Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, können künftige Generationen die Tiere nur noch im Zoo erleben", so Volker Homes.
Ähnlich dramatisch die Lage der Eisbären. Von ihnen besiedeln zwar noch rund 20.000 bis 25.000 Exemplare die eisige Wildnis der Arktis. Aber steigenden Temperaturen lassen das Eis unter den Tatzen zerinnen. Je früher das Packeis schmilzt, desto eher müssen die Bären sich aus ihren Jagdgebieten zurückziehen. Insbesondere den Eisbärmüttern bleibt oft nicht genug Zeit, um sich den nötigen Speck anzufressen, damit sie genug Milch für ihre neugeborenen Jungen produzieren können. Viele Eisbären verhungern bereits in ihrem ersten Lebensjahr. Mit dem voranschreitenden Klimawandel hat sich diese Situation noch verschärft.
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