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Bill und Melinda Gates stellen 10 Milliarden US-Dollar bereit

Bill und Melinda Gates gaben bekannt, dass ihre gemeinsame Stiftung in den nächsten zehn Jahren 10 Milliarden US-Dollar (ca. 7,1 Mrd. Euro) für die Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen für die ärmsten Länder der Welt zur Verfügung stellen wird.
Bild: WEF
02.02.2010 Davos (UD/na) - Wie das Ehepaar Gates erklärte, könnte eine verstärkte Investition in Impfstoffe durch öffentliche Hand und Privatwirtschaft innerhalb des kommenden Jahrzehnts zu einer drastischen Senkung der Kindersterblichkeit in Entwicklungsländern beitragen. Zugleich riefen die beiden Stiftungsgründer Regierungen und  Privatpersonen dazu auf, kritische Finanzierungslücken zu schließen - sowohl im Bereich der Forschungsmittel als auch auf dem Gebiet der Immunisierungsprogramme für Kinder.

"Wir müssen dieses Jahrzehnt zu einem Jahrzehnt der Impfstoffe machen", so Bill Gates. "In Entwicklungsländern retten und verbessern Impfstoffe bereits jetzt millionenfach Leben. Durch Innovationen wird es künftig möglich sein, mehr Kinder als je zuvor vor dem Tod zu bewahren."

Bill und Melinda Gates gaben ihre Pläne auf dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums zusammen mit Julian Lob-Levyt, dem Vorsitzenden der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI Alliance), bekannt.

"Impfstoffe sind ein Wunder - mit nur wenigen Dosen schützen sie ein Leben lang vor tödlichen Krankheiten", betonte Melinda Gates. "Wir haben Impfstoffe zur höchsten Priorität der Gates Foundation gemacht, weil wir hautnah ihre unglaubliche Bedeutung für das Leben von Kindern erlebt haben."

Zur Vorausberechnung möglicher Auswirkungen von Impfstoffen auf die Kindersterblichkeit in den nächsten zehn Jahren nutzte die Stiftung ein Modell, das von einem Konsortium unter der Leitung des Institute of International Programs an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health entwickelt wurde.

Durch eine signifikante Aufstockung lebensrettender Impfstoffe in Entwicklungsländern auf eine Abdeckung von 90 % - neue Stoffe gegen die strenge Diarrhö und die Lungenentzündung inbegriffen – könnte nach diesem Modell von 2010 bis 2019 das Überleben von etwa 7,6 Millionen Kindern unter fünf Jahren gesichert werden. Darüber hinaus könnten nach Einschätzung der Stiftung weitere 1,1 Millionen Kinder durch die schnelle Einführung eines Malaria-Impfstoffes ab 2014 vor dem Tod bewahrt werden, so dass insgesamt potenziell bis zu 8,7 Millionen Leben gerettet werden. Sollten in diesem Jahrzehnt weitere Impfstoffe entwickelt und eingeführt werden - etwa gegen Tuberkulose -, würde sich diese Zahl sogar noch erhöhen.

Die angekündigte Finanzierung erfolgt zusätzlich zu den 4,5 Milliarden US-Dollar (ca. 3,2 Mrd. Euro), welche die Gates Foundation seit ihrer Gründung bis heute bereits insgesamt in ihren Gesundheitsprogrammen für die Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung von Impfstoffen zur Verfügung gestellt hat.

Bill und Melinda Gates machten deutlich, dass ihre Zusicherung durch die bemerkenswerten Fortschritte angeregt wurde, die in den letzten Jahren im Bereich der Impfstoffe zu beobachten waren. Einige Beispiele:

- Impfquoten in Rekordhöhe: Nach neuen Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben die Impfquoten weltweit ein Allzeithoch erreicht und sich vom jahrelangen Rückgang in den 1990er-Jahren erholt. Zwischen 2000 und 2009 stieg in den ärmsten Ländern der Welt der Anteil von Kindern, die die Grundimmunisierung mit dem DTP3-Impfstoff (Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten) erhielten, sprunghaft von 66 % auf 79 %, den höchsten je verzeichneten Wert. Die Zahl der Sterbefälle durch Masern fiel zwischen 2000 und 2008 weltweit um 77 %, in Afrika sogar um 92 %.

- Bessere Routineimpfungen: Partnerschaften mit Schwerpunkt auf der Bekämpfung von Krankheiten wie Kinderlähmung und Masern tragen ebenfalls zu einer stabileren Grundlage für die Bereitstellung sowohl neuer als auch bestehender Impfstoffe bei. Ausgebildetes Gesundheitspersonal, eine funktionierende Kühlkette sowie fortlaufende Überwachung sind allesamt notwendig, um sicherzustellen, dass die Impfstoffe jedes bedürftige Kind erreichen.

- Einführung neuer Impfstoffe: Bedeutende neue Impfstoffe für zwei der grössten Ursachen weltweiter Kindersterblichkeit - strenge Diarrhö und Lungenentzündung - werden zunehmend verfügbar. Laut Forschungsergebnissen, die in dieser Woche im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden, hat die Einführung eines Impfstoffes gegen das Rotavirus in Südafrika und Malawi die Zahl der durch das Virus verursachten Diarrhöerkrankungen um mehr als 60 % gesenkt.

- Dynamik in Forschung und Entwicklung: Die Zahl der aktuell in der Entwicklung befindlichen Impfstoff-Projekte ist stabiler als je zuvor. Studien zu einem vielversprechenden Impfstoff zum Schutz von Kindern gegen Malaria befinden sich im Spätstadium, ein neuer Impfstoff gegen Meningitis-Epidemien in Afrika wird voraussichtlich noch in diesem Jahr eingeführt.

Viele der neueren Fortschritte in der Impfstoffentwicklung und -verabreichung wurden durch öffentlich-private Partnerschaften wie der GAVI Alliance und dem Rotavirus-Impfstoffprogramm von PATH vorangetrieben. Diese koordinieren die Ressourcen und Kompetenzen von Impfstoffunternehmen, Spendern, UNICEF, Weltgesundheitsorganisation, Weltbank und den Entwicklungsländern. Wie Bill Gates erklärte, verändern diese Partnerschaften "das Impfstoffgeschäft derzeit von Grund auf".

Die GAVI Alliance - auf dem Weltwirtschaftsforum vor genau 10 Jahren ins Leben gerufen - hat 257 Millionen Kinder zusätzlich mit neuen und zu wenig genutzten Impfstoffen erreicht und 5 Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt. In den kommenden Jahren will sich die GAVI auf die schnelle Einführung von Impfstoffen gegen Diarrhö und Lungenentzündung konzentrieren.

"Investitionen in den weltweiten Impfschutz haben sich als außergewöhnlich effektiv erwiesen", sagte Julian Lob-Levyt. "Die GAVI Alliance wurde erst vor zehn Jahren gegründet und hat durch die Verbesserung des Zugangs zu Impfungen in den ärmsten Ländern der Welt bereits heute 5 Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt. Und das Potenzial, im kommenden Jahrzehnt noch mehr zu erreichen, ist ein noch größerer Anreiz."


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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