Studie: Gute ESG-Leistung entlastet Unternehmen
Verantwortungsbewusste Kapitalanlagen gewannen in den vergangenen Jahren deutlich an Boden, mittlerweile werden 84 Milliarden US-Dollar nach Umwelt-, Sozial- und Corporate-Governance-Aspekten (ESG) verwaltet. Wie sich dieser Ansatz auf die Finanzen eines Unternehmens auswirkt, blieb bisher allerdings im Dunkeln. Die globale Forschungsabteilung der UniCredit hat nun Licht in dieses Dunkel gebracht und dabei erstaunliche Ergebnissen zutage gefördert. UmweltDialog konnte darin Einblick nehmen.
Foto: Marion Book
Nach Angaben der UniCredit handelt es sich bei der Studie um die bislang umfassendste Kombination aus Finanz- und Nachhaltigkeits-Ratings im deutschen Aktienmarkt. Sie analysiert insgesamt 140 deutsche Unternehmen in 18 Sektoren und deckt damit mehr als 90 Prozent der Börsenkapitalisierung ab.
Für die Untersuchung hat die Forschungsabteilung der UniCredit unter die Lupe genommen, wie sich die Eigenkapitalkosten zwischen Unternehmen, die ein positives ESG-Rating vorweisen, und Unternehmen, die kein gutes ESG-Rating vorweisen können, über die Zeit entwickelt haben. Dabei wurde angenommen, dass Unternehmen, die eine bessere ESG-Performance vorweisen können, auch einem weniger starken Risiko ausgesetzt sind und damit niedrigere Eigenkapitalkosten haben. Bei Eigenkapitalkosten handelt es sich um kalkulatorische Zinsen, denn das Eigenkapital hätte ja auch an anderer Stelle (etwa am Kapitalmarkt) einen Zins in bestimmter Höhe erbracht.
Kursziele darauf abgestimmt
Zur Bewertung der ESG-Leistung griffen die Analysten auf die Ratings von oekom research zurück, die ein positives ESG-Rating als „Prime“-Investment-Status klassifizieren, ein negatives als „Not Prime“-Investment-Status. Um einen branchenspezifischen Vergleich zu ermöglichen, wurde diese Analyse auf Sektorebene durchgeführt. Die Ergebnisse flossen schließlich in die herkömmliche Bewertung der Kursziele der von der UniCredit beobachteten Aktien mit ein.
Nach dieser Analyse zeigte sich, dass ein Großteil der Unternehmen, die ein „Prime Investment Status“ vorweisen können, auch niedrigere Eigenkapitalkosten haben. Die Gleichung „Besseres ESG-Rating = niedrigere Eigenkapitalkosten“ gilt laut UniCredit Global Research für insgesamt 60 Prozent der 18 analysierten Sektoren.
Nachweisen ließ sich dieser positive Zusammenhang unter anderem für den Sektor „Automobiles & Parts“. Teilt man diesen Sektor in zwei Portfolios auf – ein Portfolio mit „Prime“-Aktien, ein Portfolio mit „Not Prime“-Aktien – zeigen sich deutliche Unterschiede: Während die Risikoprämie im Prime-Portfolio 4,72 Prozent betrug, lag sie im „Not-Prime“-Portfolio bei 6,21 Prozent. Das wiederum bedeutet niedrigere Eigenkapitalkosten für „Prime“-Aktien gegenüber „Not Prime“-Aktien – schont also die Unternehmenskassen. Laut Studie gilt das gleiche Verhältnis auch für die Sektoren „Telecommunications“ und „Chemicals“, wo die Risikoprämien um 2,41 resp. 0,39 Prozent niedriger sind.
Für die restlichen 40 Prozent der analysierten Sektoren gilt diese Gleichung dagegen nicht. Das trifft beispielsweise auf die Sektoren „Capital Goods“, „Pharmaceuticals & Biotech“, „Health Care“ und „Consumer Goods“ zu. Warum das so ist, konnte die Untersuchung nicht eindeutig klären. Es gebe jedoch einen sehr klaren Trend zur Angleichung, heißt es aus der Bank. Demnach weisen 67 Prozent dieser Sektoren im Zeitverlauf auf eine schrumpfende Differenz zwischen den Eigenkapitalkosten von „Prime-“ und „Not-Prime“-Unternehmen hin.
UniCredit empfiehlt mehr Transparenz und Engagement
Welche Schlussfolgerungen können nun Unternehmen aus den Untersuchungsergebnissen ziehen? Zunächst, dass der Zusammenhang „Besseres ESG-Rating = niedrigere Eigenkapitalkosten“ nicht nur ein vermuteter, sondern ein realer ist – der sich zudem in den kommenden Jahren noch deutlicher abzeichnen wird. Für die meisten Unternehmen scheint es daher ratsam, ihr ESG-Rating zu verbessern. Die UniCredit empfiehlt dazu mehr Transparenz hinsichtlich der unternehmerischen ESG-Leistungen. Das könne entweder durch Zusammenarbeit mit ESG-Analysten oder durch Etablierung eines unternehmensspezifischen Nachhaltigkeitsberichtes erreicht werden.
Dass diese höhere Transparenz und die stärkere Konzentration auf ESG-Aspekte für die Unternehmen immer wichtiger werden, halten die Analysten für ausgemacht. Der Druck, vom derzeit noch dominierenden Ansatz der Vermögensmaximierung für Aktionäre (Shareholder-Value) auf die Berücksichtigung aller Interessensgruppen (Stakeholder-Prinzip) umzuschwenken und ESG-Aspekte stärker zu beachten, werde durch die aktuelle Finanzkrise eher verstärkt als verringert. Daher sei es auch nur eine Frage der Zeit, bis weitere Research-Anbieter dem „ESG-Mainstreaming“-Ansatz der UniCredit folgten.
Weitere Artikel zum Thema:
Im Blickpunkt: HypoVereinsbank
Kontakt
Impressum
RSS
English Version



Drucken 
Senden
Leserbrief






