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Global Compact Leaders Summit 2007

Die Probleme der Globalisierung, des Klimawandels und die Einhaltung von Sozialstandards waren einige der zentralen Themen des 3. Leaders Summit des Global Compact. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Wirtschaftsvertreter eindringlich dazu auf, sich mehr für konkrete Projekte wie etwa die Millenniumsziele zu engagieren. An der Konferenz im UN Hauptquartier in Genf nahmen rund 1.000 Vertreter aus 90 Ländern rund um den Globus teil. Aus Genf berichtet unser Chefredakteur Dr. Elmer Lenzen.
UN Generalsekretär Ban Ki-moon, Foto: UN Photo
11.07.2007 Genf (UD) - “Die Herausforderung ist klar. Unsere Mission ist eine historische,“ betonte Ban in seiner Eröffnungsrede. Die weltweiten Probleme sind zu komplex, um sie alleine zu lösen und der Global Compact sei daher die Chance, um in einer Partnerschaft aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft konkrete Projekte voranzubringen. Der Global Compact als weltweit größtes Netzwerk für verantwortungsbewusstes Wirtschaften solle sich hierbei als Kompass verstehen, der die gemeinsame Richtung aufzeige.
 
Der UN-Generalsekretär bescheinigte den Unternehmensvertretern, dass ihr Engagement kein Marketingspiel sei und auch nicht daher rühre, dass man Fehler gemacht habe, sondern vielmehr von ihm als Beispiel für Marktführerschaft wahrgenommen werde. Zugleich mahnte er an, dass Macht nicht von Verantwortung getrennt betrachtet werden könne. Das Unternehmensengagement müsse daher tiefer und  präziser werden. „Die globalisierte Wirtschaft ist unbestritten verbunden mit Dilemmata wie etwa Lohndumping, staatlichen Regulationen und Klimawandel.“ An die Adresse der Vertreter aus Politik und NGOs gerichtet sagte Ban, dass die Staaten ihre finanzielle Unterstützung aufrecht erhalten sollten und die Zivilgesellschaft sich mit ihrer Fachexpertise aktiv einbringen solle.

Speak out,  step out, scale out

Den Ruf nach mehr konkreten Schritten griff Neville Isdell, Vorstandsvorsitzender von Coca Cola in seiner Rede auf. „Die Zeit für abstrakte Debatten ist vorbei,“ so Isdell. Nach dem Bekenntnis zu mehr Engagement und dem Beitritt zum Global Compact Netzwerk sei nun der nächste Schritt, den Maßstab der Projekte zu vergrößern. Als Beispiel seines Hauses nannte Isdell, dass Coca Cola verstärkt seine Zulieferkette in den Global Compact einbringen werde. Schwerpunkt bilde dabei das Thema Trinkwasserversorgung, weil dies auch ein kritischer Aspekt für das Geschäftsfeld des Unternehmens sei.

“Wir sind entschlossen, uns den noblen Zielen anzuschließen,“ betonte seinerseits der ägyptische Geschäftsmann Talal Abu-Ghazaleh bei der Präsentation der abschließenden "Joint Declaration Of Global Compact Participants On The Role Of Business In Society". Die enorme Zahl von über 1.000 hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft und Politik zeige, dass hier ein mächtiges und handlungsfähiges Netzwerk bereit stehe, um die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Die Global Compact Partner können durch ihr Beispiel Vorbild sein für eine „gerechtere Globalisierung“, wie es Kofi Annan als Begründer einmal formuliert hat.
 
UN keine Marke zum Verkauf

Auf dem Weg hin zu einer globalen Partnerschaft gilt es, noch manches zu verbessern: „Voneinander lernen ist nicht genug. Die Mitgliedschaft alleine ist kein Gütesiegel“, erinnerte Irene Khan, Vorsitzende von Amnesty International. Vor allem sei kein Platz mehr für Trittbrettfahrer, die die Reputation der Vereinten Nationen ohne Gegenleistung nutzten. Irene Khan forderte einen einheitlichen UN-Standard für Menschenrechte, der keine Unterschiede zwischen der Situation in Europa oder Asien zulasse. Die Hauptverantwortung für die Durchsetzung dieser Standards sieht Khan bei den Staaten, aber die Wirtschaft könne und müsse hier drängen, statt oft nur widerwillig zu folgen. Immer, wenn Investitionen gefährdet seien, rufe die Wirtschaft nach internationalen Gesetzen. „Warum ruft die Wirtschaft nicht beim Thema Menschenrechte nach solchen Gesetzen?“ fragte Khan.  

