Keine Entwarnung bei Korallensterben
Der "Schutz der Korallenriffe" muss weiterhin im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleiben. Das fordert die International Coral Reef Initiative (ICRI), die das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr des Riffes ausgerufen hat. Bei der UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt, die derzeit in Bonn stattfindet, werden Experten über die Bedeutung und den Zustand der weltweiten Riffe zu Wort kommen.
Fotos (2): A. Schüler
Die Korallenriffe sind bei der diesjährigen Konferenz in Bonn zwar nicht das Hauptthema, allerdings sollte der Schutz dieser wertvollen Lebensräume verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kommen. "Wir wollen viele Staaten, aber auch NGOs dazu überreden, Mitglied der International Coral Reef Initiative ICRI zu werden", erklärt Heiss. Die ICRI ist eine lose Gruppierung, die keine verbindlichen Verpflichtungen abgibt, allerdings Rahmenbedingungen zum Schutz der Habitate vorschlägt. Ein bis zwei Mal im Jahr treffen sich die Mitglieder zu einer Versammlung.
"In Riffen leben etwa ein Viertel aller Fischarten. Etwa 100.000 riffbewohnende Arten sind bislang identifiziert worden, die Gesamtzahl wird auf mindestens eine Million Tier- und Pflanzenarten geschätzt", unterstreicht Heiss die Bedeutung der Korallenriffe. "Korallenriffe sind das Ökosystem mit der höchsten Biodiversität in den Meeren, sie gehen heute aber schneller verloren als die Regenwälder an Land", so Reinhold Leinfelder, Generaldirektor des Museum für Naturkunde in Berlin und Koordinator des Internationalen Jahr des Riffes 2008 in Deutschland. Gehe diese Entwicklung weiter, sei das nicht nur für die Natur sondern auch für den Menschen katastrophal, da etwa 25 Prozent des Fischfangs in Asien von Riffen abhängig ist.
Die Idee der LifeWeb-Initiative des deutschen Umweltministers Sigmar Gabriel hält Heiss für positiv. Gabriel kündigte an, er werde der UN-Naturschutzkonferenz in Bonn eine "LifeWeb-Initiative" vorschlagen, mit der Deutschland seine Anstrengungen zur Schaffung von Schutzgebieten für sensible Ökosysteme verstärken könne. Der Minister erklärte, dass er die Bereitschaft der Entwicklungsländer, solche zusätzlichen Schutzgebiete auszuweisen, mit zusätzlichen Finanzmitteln der Industriestaaten unterstützen werde. "Indonesien hat auf dieses Angebot reagiert und vorgeschlagen, das weltweit artenreichste Meeresgebiet dafür zur Verfügung zu stellen", so Heiss. Eine weitere Forderung der Riffschützer ist auch eine bessere Zertifizierung des Aquarienhandels. "Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz wird jährlich mehr als 1.000 Tonnen Lebendmaterial aus Riffen allein nach Deutschland importiert."
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