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Lufthansa sieht Potenziale beim Klimaschutz

Die Luftfahrbranche boomt, wie die Luftfahrtmesse in Le Bourget zeigt. Doch in Zeiten des Klimawandels stehen die Airlines unter wachsendem Legitimationsdruck. Verbesserungen könnten hier aber vor allem durch politische Entscheidungen, etwa beim Thema Luftraum, erzielt werden, meint Lufthansa-Umweltchef Dr. Karlheinz Haag. Umweltdialog sprach mit ihm über die ökologische Verantwortung des Aviationkonzerns.
Foto: Astrovision/Lufthansa
28.06.2007 Frankfurt/Main (UD) - UmweltDialog: Der europäische Luftraum ist in etwa so groß wie der US-amerikanische, allerdings weitaus fragmentierter. Zahlreiche Flugsicherungsdienstleister, Flugleitstellen und verschiedene nationale Betriebssysteme sorgen für Ineffizienzen und wirken sich negativ auf die Umweltbilanz auf. Welche Verbesserungen müssten hier vorgenommen werden?
 
Dr. Karlheinz Haag: Ein einheitlicher europäischer Flugraum ist aus meiner Sicht ein zentrales Thema. Wir sind in Europa 75 Prozent teuerer als die Amerikaner, was die Luftraumverwaltung angeht, und 45 Prozent ineffizienter. Wir fliegen Umwege, wir fliegen nicht in optimaler Höhe. Es wird seit über einem Jahrzehnt zwischen den Nationalstaaten über die Umsetzung des European Single Sky diskutiert. Man stellt in Aussicht, dass dieser im Jahre 2020 dann endlich vollständig implementiert sein wird. Man erlaubt sich, dieses System über einen Zeitraum von mehr als drei Dekaden zu modifizieren. Das ist nicht akzeptabel. Mit der Umsetzung hätte man einen wirklich guten und schnellen Weg, um Emissionen zu verhindern und Kosten zu sparen. Es würde uns effizienter und preiswerter machen.
 
UmweltDialog: Durch optimierte Flugrouten und andere Maßnahmen konnte die Lufthansa ihr Wachstum seit 1991 zur Hälfte „umweltneutral“ gestalten. Was meint in diesem Zusammenhang „umweltneutral“?
 
Haag: Wenn man sich auf das Technologieniveau des Jahres 1991 begibt und somit unterstellen würde, dass man keinerlei Verbesserung der Technologie der Flugzeuge und keinerlei Verbesserung der Flugführung hätte, dann wäre der Anstieg unseres Treibstoffverbrauchs doppelt so hoch gewesen. Wir hätten also doppelt so viel Treibstoff einsetzen müssen, um die gleiche Transportleistung zu erreichen, wie wir das heute tun. Aber, wir sind deutlich effizienter geworden, brauchen deutlich weniger Treibstoff. Der Anstieg der Emissionen ist nur halb so stark wie der Anstieg unseres Transportwachstums. Es ist zusätzliches Transportvolumen geschaffen worden, ohne dass es bezogen auf den Stand 1991 zu zusätzlichen Umweltbelastungen gekommen ist. Hier ist noch viel Potenzial vorhanden, das Wachstum umweltneutraler zu gestalten – zum Beispiel gerade in Hinblick auf die Optimierung des europäischen Flugraums.
 
UmweltDialog: Kann die Lufthansa als einer der größten Luftfahrtkonzerne der Welt direkten Einfluss auf die Flugzeug-Hersteller nehmen, was die Umweltverträglichkeit der Maschinen angeht?

Haag: Eine direkte Einflussnahme ist zum Teil sicher möglich. Wir kaufen relativ viele Flugzeuge; sind aber nicht die einzige Airline in der Welt. Ein Hersteller muss versuchen, den gesamten Markt zu betrachten. Ich glaube, die Hersteller haben akzeptiert, dass wir uns als eine Airline positioniert haben, die immer sehr stark am technologischen Fortschritt interessiert ist und auch sehr fundiert über dieses Thema diskutieren kann. Es gibt regelmäßige Treffen und einen Informationsaustausch, sowohl mit den großen Herstellern als auch mit den Triebwerksfirmen. Wir platzieren unsere Positionen, Bedenken und Hinweise. Gerade mit Blick auf die europäische Forschung ist bei den Herstellern Vieles auf dem Weg. 
Zersplitterter europäischer Luftraum, Quelle: Eurocontrol 2001
UmweltDialog: Der Beitrag zum Klimaschutz von Lufthansa basiert auf einem Vier-Säulen-Prinzip. Können Sie uns dieses Konzept erläutern?

Haag:  Unsere Vier Säulen-Strategie beginnt beim Thema technischer Fortschritt: Verbesserung bei Triebwerken und der Aerodynamik der Flugzeuge, leichtere, widerstandfähigere Materialien usw. Also all das, was man auch in der Vergangenheit schon in der Flugzeugtechnologie verstanden und getan hat. Hier ist immer noch ein erhebliches Potenzial vorhanden: Das Advisory Council for Aeronautics Research sagt, man könnte durchaus mit Einsatz neuer Technologien noch 50 Prozent der Emissionen reduzieren.

Ich möchte den Bereich Technologie aber noch weiter fassen: Beispielsweise die Frage nach dem Einsatz alternativer Treibstoffe, die ökologisch produziert sind, und die uns erlauben, weniger CO2 in der Summe zu produzieren. Es wir ja über Biokraftstoffe, auch über synthetische, diskutiert. Auch dort ist Potenzial vorhanden – trotz vieler offener Fragen, die es hier noch gibt.
 
Der zweite Block betrifft die Verbesserung der Infrastruktur. Hier sollte man darauf hinweisen, dass Beschränkungen an Flughäfen, wie etwa eine nicht ausreichende Start- und Landebahnkapazität, natürlich zu Einschränkungen führen. Dieses führt zu Warteschleifen und dadurch verschwenden wir Treibstoff.
 
Der dritte große Block des Vier-Säulen-Prinzips sind die operativen Maßnahmen. Das ist ein großer Teil des Geschäfts der Airlines und der Airports.  Hier haben wir in den vergangenen Jahren viel getan. Das fängt an mit leichteren Sitzen und reicht bis zur Optimierung der Frischwasserzuladung bei Langstreckenflugzeugen und der Anpassung von Fluggeschwindigkeit unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte.
 
Vierte Säule dieser Gesamtstrategie sind marktbasierte Instrumente, also Emissionshandel und/oder freiwillige Kompensationsmaßnahmen. Die Sorgen, die man aus den Kreisen der Politik hört, das Wachstum des Luftverkehrs würde über alle Grenzen steigen, treffen vielleicht auf das Transportwachstum zu, nicht aber auf das Emissionswachstum.
 
Das gesamte Paket des Vier-Säulen-Prinzips birgt das Potenzial, dem Wachstum der Emissionen wirkungsvoll entgegen zu treten.
 
 
UmweltDialog: Herzlichen Dank für das Gespräch!


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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