Im Blickpunkt: Das Deutsche Global Compact Netzwerk
„Wenn die Globalisierung nicht allen nützt, nützt sie keinem.“ Dieser visionäre Satz des damaligen UN Generalsekretärs Kofi Annan war Motivation und Leitbild zur Gründung des UN Global Compact. Dieser ruft unter dem Schirm der Vereinten Nationen Unternehmen dazu auf, zehn Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung umzusetzen. Von Anfang an dabei waren auch deutsche Firmen – sie gaben den Anstoß zur Gründung des Deutschen Global Compact Netzwerkes. UmweltDialog stellt das deutsche Netzwerk mit seinen inzwischen rund 200 Teilnehmern vor.
Foto: DGCN
Erfahrungsaustausch
Als zentrale Plattform zur inhaltlichen Diskussion und Meinungsbildung dient die Teilnehmerversammlung. In ihrem Rahmen sind dreimal im Jahr alle deutschen Global Compact-Teilnehmer dazu eingeladen, sich zu den verschiedensten Themen auszutauschen und zu beratschlagen. Rund 100 Teilnehmer besuchten das letzte Treffen Anfang März in Berlin mit den Schwerpunktthemen „Wirtschaft und Menschenrechte“ sowie „Innovation und Nachhaltigkeit“. Wichtigstes Ziel dieser Treffen ist der Erfahrungsaustausch. Die Unternehmensvertreter können hier durch Workshops, Diskussionen und Gespräche über konkrete Beispiele aus der Praxis voneinander lernen. Die Teilnehmerversammlung dient aber auch der Entscheidungsfindung, zum Beispiel bei Empfehlungen an den Lenkungskreis. Denn der Diskussionsstand und das Meinungsbild der Teilnehmerversammlung gelten als richtungsweisende Leitlinie für die Arbeit des Lenkungskreises.
Der Lenkungskreis als strategisches Instrument
Aufgabe des Lenkungskreises ist es, die Aktivitäten des DGCN zu steuern: Er ist dafür zuständig, das jährliche Arbeitsprogramm des DGCN aufzustellen und zu beschließen sowie dessen Qualität und Erfolg zu kontrollieren. Die seit 2008 jährlich stattfindenden Coachings zum Thema „Wirtschaft und Menschenrechte“ sind ein gutes Beispiel für eine Initiative, die der Lenkungskreis mit angeschoben hat. Durchgeführt werden sie von entsprechenden Experten, die das Thema praxisnah behandeln. Immer mit dabei sind aber auch Vertreter aus der Geschäftsstelle des DGCN, die für die Organisation und Qualitätssicherung von Veranstaltungen wie dieser zuständig ist. Dazu gehört auch Ann-Ulrike Henning, die uns von ihren Eindrücken während der Coachings berichtete: „Am Anfang sind die Teilnehmer meist abwartend, vor allem wenn sie sich noch nicht kennen. Aber jedes Mal hat sich die Gruppe relativ schnell geöffnet, und es entstanden spannende Diskussionen.“ Von Konkurrenz oder „Geheimniskrämerei“ ist hier keine Spur, bestätigt Henning. Im Gegenteil: Die Unternehmensvertreter begegnen sich auf Augenhöhe. Sie bekommen den Raum, sich außerhalb ihres Unternehmens kompetenten Rat einzuholen und über Problemstellungen zu diskutieren. „Die Teilnehmer helfen sich gegenseitig und beraten sich“, berichtet Henning.
Etwas, dass auch Daniel Kronen von der Siemens AG aus eigener Erfahrung von einem solchen Coaching bestätigen kann: „Besonders profitiert habe ich von den praktischen Übungen und von den Diskussionen, in denen die Herausforderungen, mit denen die Teilnehmer zu tun haben, sehr offen angesprochen und diskutiert wurden.“ „Uneingeschränkt empfehlenswert“ findet auch Nina Roth von der Deutschen Bank AG das Coaching des DGCN. „Besonders beeindruckend war für mich die Erkenntnis, welche Dimension Menschenrechte haben, und in welch vielfältiger Weise Wirtschaftstätigkeiten diese tangieren. Hilfreich bei dieser Feststellung waren vor allem die anschaulichen Fallbeispiele und die Diskussionen in Kleingruppen.“ Die Möglichkeit, an diesen Coachings teilzunehmen, besteht für alle Unternehmensteilnehmer des DGCN. Die Geschäftsstelle des Netzwerks legt jedoch Wert auf kleine Gruppen, um den direkten und persönlichen Austausch zu ermöglichen. So nahmen an den bisherigen Coachings jeweils etwa zehn Unternehmensvertreter teil.
Austausch zwischen den Netzwerken
Ann-Ulrike Henning, Vertreterin der DGCN-Geschäftsstelle und Mitarbeiterin der GIZ, Stabsstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Foto: GIZ
Gebildet wird der Lenkungskreis von den Vertretern der drei Sektoren Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft. Wer diese Vertreter sind, entscheiden die Netzwerkteilnehmer innerhalb ihrer jeweiligen Sektoren selbst. Ebenfalls dem Lenkungskreis zugehörig, jedoch ohne Stimmrecht, sind die Geschäftsstelle des DGCN, die ICC Deutschland und jeweils ein Vertreter der teilnehmenden Gebietskörperschaften sowie der akademischen Einrichtungen. Alle zwei Jahre organisiert sich der Lenkungskreis neu – die aktuellen Mitglieder finden Sie auf der Homepage des DGCN.
Die operative Umsetzung
Arno Tomowski, Leiter der Geschäftsstelle des DGCN, Leiter der GIZ-Stabstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Foto: GIZ
Die Stiftung
Angelika Pohlenz (ICC Deutschland e. V.) gehört dem Stiftungsbeirat an. Foto: Marion Book UmweltDialog führte mit Arno Tomowski ein ausführliches Interview über sein neues Amt als Geschäftsstellenleiter des DGCN, aber auch über seine Aufgaben als Leiter der Stabsstelle Zusammenarbeit mit der Wirtschaft bei der GIZ. Das Interview erscheint in Kürze als Topthema bei UmweltDialog.
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