KFW fördert angeschlagenes Mikrofinanzwesen
Mikrokredite gelten vielen als das Wundermittel der internationalen Entwicklungshilfe: Effektiv in der Armutsreduktion, sicher im Geschäftsmodell und renditestark für Investoren. Doch das Bankgeschäft mit den ärmsten Bevölkerungsschichten der Welt leidet stärker unter den Folgen der globalen Finanzkrise als bisher angenommen. Niedriges Wirtschaftswachstum und hohe Arbeitslosigkeit führen zu steigenden Kreditausfällen. Die staatliche Förderbank KfW steuert gegen diesen Trend und fördert die Branche, besonders in Afrika.
Bild: Millennium Challenge Corp.
KfW-Entlastungsfonds für angeschlagene Mikrokreditbranche
Diese Entwicklung zu stoppen und den Mikrofinanzsektor vor den Auswirkungen der Finanzkrise abzusichern ist „ein zentrales Ziel“ der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), sagte Doris Köhn, Mikrofinanzexpertin der KfW gegenüber dem Handelsblatt. Mit Investitionen von rund 1,5 Milliarden Euro und mehr als 150 Mikrofinanzprojekten weltweit ist die KfW einer der größten Finanziers der Branche. Als Reaktion auf die Finanzkrise lancierte die Kreditanstalt daher Anfang 2009 gemeinsam mit der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) einen globalen Großfonds zur Refinanzierung von Mikrokrediten. Mit einem Volumen von etwa 356 Millionen Euro soll diese „Microfinance Enhancement Facility“ betroffene Kreditinstitute in Entwicklungsländern, die nun Schwierigkeiten haben ihre Refinanzierung über Darlehen oder Anleihen zu sicher, liquide halten. „Die Nachfrage ist hoch“, bestätigt Köhn die Notwendigkeit dieser Maßnahme. Die KfW sicherte mit ihrem Partner IFC allein über 190 Millionen Euro zu, weitere Investoren übernehmen den Rest.
Trotz Finanzhilfen wie diesen sind sich die Experten einig, dass die Krise die Branche verändern wird. Zumindest eine Verlangsamung des rasanten Wachstums sei absehbar, so die CSFI Studie. Seit 2005 vergrößerte sich die Industrie jährlich um 60 bis 70 Prozent. Weltweit wird die Zahl der Kleinkreditgeber mittlerweile auf über zehntausend geschätzt und nur 1.200 sind zentral registriert. Unabhängig von der Finanzkrise sei daher in einigen Bereichen „ohnehin eine Konsolidierung nötig gewesen“, sagte Köhn dem Handelsblatt. Die Qualität und die Kontrollmöglichkeiten würden sich dadurch erheblich verbessern.
Konsolidierung hier, Aufbau dort
Während sich die Mikrofinanzbranche in einigen Regionen also durchaus „gesund schrumpfen“ kann, geht es in anderen noch immer um Aufbau, Sicherung und eine größere Marktdurchdringung. Afrika ist hier ein Beispiel: Trotz einer seit Jahren zunehmenden Anzahl an Mikrofinanzinstitutionen gilt die Branche des Kontinents noch als unterentwickelt. Gegenüber UmweltDialog nannte Bruno Wenn 2007, ehemaliger KfW-Bereichsleiter Subsahara Afrika, vor allem die geringe Bevölkerungsdichte als eine Herausforderung. Das mache es „schwieriger, nachhaltige Ansätze im ländlichen Raum zu etablieren“, so Wenn. Der Zugang für arme Bevölkerungsschichten zu Finanzdienstleistungen sei daher nach wie vor zu gering. Dies sei ein Grund dafür, dass die KfW gemeinsam mit anderen Partnern das Projekt „Mikrofinanzierung für Subsahara Afrika“ (MIFSSA) ins Leben gerufen habe. Die bereits 2005 gegründete Initiative umfasst den Aufbau von elf Mikrofinanzinstituten in neun Ländern der Region. Als ein gelungenes Beispiel nennt die KfW die Eröffnung der Bank „Advans Ghana Savings and Loans Limited“. Ein Jahr nach der Gründung betreuen im Herbst 2009 bereits 35 Kreditsachbearbeiter die über 1.750 Kunden in drei Geschäftsstellen in der ghanaischen Hauptstadt Accra, so die KfW. Weitere Filialen seien auch außerhalb geplant.
Afrika: Liquiditätssicherung und Professionalisierung
Neben dem Zugang zu Mikrokrediten ginge es aber auch in Afrika um die Sicherstellung von Liquidität, so Bruno Wenn auf einem Arbeitstreffen der EU zum Thema „Microfinance in Africa“ im Januar 2009. Zu diesem Zweck startete die KfW-Entwicklungsbank gemeinsam mit anderen internationalen Partnern im Dezember 2009 den Mikrofinanzfonds „Regional Micro, Small and Medium Entreprises Investment Fund for Sub-Saharan Africa“ (REGMIFA). Karl-Heinz Fleischhacker von der KfW-Entwicklungsbank sagt, das Ziel sei es bis Ende 2014 rund 143 Millionen Euro zusätzlich bereit zu stellen. Das Besondere daran: 85 Prozent der Mittel werden in örtlichen Währungen zur Verfügung gestellt. Folglich tragen lokale Banken kaum Wechselkursrisiken und müssen nicht, wie bei vielen anderen Krediten, mit Kursschwankungen von Dollar und Euro zurechtkommen.
Eine weitere Lücke im Auf- und Ausbau der Mikrofinanzbranche Afrikas schließt der Deutsche Akademische Austauschdient (DAAD): Den Mangel an afrikanischen Mikrofinanzexperten. In Kooperation mit der Frankfurt School of Finance and Management und der Université Protestante au Congo konnte im Januar 2010 das erste „Fachzentrum für Mikrofinanz“ in Subsahara Afrika eröffnet werden. Hier können nun afrikanische Studenten den ersten fachspezifischen Masterstudiengang belegen und sich zu Experten für das Mikrofinanzwesen ausbilden lassen. Davon profitieren auch die Mikrofinanzprojekte der KfW. Doris Köhn erklärt, dass es sich gerade für den Aufbau von Mikrobanken bewährt habe „auf junge Menschen, vor allem Hochschulabsolventen“ zu setzen. So ließe sich Korruption und Vetternwirtschaft am besten eindämmen und sicher stellen, dass nur der Kunde einen Kredit erhält der die Kreditvoraussetzungen erfüllt. Gerade in Zeiten sinkender Rückzahlungsquoten sicher ein wichtiges Argument.
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