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Im Blickpunkt: Das Deutsche Global Compact Netzwerk

„Wenn die Globalisierung nicht allen nützt, nützt sie keinem.“ Dieser visionäre Satz des damaligen UN Generalsekretärs Kofi Annan war Motivation und Leitbild zur Gründung des UN Global Compact. Dieser ruft unter dem Schirm der Vereinten Nationen Unternehmen dazu auf, zehn Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung umzusetzen. Von Anfang an dabei waren auch deutsche Firmen – sie gaben den Anstoß zur Gründung des Deutschen Global Compact Netzwerkes. UmweltDialog stellt das deutsche Netzwerk mit seinen inzwischen rund 200 Teilnehmern vor.
Foto: DGCN
28.04.2011 Münster (UD/jb) - Es begann am Flughafen: Eine Handvoll deutscher Unternehmen beschloss bei der Rückkehr vom Gründungstreffen des Global Compact in New York im Jahr 2000, auch ein deutsches Netzwerk ins Leben zu rufen. Die „German Friends of the Global Compact“ waren zunächst ein reiner Wirtschaftsclub. Mit der Erweiterung zum Deutschen Global Compact Netzwerk (DGCN) ging eine Weiterentwicklung einher: So umfasst das DGCN heute nicht nur rund 150 Teilnehmer aus der Wirtschaft, sondern darüber hinaus auch fünfzig weitere Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Bei der Arbeit in einem Netzwerk dieser Größe bedarf es klarer Strukturen. Dazu existieren im DGCN drei Organe: Die Teilnehmerversammlung, den Lenkungskreis und die Geschäftsstelle. Doch was sind die Aufgaben dieser Institutionen und wie sieht die Umsetzung in der Praxis aus?

Erfahrungsaustausch

Als zentrale Plattform zur inhaltlichen Diskussion und Meinungsbildung dient die Teilnehmerversammlung. In ihrem Rahmen sind dreimal im Jahr alle deutschen Global Compact-Teilnehmer dazu eingeladen, sich zu den verschiedensten Themen auszutauschen und zu beratschlagen. Rund 100 Teilnehmer besuchten das letzte Treffen Anfang März in Berlin mit den Schwerpunktthemen „Wirtschaft und Menschenrechte“ sowie „Innovation und Nachhaltigkeit“. Wichtigstes Ziel dieser Treffen ist der Erfahrungsaustausch. Die Unternehmensvertreter können hier durch Workshops, Diskussionen und Gespräche über konkrete Beispiele aus der Praxis voneinander lernen. Die Teilnehmerversammlung dient aber auch der Entscheidungsfindung, zum Beispiel bei Empfehlungen an den Lenkungskreis. Denn der Diskussionsstand und das Meinungsbild der Teilnehmerversammlung gelten als richtungsweisende Leitlinie für die Arbeit des Lenkungskreises.

Der Lenkungskreis als strategisches Instrument

Aufgabe des Lenkungskreises ist es, die Aktivitäten des DGCN zu steuern: Er ist dafür zuständig, das jährliche Arbeitsprogramm des DGCN aufzustellen und zu beschließen sowie dessen Qualität und Erfolg zu kontrollieren. Die seit 2008 jährlich stattfindenden Coachings zum Thema „Wirtschaft und Menschenrechte“ sind ein gutes Beispiel für eine Initiative, die der Lenkungskreis mit angeschoben hat. Durchgeführt werden sie von entsprechenden Experten, die das Thema praxisnah behandeln. Immer mit dabei sind aber auch Vertreter aus der Geschäftsstelle des DGCN, die für die Organisation und Qualitätssicherung von Veranstaltungen wie dieser zuständig ist. Dazu gehört auch Ann-Ulrike Henning, die uns von ihren Eindrücken während der Coachings berichtete: „Am Anfang sind die Teilnehmer meist abwartend, vor allem wenn sie sich noch nicht kennen. Aber jedes Mal hat sich die Gruppe relativ schnell geöffnet, und es entstanden spannende Diskussionen.“ Von Konkurrenz oder „Geheimniskrämerei“ ist hier keine Spur, bestätigt Henning. Im Gegenteil: Die Unternehmensvertreter begegnen sich auf Augenhöhe. Sie bekommen den Raum, sich außerhalb ihres Unternehmens kompetenten Rat einzuholen und über Problemstellungen zu diskutieren. „Die Teilnehmer helfen sich gegenseitig und beraten sich“, berichtet Henning.

