„Der Global Compact hat Fahrt aufgenommen“
Das diesjährige Global Compact Leaders Summit Treffen in Genf stand ganz im Zeichen des Klimawandels und der Globalisierung. Generalsekretär Ban Ki-moon nahm vor allem die Unternehmen verstärkt in die Pflicht. Er erklärte, der Global Compact sei die Chance, um in einer Partnerschaft aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft konkrete Projekte voranzubringen. Wir sprachen mit Dr. Gerhard Prätorius, CSR-Manager bei Volkswagen, über seine Eindrücke der Veranstaltung.
Dr. Gerhard Prätorius, CSR-Manager bei Volkswagen
Dr. Gerhard Prätorius: „Unternehmensrepräsentanten sowie Vertreter von politischen und zivilgesellschaftlichen Organisationen aus über 90 Ländern bei der Konferenz belegen schon sehr eindrucksvoll die Zusammensetzung des Global Compact. Das Treffen hat ganz klar gezeigt, dass der Global Compact an Fahrt gewinnt und sich Themen wie ökologische und soziale Verantwortung nicht in allgemeinen schriftlichen Absichtserklärungen erschöpfen, sondern in konkreten Projekten umgesetzt werden. Zudem war das Diskussionsklima in den Workshops erfreulich offen. Es war interessant zu sehen, wie zum Beispiel der Vertreter eines großen europäischen Konzerns mit einem kenianischen mittelständischen Unternehmer über die Umsetzung der Global Compact Principles diskutiert. Gerade diese Mischung aus länder- und branchenübergreifenden Mitgliedern macht den Global Compact aus und lässt für die Zukunft hoffen.
UD: Wie haben Sie den ersten Auftritt des neuen UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon beim Summit erlebt?
Prätorius: Allein die Tatsache, dass er bei drei Veranstaltungen aufgetreten ist und sich aktiv mit eingebracht hat, zeigt, welch hohen Stellenwert der Global Compact bei der UN hat. Darüber hinaus hat der Generalsekretär in seinen Reden deutlich gemacht, wie sehr ihm der Global Compact am Herzen liegt und dass er ihn weiter voranbringen will.
UD: Tenor der Veranstaltung war, dass die Unternehmen des Global Compact bereits viel erreicht haben, es aber auch noch viel zu tun gibt. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Prätorius: Wir alle müssen den Stakeholderdialog und unsere Informationssysteme verbessern, die Stichworte sind hier Accountability und Transparency. Hinzu kommen natürlich die großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Klimawandel, die Menschenrechte und die zunehmende Verantwortung von Unternehmen. Gerade in letztgenannten Bereichen haben wir mit unserer einzigartigen Sozialcharta als multinationales Unternehmen gute Erfahrungen gemacht, und das motiviert mich, diese im Rahmen des Global Compact stärker in die Diskussion einzubringen.
UD: Es sind auch einige Studien in Genf vorgestellt worden. Eine davon, die Goldmann-Sachs-Studie „GS Sustain“, zeigt einen klar bezifferbaren Zusammenhang von CSR und Unternehmenswert auf. Anthony Ling, der die Studie vorstellte, sagte wörtlich: „Wer jetzt zuerst handelt, hat einen Vorteil.“ Wie schätzen Sie die Ergebnisse der Studie ein?
Prätorius: Das interessanteste Ergebnis der Studie ist für mich, dass sich das Thema Social Responsible Investment (SRI) - bildlich gesprochen – auf der Einfädelungsschleife zum Mainstream befindet. Gut, was das Volumen angeht, ist SRI noch ein Nischenmarkt, wenngleich ein etablierter mit beeindruckenden Wachstumsraten. Aber der andere, für mich spannendere Punkt ist: Wie wird das Thema allgemein diskutiert? Welche Methoden werden entwickelt und welche umgesetzt? Das ist für uns als Unternehmen – gerade bezogen auf die Stakeholder – von großer Bedeutung
UD: Eine Studie von der Beratungsagentur McKinsey befasste sich mit Megatrends. Was konnten Sie davon für Ihr Unternehmen mitnehmen?
Prätorius: Die Studie von McKinsey enthielt für mich keine Überraschungen. Sie deckt sich zum Großteil mit unseren Erkenntnissen. Themen wie Migration und der Trend zu Megacities spielen auch in unseren Zukunftsüberlegungen eine Rolle. Ein weiterer Bereich umfasst die Punkte gesellschaftliche Verantwortung sowie Bildung und gerechte Arbeitsverhältnisse. Dort sind wir bei Volkswagen, wie gesagt, mit unserer Sozialcharta bereits gut aufgestellt.
UD: Kann der Leaders Summit als ‚globale’ Veranstaltung dem deutschen Netzwerk einen Impuls geben?
Prätorius: Auf jeden Fall. Ich denke, dass alle Anwesenden motiviert aus der Veranstaltung heraus gehen und die auf den Weg gebrachten bzw. geplanten Projekte mit neuer Energie weiter verfolgen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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