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Global Compact-Chef Georg Kell im Interview: Wir wollen der weltweite Maßstab werden

Georg Kell hat Kofi Annans legendäre Davos-Rede geschrieben. Das überwältigend positive Echo war der Grundstein zur Entstehung des Global Compact. In unserem Exklusiv-Interview spricht Georg Kell, der seitdem das Global Compact-Büro in New York leitet, über Ziele, Grenzen und Visionen der Initiative. Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen Jahrbuch des Global Compact Deutschland!
Foto: UN/DPI
17.02.2005 New York (UD/GCD) - Was sind die nächsten Meilensteine des Global Compact?

Bis jetzt ist der Global Compact ein offenes System: Jeder, der willig und fähig ist mitzumachen, ist herzlich eingeladen. Wir werden den Freiwilligkeitscharakter beibehalten, werden aber einen größeren Schwerpunkt auf Qualität legen. Wir wollen also nicht vorrangig mehr Firmen rekrutieren, sondern mit den aktuellen Unternehmen und Teilnehmern arbeiten. In Fachbegriffen ausgedrückt geht es um mehr Brand-Management und Quality-Assurance. Wir werden daher Qualitätsmerkmale einführen, um dahin zu kommen, dass die Teilnahme am Global Compact selbst als positives Indiz für nachhaltiges Engagement eingeschätzt wird. Natürlich halten wir aber auch weiterhin die Tür für neue Mitglieder offen.

Wie setzten Sie die Qualitätskontrolle um?

Wir haben da verschiedene Ansätze, die wir in nächster Zeit mit den Teilnehmern erarbeiten möchten. Einer davon sind die Fortschrittsberichte (Communication on Progress), die wir von den Teilnehmern als Nachweis ihrer Aktivitäten verlangen. Diese Berichte werden immer wichtiger werden, und wir werden sie auch prominent präsentieren, etwa auf unserer Webseite. Gleichzeitig haben wir angekündigt, dass jene Firmen, die keine Fortschrittsberichte abliefern, künftig nicht mehr als aktive Teilnehmer geführt werden.

Eine weitere zentrale Rolle spielen die lokalen Netzwerke, die es mittlerweile in über 40 Ländern gibt. Für uns ist es eine große Herausforderung, dass wir mit sehr vielen Sprachen und Kulturen zu tun haben - Arabisch, Mandarin, Hindu, um nur einige zu nennen. Wir können nicht verlangen, dass alle Beteiligten auf Englisch schreiben, deswegen ist die Dezentralisierung so wichtig. Wir wollen den lokalen Netzwerken mehr Entscheidungsspielraum geben.

Was verstehen Sie unter mehr Entscheidungsfreiheiten?

Wir werden den Netzwerken das Exklusivrecht geben, im Namen des Global Compact Veranstaltungen durchzuführen und eventuell sogar Mitgliedsbeiträge zu verlangen, um damit Aktionen zu finanzieren. Im Gegenzug erwarten wir von ihnen eine stärkere Qualitätskontrolle unter den Teilnehmern. Denn jedes Unternehmen, das negativ auffällt, schädigt die Anstrengungen der vielen anderen und unterminiert deren Investitionen. In solchen Situationen wollen wir den lokalen Netzwerken die Möglichkeit geben, Qualität durchzusetzen und gegebenenfalls auch einen Teilnehmer auszuschließen.

Das klingt nach vielen Auflagen. Ist der Global Compact nur etwas für große Global Player oder auch für kleine und mittlere Unternehmen?

Auf jeden Fall begrüssen wir auch kleine und mittlere Unternehmen! Was wir anbieten, sind ganz einfache Lösungen. Vor allem für den Mittelstand. Es bedarf keines großen Aufwands für einen Fortschrittsbericht. Das ist auch für einen Mittelständler machbar. Wir gewinnen dadurch einen guten Überblick. Und natürlich bieten wir hierfür auch konkrete Hilfestellungen an.

Manche Teilnehmer klagen schon jetzt, dass das Reporting langsam Überhand nimmt!

Das ist zur Zeit ein Dschungel, und teilweise tun mir die Firmen sogar leid. Das tut der Sache nicht immer gut. Der Markt ist einfach nicht aussortiert. Berichte schreiben allein bringt keinen Fortschritt. Im Gegenteil: Würde man manchmal das Geld für Berichte in konkrete Projekte investieren, könnte vielleicht sogar mehr erreicht werden. Wichtiger ist aber, dass die Prinzipien im gesamten Unternehmen umgesetzt werden.

In dem Bereich ist zur Zeit sehr viel Bewegung, aber die Zukunft ist schwer vorhersagbar. Es gibt inzwischen zum Beispiel eine ISO-Inititiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Prozess-Standard für Social Responsibility zu etablieren. Wir gehen davon aus, dass dieser Standard, der in einigen Jahren kommen soll, schon einige Konvergenzen mit sich bringen wird. Das ist übrigens aber auch ein sehr europäisches Problem: Hier werden Initiativen auf Landesebene gestartet, die nicht einmal europaweit koordiniert sind!

US-Unternehmen sind andererseits oft aus Rechtsbedenken nicht dabei...

Der rein juristische Ansatz ist in den USA viel extremer. Der Trend ist dort, dass Firmen möglichst wenig publik machen, weil sie Angst haben, in irgendeiner Klage zu enden. Hier driften Europa und die USA auseinander. In Europa liegt vielleicht schon zuviel Gewicht auf Reporting, in den USA zuviel auf juristischen Vorbehalten. Wir versuchen, dem entgegenzuwirken, weil wir sonst insgesamt an Dynamik und Zusammenhalt verlieren.

Die meisten GC Mitglieder sind Unternehmen. Kommen die NGOs überhaupt ausreichend zu Wort?

Wir zählen auf globaler Ebene rund 20 große NGOs als Teilnehmer, darunter WWF, amnesty international, Transparency International oder Oxfam. Sie begleiten den Global Compact durchaus kritisch, aber im Kern begrüßen sie ihn. Auf lokaler Ebene ist die Zahl der beteiligten NGOs oft noch größer, und die meisten sind sehr engagiert.

Wo sehen Sie den Global Compact in einigen Jahren?

Ich hoffe, dass in fünf Jahren die meisten Business-Schools in aller Welt den Global Compact auf dem Lehrplan haben, und dass zukünftige Wirtschaftslenker mit dem Global Compact groß werden, bevor sie überhaupt in wichtige Positionen kommen. Das zweite Ziel ist, dass der Global Compact in fünf Jahren ein weltweit anerkannter Maßstab für Unternehmensverantwortung und CSR ist.

Das vollständige Interview lesen Sie im aktuellen Jahrbuch des Global Compact Deutschland!

Global Compact Deutschland 2004
Mit Beiträgen u.a. von Horst Köhler, Heidemarie Wieczorek-Zeul, Georg
Kell, Volker Hauff, Peter Eigen, Peter Ulrich, Ernst Ulrich von
Weizsäcker, Elmer Lenzen, Barbara Unmüßig und vielen deutschen Global
Compact- Mitgliedsunternehmen.
88 S., durchgehend farbig, kartoniert und gebunden, FSC-zertifizierter
Druck, ISSN 1614-7685
Einzelpreis: EUR 25.- inkl. MwSt. & Versand
Ab sofort erhältlich!

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