Etwas, dass auch Daniel Kronen von der Siemens AG aus eigener Erfahrung von einem solchen Coaching bestätigen kann: „Besonders profitiert habe ich von den praktischen Übungen und von den Diskussionen, in denen die Herausforderungen, mit denen die Teilnehmer zu tun haben, sehr offen angesprochen und diskutiert wurden.“ „Uneingeschränkt empfehlenswert“ findet auch Nina Roth von der Deutschen Bank AG das Coaching des DGCN. „Besonders beeindruckend war für mich die Erkenntnis, welche Dimension Menschenrechte haben, und in welch vielfältiger Weise Wirtschaftstätigkeiten diese tangieren. Hilfreich bei dieser Feststellung waren vor allem die anschaulichen Fallbeispiele und die Diskussionen in Kleingruppen.“ Die Möglichkeit, an diesen Coachings teilzunehmen, besteht für alle Unternehmensteilnehmer des DGCN. Die Geschäftsstelle des Netzwerks legt jedoch Wert auf kleine Gruppen, um den direkten und persönlichen Austausch zu ermöglichen. So nahmen an den bisherigen Coachings jeweils etwa zehn Unternehmensvertreter teil.

Austausch zwischen den Netzwerken

Ann-Ulrike Henning, Vertreterin der DGCN-Geschäftsstelle und Mitarbeiterin der GIZ, Stabsstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Foto: GIZ
Der Lenkungskreis ist auch dafür zuständig, die Strategie des Global Compact Büros in New York in das Wirken des DGCN zu integrieren und umzusetzen. Diese wird im zwei-Jahres-Rhythmus überarbeitet und daraus neue Ziele und Schwerpunkte abgeleitet. Inhalt der im vergangenen Jahr veröffentlichten Strategie ist es unter anderem, die Kooperationen der weltweiten Netzwerke untereinander zu stärken. Das DGCN streckt dabei seine Fühler nach dem kolumbianischen GC-Netzwerk aus, berichtet Ann-Ulrike Henning von der DGCN-Geschäftsstelle. Hier versucht man Anknüpfungspunkte zu dem Thema „Unternehmen in Konfliktregionen“ zu finden: „Das kolumbianische Netzwerk hat sich sehr intensiv mit diesen Themen auseinander gesetzt. Nun schauen wir, wo wir dieses Jahr möglichst Synergien erzielen können – also wie kann deren Erfahrung uns einen interessanten Anstoß geben und umgekehrt“, so Henning.

Gebildet wird der Lenkungskreis von den Vertretern der drei Sektoren Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft. Wer diese Vertreter sind, entscheiden die Netzwerkteilnehmer innerhalb ihrer jeweiligen Sektoren selbst. Ebenfalls dem Lenkungskreis zugehörig, jedoch ohne Stimmrecht, sind die Geschäftsstelle des DGCN, die ICC Deutschland und jeweils ein Vertreter der teilnehmenden Gebietskörperschaften sowie der akademischen Einrichtungen. Alle zwei Jahre organisiert sich der Lenkungskreis neu – die aktuellen Mitglieder finden Sie auf der Homepage des DGCN.

