.

Fachgespräch: Corporate Responsibility in humanitären Katastrophen

Welche Rolle können und sollen Unternehmen in Situationen humanitärer Not übernehmen? Vor rund einhundert Gästen sprachen Experten aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft über unternehmerische Verantwortung, Möglichkeiten des Engagements und die Notwendigkeit der Koordination von Hilfsleistungen. Anlass des Fachgesprächs war die Vorstellung des neuen Jahrbuches Global Compact Deutschland 2009. Eingeladen hatten das Deutsche Global Compact Netzwerk und die Mediengruppe macondo in die Hauptstadtrepräsentanz der GTZ.
(v.l.) Christoph Ernesti (Care), Susanne Meier (Deutsche Post DHL), Bernhard Kampmann (Auswärtiges Amt), Dr. Hans- Joachim Preuß (GTZ), Foto: Marion Book
01.03.2010 Berlin (UD/ld) - Deutschland ist beim Spendenaufkommen für Soforthilfen im internationalen Vergleich Vorreiter. So wurden jüngst alleine 160 Mio. Euro für die Erdbebenopfer in Haiti gespendet. Zugleich beobachten Fachleute immer wieder einen „Hang zum Unprofessionellen“, so Bernhard Kampmann, Leiter des Arbeitsstabes Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes. Das treffe etwa dann zu, wenn Privatpersonen oder Firmen selbst gut gemeinte Sachspenden tätigten, statt Experten zu beauftragen. Nothilfe müsse effektiv kanalisiert werden, daher sei es wichtig, dass sich alle Beteiligten mit der Frage beschäftigen: „Wie können wir uns am besten einbringen?“ so Kampmann weiter.

Für Susanne Meier, Vice President CSR Strategy and Policy der Deutschen Post DHL, ist das eindeutig: „Ein Unternehmen sollte seine Kernkompetenz einbringen“. Die Hauptkompetenz der Deutschen Post DHL sind in diesem Fall ihre Logistikdienstleistungen. Das Unternehmen hat daher vor einigen Jahren die „DHL Disaster Response Teams“ gegründet. Diese Katastrophenhilfsteams werden eingesetzt, um ankommende Hilfslieferungen oder sonstige logistische Herausforderungen in den betroffenen Gebieten zu koordinieren. In Haiti seien die DHL-Teams beispielsweise „innerhalb der ersten 36 Stunden in Port-au-Prince gewesen, um ankommende Hilfsgüter zu verteilen“, so Meier.

Kooperationen sind für Unternehmen wichtig

„Wir sind ein Unternehmen und damit nicht in der humanitären Welt zuhause, daher war es für uns wichtig, einen starken Partner für unsere Hilfe zu finden“, machte Meier deutlich. Die Deutsche Post DHL hat sich dazu für eine Partnerschaft mit dem UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) entschieden. Die Kooperation sei für „beide Seiten ein langer Lernprozess“, der Weg lohnt sich aber, ist sich Susanne Meier sicher. Einsätze wie in Haiti seien zwar reine pro-Bono Projekte der Post, aber ein unternehmerischer Effekt ließe sich trotzdem ableiten: Die eigenen Mitarbeiter sind durch die Partnerschaft stolz und motiviert.

Matthias Stausberg, Sprecher des UN Global Compact, im Gespräch mit dem Publikum, Foto: Marion Book
Bessere Koordination durch neue UN-Internetplattform?

Auch Matthias Stausberg, Sprecher des UN Global Compact, der mittels einer Videoübertragung live aus New York an der Diskussionsrunde teilnahm, erklärte, dass Kooperationen zwischen der UN und Unternehmen anfangs nicht ohne Kontroversen verliefen. Mittlerweile habe die UN aber „eine Fülle von Programmen und Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Unternehmen“, so Stausberg. Ausgangspunkt war hier der verheerende Tsunami im Jahr 2004. Damals sah sich die Organisation einer „überwältigenden Hilfsbereitschaft“ gegenüber, ohne jedoch eine zentrale Anlaufstelle für interessierte Unternehmen bieten zu können. Daraus hat die UN gelernt, so Stausberg. Die jüngst gestartete Internetseite http://business.un.org ist eine gemeinsame Plattform von 30 UN Agenturen. Ziel ist es, einen „koordinierten Einstiegspunkt für Unternehmen“ zu bieten, die mit der UN kooperieren wollen. Alleine Mitgliedsunternehmen des UN Global Compact haben in den letzten Wochen auf diesem Weg 6,2 Mio. US Dollar gespendet.

Ziel: Humanitäre Hilfe mit Perspektive

Kompetente und seriöse Partner vor Ort zu haben sei „immer das zentrale Thema“, bestätigte auch Dr. Hans-Joachim Preuß, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). Häufig gingen humanitäre Katastrophen auch einher mit dem zeitweisen Zusammenbruch von staatlicher Ordnung. Neben der Soforthilfe sollten alle Beteiligten daher den langfristigen Wiederaufbau nicht aus dem Auge verlieren. Als ein Beispiel für einen solchen langfristig schädlichen Effekt nannte Preuß die Medikamentenlieferungen nach Sri Lanka nach dem Tsunami 2004. Diese seien so massiv gewesen, dass die intakte, einheimische Pharmabranche an den Rand des Ruins getrieben wurde. Preuß appellierte daher an die Unternehmen, die Chancen von Public-Private-Partnerschaften mit entsprechender Expertise zu nutzen.

„Wir können alle von einem Know-How Transfair profitieren“, ist auch Christoph Ernesti, Geschäftsführer des Büro Berlin von CARE Deutschland-Luxemburg überzeugt. Die Hilfsorganisation hat seit 60 Jahren Erfahrungen in der Katastrophenhilfe. Alleine in Haiti versorge man derzeit rund 250.000 Meschen mit Wasser, Nahrung, Medikamenten und Notzelten. „Gerade in der Anfangsphase der akuten Nothilfe sind Geldspenden am willkommensten“, so Ernesti. Es sei aber genauso wichtig, dass Unternehmen langfristige Kooperationen mit Hilfsorganisationen eingingen. „Schnell viel Hilfe ist nicht unbedingt gute Hilfe“, so Ernesti. Die Koordination dieser Hilfen, ergänzte Bernhard Kampmann vom Auswärtigen Amt, müsse auch künftig unbedingt bei den Vereinten Nationen liegen.



Wöchentlich, kompetent und kostenlos  - Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Grafik: Husin Sani/Flickr

Newsletter bestellen

Nicht verpassen!

Hier finden Sie die wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Corporate Social Responsibility.
Foto: Verena N./Pixelio


Nachhaltigkeitsakteure und Partner

Links zu Vertretern der Politik, Zivilgesellschaft oder Forschung sowie Verbände und Initiative rund um das Thema Nachhaltigkeit.

.
.