Ärzte-Exodus kostet Afrika Milliarden
Über zwei Mrd. Dollar verlieren afrikanische Länder südlich der Sahara dadurch, dass ausgebildete Ärzte nach ihrem Studium das Land verlassen, um in England, den USA oder Kanada deutlich mehr zu verdienen. Das berichten kanadische Forscher im British Medical Journal. "Die Aufnahmeländer profitieren enorm von der Ärztemigration. Sie sollten Verantwortung zeigen und stärker in Bildung und Gesundheitssysteme der Herkunftsländer investieren", betont Edward Mills, Experte für Globale Gesundheit von der Universität Ottawa.
Foto: derek on flickr/flickr.com
Gegenübergestellt wurden diese Zahlen, für die offizielle UNESCO-Berichte als auch nationale Statistiken die Grundlage bildeten, mit den Spareffekten bei den Zielländern. Australien, Kanada, England und die USA profitieren am meisten durch Anstellung von Ärzten des südlichen Afrikas, so das Ergebnis. Allein die englische Volkswirtschaft profitiert damit mit 2,7 Dollar oder die USA 850 Mio. Dollar, wobei in allen Berechnungen die finanziellen Kosten der Ausbildung eines Arztes in Grund-, Mittel- und Hochschule berücksichtigt wurden.
Dass diese Situation besonders auf die angelsächsischen Industrieländer zutrifft, betont Axel Plünnecke, Experte für Bildungspolitik und Humankapital am Institut der deutschen Wirtschaft Köln. "Viele Menschen aus China oder afrikanischen Ländern studieren in Deutschland Medizin und gehen später wieder zurück in ihr Herkunftsland, zudem gehen viele deutsche Ärzte für mehrere Jahre ins Ausland. Finanziell dürften sich Gewinne und Verluste deshalb ungefähr die Waage halten."
Allerdings dürfe man auch bei den Herkunftsländern Vorteile der Situation nicht ausblenden, betont der Bildungsökonom. Die Aussicht auf Anstellung in reichen Ländern erhöhe die Studierendenquote in Entwicklungsländern deutlich, zudem gehören Rücküberweisungen von Auswanderern zu den wichtigsten Treibern der Entwicklung.
Viele Menschen kehren zudem nach mehrjährigem Auslandsaufenthalt zurück in die Herkunftsländer, arbeiten dort für Niederlassungen internationaler Konzerne oder gründen eigene Unternehmen, womit es neben dem "Brain Drain" auch einen bedeutenden "Brain Exchange" gibt, wie Plünnecke betont. Was bei industrienahen Jobs häufig ist, trifft im medizinischen Sektor freilich viel seltener zu.
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