Die operative Umsetzung


Arno Tomowski, Leiter der Geschäftsstelle des DGCN, Leiter der GIZ-Stabstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Foto: GIZ
Die Geschäftsstelle des DGCN koordiniert in Abstimmung mit dem Lenkungskreis und auf Basis der Ergebnisse der Teilnehmerversammlungen die Aktivitäten des Netzwerkes. Arno Tomowski, Leiter der GIZ-Stabstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und seit Februar neuer Leiter der Geschäftsstelle des DGCN, erläutert die Abgrenzung und Funktionsweise von Lenkungskreis und Geschäftsstelle so: „Alle inhaltlichen und strategischen Entscheidungen werden im Lenkungskreis getroffen. Die operative Umsetzung der Aktivitäten des DGCN, zum Beispiel Veranstaltungen und Publikationen, verantwortet die Geschäftsstelle.“ Sie ist zuständig für die Umsetzung des vom Lenkungskreis beschlossenen Arbeitsprogramms, in dem sie zum Beispiel Veranstaltungen wie die Coachings plant und organisiert. Auch die Beratung der neuen Netzwerk-Teilnehmer ist ihre Aufgabe: Jedes neue Unternehmen wird von der Geschäftsstelle angesprochen, um den ersten Kontakt herzustellen und um Fragen zu beantworten. Davon gibt es viele, weiß Henning zu berichten: „Was bringt mir die Teilnahme am DGCN, wann finden die Arbeitstreffen statt, wie kann ich mich einbringen“, sind nur einige der Fragen, die Henning am häufigsten gestellt werden. Mit dem Ziel, kleinen und mittleren Unternehmen Reisewege zu ersparen und um gleichzeitig den Austausch zwischen den neuen Teilnehmern zu stärken, wurde erst kürzlich das erste „Webinar“ durchgeführt: Ein Beratungsgespräch per Webübertragung, bei der ein Vertreter der Geschäftsstelle in Berlin und ein Lenkungskreismitglied mit mehreren Netzwerkteilnehmern ausführlich kommunizieren können – egal, wie weit deren Unternehmen entfernt sind. Des Weiteren übernimmt die Geschäftsstelle die Öffentlichkeitsarbeit des DGCN sowie die Kommunikation mit anderen Netzwerken und die Berichterstattung an das GC-Büro in New York. Koordiniert wird die Geschäftsstelle des DGCN im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) durch die GIZ. Die Bestimmung der Geschäftsstelle sowie die Überwachung und Steuerung ihrer Arbeit ist Sache des Lenkungskreises.

Die Stiftung


Angelika Pohlenz (ICC Deutschland e. V.) gehört dem Stiftungsbeirat an. Foto: Marion Book
Der Lenkungskreis ist außerdem dafür zuständig, Maßnahmen zur Finanzierung des DGCN zu entwickeln, die auf Freiwilligkeit beruhen. Dazu gründete das Netzwerk 2009 eine eigene Stiftung. Durch diese können sich die Teilnehmer des GC finanziell an den Aktivitäten des Netzwerks beteiligen. Außerdem erhält das Netzwerk Unterstützung von der Bundesregierung. Die Entscheidungen über die Finanzen der DGCN-Stiftung trifft der Lenkungskreis, der auch die drei Beiratsmitglieder stellt. „Die Stiftung ist zusätzlich ein Vehikel, über das die Unternehmen die Arbeit des DGCN unterstützen können – ein Wunsch, der übrigens von Unternehmerseite kam, und den wir auch als Lob und Motivation für unsere Arbeit sehen“, so Tomowski. Die Konstellation von Lenkungskreis, Geschäftsstelle und Stiftung des DGCN stärke das „Selbstverständnis und Ownership innerhalb des deutschen Netzwerks und bietet eine institutionalisierte und belastbare Struktur“, so Tomowski weiter.

UmweltDialog führte mit Arno Tomowski ein ausführliches Interview über sein neues Amt als Geschäftsstellenleiter des DGCN, aber auch über seine Aufgaben als Leiter der Stabsstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bei der GIZ. Das Interview erscheint in Kürze als Topthema bei UmweltDialog.

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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