Auch der Chef der UN-Umweltbehörde (UNEP), Achim Steiner, ging in seinem Vortrag auf die Wechselbeziehungen von wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Interessen ein. In den Vordergrund stellte er dabei die Frage, wie die Vereinten Nationen ihre Reputation schützen könne. Manche Kooperationen zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft haben eine lange Tradition, etwa bei Gewerkschaftsanliegen. Die meisten Modelle seien allerdings neu, und hier mahnte Steiner zu besonnenerem Vorgehen: „Wir müssen vorsichtig sein. Wir wollen kein zweites Clinton Summit werden!“ Die Unabhängigkeit aller Akteure und eine klare Grenzziehung der Interessen sei deshalb sehr wichtig. Als einen Schritt in diese Richtung regte der UNEP-Chef an, die Zahl der Projekte zu reduzieren und eher auf Qualität zu achten. Die Vereinten Nationen könnten kein „Supermarkt der Ideen und Projekte“ sein. Gleichwohl sei die UN der richtige Ort für globalen Austausch und Zusammenarbeit. Nur der Global Compact könnte Prozesse glaubwürdig moderieren und den anderen Beteiligten eine angemessene Plattform bieten.
Grafik: global21
Finanzmärkte als Treiber
 
Als einen Motor bei der Weiterentwicklung des Global  Compact sahen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und mit ihm fast alle Redner des Leaders Summit die Finanzmärkte an. Ausdrücklich wurde von allen die Einführung der „Principles for Responsible Investment“ als sektorspezifisches Beispiel der Global Compact-Prinzipien gelobt. Anthony Ling von Goldman Sachs etwa hob hervor, dass Nachhaltigkeitskriterien für die Finanzwelt eindeutig wertschöpfend seien. In der von ihm vorgestellten Studie „GS Sustain“  zeigt Goldman Sachs einen klar bezifferbaren Zusammenhang von CSR und Unternehmenswert auf. „Es braucht seine Zeit, aber die Veränderungen an den Kapitalmärkten sind eindeutig,“ so Ling. „Wer jetzt zuerst handelt, hat einen Vorteil.“ Als Beispiel nannte der Brite den Energiesektor: Im Jahr 2020 werden Erneuerbare Energien ein Marktvolumen von 400 Mrd. US$  haben und damit bis auf die Hälfte an die fossile Industrie herangekommen sein. Ihr heutiger Börsenwert entspricht aber nur 10% der Öl- und Gaskonzerne. „Ich weiß, wo ich mein Geld investiere,“ so der Kommentar von Ling. Zugleich kritisierte er aber auch einige derzeitige Instrumente wie etwa den Dow Jones Sustainable- und FTSE4Good-Index, die seit Jahren den klassischen Börsenbarometern von der Performance her hinterher laufen. 
 
Gegen die Kritik an den nachhaltigen Investment-Indices verwahrte sich Barbara Krumsiek von der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Calvert Group. In den letzten Jahren habe der Fokus der Märkte auf Wachstum und globale Ausdehnung gelegen. Vor allem die Energie- und Explorationsindustrie sei überdurchschnittlich stark davon angetrieben worden. Doch genau diese Branchen seien traditionell jene, bei denen nachhaltige Investoren oft ethische und ökologische Bedenken haben. Als Konsequenz seien sie im nachhaltigen Portfolio entsprechend schwach vertreten, was sich auch auf die Gesamtperformance niedergeschlagen habe. Stattdessen setze man viel stärker auf langfristige Werte und Branchen und das werde sich auch auszahlen. Nämlich dann, wenn die kurzfristig denkenden Investoren ebenfalls die Trendwende bemerken und sich teuer in jene Titel einkaufen müssen, die  nachhaltige Anleger schon lange und verhältnismäßig preisgünstig im Depot halten.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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