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Unternehmensvorstände setzen Zeichen gegen Korruption

Korruption zerstört den fairen Wettbewerb, hemmt wirtschaftliches Wachstum und gefährdet die Existenz der Unternehmen – viele Geschäftsführer und Vorstände sind sich dieser Konsequenzen nur allzu bewusst. Sie wollen sich gegen Korruption schützen und setzen gemeinsam mit dem UN Global Compact ein Zeichen: In einem öffentlichen Brief fordern sie strengere Maßnahmen im Kampf gegen die Korruption.
Foto: Marion Book
07.10.2009 Münster (UD/jb) - „Erstens brauchen die Bewertungsmaßnahmen eine angemessene, zuverlässige und dauerhafte Finanzausstattung. Zweitens sollten Experten die verschiedenen Länder besuchen um die Umsetzung der Maßnahmen zu kontrollieren. Drittens müssen diese Vorgänge transparent gemacht werden, dazu ist der Einsatz der Privatwirtschaft und aller anderen Anspruchsgruppen sowie die öffentliche Berichterstattung erforderlich.“ So formulieren die Verfasser des Briefes, zu denen der UN Global Compact, die Internationale Handelskammer, Transparency International sowie die Initiative „Partnering Against Corruption“ gehört, ihre Forderungen an die „Internationale Gemeinschaft zur Bewertung der Umsetzung der UN-Konvention gegen Korruption“. Rund 80 Unternehmen weltweit sowie einige NGOs haben den Brief bereits unterzeichnet. Sie wollen so ihre „volle Unterstützung der UN-Konvention“ zum Ausdruck bringen. Aus ihrer Sicht ist diese ein grundlegendes Instrument zur Korruptionsbekämpfung, da sie sich sowohl an Industrie- als auch Entwicklungsländer richtet, alle Arten von Korruption im privaten und öffentlichen Sektor einschließt und weil sie präventive Maßnahmen sowie gesetzliche Bestimmungen beinhalte. Dennoch sind sie davon überzeugt, dass entsprechende Kontrollmechanismen zur Umsetzung der Konvention unverzichtbar sind: „Zu hoffen, dass die Vereinbarung ohne wiederholte Überprüfungen wirksam ist, wäre ein gefährlicher Fehler“, warnen die Verfasser des Schreibens. Außerdem rufen sie anlässlich der im November stattfindenden Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention gegen Korruption in Doha zur Mithilfe auf: Hier soll die Durchsetzung eines entsprechenden Bewertungsmechanismus erreicht werden. Weiterer Aufschub würde die Glaubwürdigkeit der UN-Konvention in Frage stellen.

Das die Korruptionsbekämpfung in der Wirtschaft lohnt, bestätigt auch der aktuelle „Global Corruption Report 2009“ von Transparency International (TI). Deren Untersuchungen ergaben, dass Verbraucher durchaus bereit sind für Produkte und Dienstleistungen integrer Unternehmen mehr zu bezahlen. „Eine Kultur unternehmerischer Integrität sichert Investitionen, steigert den Geschäftserflog und fördert Stabilität“, erklärt Huguette Labelle, Vorsitzende von TI. Schwerpunkt des diesjährigen Reports ist die Privatwirtschaft. Transparency betont, dass auch hier entsprechende Vorkehrungen getroffen werden müssen: So sollten Unternehmen Verhaltenskodizes und Antikorruptionsprogramme verabschieden, organisatorisch umsetzen und auch ihre Mitarbeiter hinreichend schulen. Weiterhin sollen sie über diese Maßnahmen öffentlich berichten. Ähnliche Ansprüche wie die, die auch im öffentlichen Brief der Geschäftsführer zu lesen sind. Dass es diese dringend zu erfüllen gilt, belegt eine aktuelle Studie der PriceWaterhouse Coopers (PwC). 500 größere Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern wurden dazu in Deutschland befragt – deutliche Rückschritte bei der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität sind das Ergebnis. Besonders bei Fällen von Korruptionsdelikten werden die Mitarbeiter zwar meist entlassen aber nicht angezeigt. Viele Unternehmen entscheiden sich für die Vertuschung dieser Fälle, weil sie Verluste ihres Ansehens befürchten. 210 schwerwiegende Fällen von Korruption, Wettbewerbsdelikten, Unterschlagung und anderem wurden im Zuge der Studie untersucht: „Die Hälfte der Täter geht straffrei aus“, erklärt PwC-Partner Steffen Salvenmoser. Bedenklich ist auch die Bilanz der Art und Weise, wie entsprechende Straftaten aufgedeckt wurden: Bei sieben von 10 Fällen geschah das durch Tippgeber oder rein zufällig, nur acht Prozent der Fälle deckten Polizei und Staatsanwaltschaft auf, 13 Prozent die innere Revision.

Transparency-Vize Peter von Blomberg vermutet, dass sich diese Fälle in Zukunft noch häufen könnten. Eine große Gefahr sieht er dabei in der Wirtschaftskrise. Durch die sei es möglich, „dass Unternehmen das Korruptionsverbot weniger ernst nehmen“, so von Blomberg. TI stellt in seinem Bericht jedoch klar, dass zu einer wirksamen Korruptionsbekämpfung auch die Regierungen eine wesentliche Rolle spielen. Größter Kritikpunkt in Deutschland sei die fehlende Ratifizierung der UN-Konvention gegen Korruption. Aus diesem Grund kann Deutschland während der dritten Vertragsstaatenkonferenz in Doha nicht gleichberechtigt an den Verhandlungen über weltweite Überwachungsmechanismen teilnehmen. Das sei ein Nachteil für die deutsche Wirtschaft, die ein hohes Interesse an der international einheitlichen Korruptionsbekämpfung zeigt, so TI.

Die Möglichkeit den Unterstützerbrief der Geschäftsführer zu unterzeichnen und somit ein Zeichen für die Korruptionsbekämpfung zu setzen, besteht jedoch weiterhin für Verantwortliche auf der ganzen Welt.

Diese Meldung wurde ursprünglich für das Deutsche Global Compact Netzwerk (www.globalcompact.de) verfasst.

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