Deutsche Post mit eigener SRI-Roadshow Vorreiter
Nachhaltigkeitsthemen durchdringen immer stärker die Finanzwelt. Nicht erst seit der Klimadebatte fragen auch traditionelle Investoren danach, inwiefern Unternehmen diese Chancen und Risiken in ihrer Strategie bewertet haben. Die Deutsche Post World Net hat als erster kontinentaleuropäischer Konzern auf den Trend reagiert und veranstaltet erfolgreich seit 2005 eine spezielle SRI-Roadshow. UmweltDialog sprach darüber mit dem Senior Investor Relations Manager Thorsten Boeckers und Dr. Winfried Häser, Director Environmental Policy & Strategy.
Transparenz: Posttower in Bonn, Fotos (2): DPWN
Dr. Winfried Häser: Wir haben die Roadshow damals aktiv von unserer Seite angeschoben, weil wir aufgrund vieler Anfragen die Einschätzung gewonnen hatten, dass das Thema Nachhaltigkeit in der Finanzwelt an Bedeutung gewinnt. Anfangs waren wir uns aber nicht sicher, ob es sich lohnt, von unserer Seite die Analysten mit gezielt aufbereiteten Informationen zum Thema Nachhaltigkeit zu versorgen. Letztendlich ist es der Initiative von Thorsten Boeckers zu verdanken, der die Idee zur Roadshow hatte, um den Puls des Finanzmarktes zu erfühlen. Das Ergebnis ist sehr positiv: Bei allen Roadshows treffen wir Analysten an, die unser Unternehmen bereits im Vorfeld sehr genau unter die Lupe genommen haben und daher die klassischen IR-Fragen gar nicht mehr stellen, sondern ganz gezielt nachfragen, welche Strategien wir zu verschiedenen Nachhaltigkeitsthemen entwickelt haben. Der Fokus liegt sehr stark darauf, dass dies nicht philantrophisch eingefärbt sein soll. Vielmehr ist die Business-Relevanz von Nachhaltigkeit zu identifizieren, herauszuarbeiten und damit auch als wichtiges Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens herauszustellen. Die Analysten wollen sehr genau wissen, ob wir uns der Risiken und Chancen bewusst sind, und welche Prozesse wir angeschoben haben, um auf aktuelle Trends zu reagieren.
Thorsten Boeckers: Dass wir die SRI-Roadshow jährlich durchführen, zeigt ja auch, wie wichtig uns das Thema Nachhaltigkeit ist. Und der Aufwand lohnt sich: Das Feedback ist wirklich sehr beeindruckend. Viele Investmenthäuser merken etwa an, dass wir das erste kontinentaleuropäische Unternehmen sind, das sich mit einer dezidierten SRI-Roadshow dem Thema stellt.
UmweltDialog: Welche Bereiche werden kritisch hinterfragt und welche Aspekte werden positiv aufgenommen?
Dr. Häser: Das sind all jene Themen, die für die wirtschaftliche Leistungsstärke des Unternehmens als relevant angesehen werden. So wird etwa sehr genau hinterfragt, wie wir die Beziehungen zu unseren Mitarbeitern regeln und faire Arbeitsbedingungen einhalten. Auch Fragen aus dem Umweltbereich werden häufig gestellt – oft bezogen auf jene Themen, die wir auch selbst schon priorisiert haben, wie die Nutzung fossiler Kraftstoffe und ihre künftige Verknappung, die Kostenentwicklung bei diesen Ressourcen und der Klimawandel.
Dr. Häser: Man lernt, sich auf die verschiedenen Themen besser vorzubereiten. Eine Konsequenz war, dass wir in diesem Jahr eine weitere Kollegin eingebunden haben, die das Thema Code of Conduct betreut, aus dem Human Ressources-Bereich kommt und hier so unsere Kompetenz verstärkt.
UmweltDialog: Sind die Roadshows ein Prozess des gegenseitigen Lernens oder steht die Aufklärungsarbeit im Vordergrund?
Boeckers: Von unserer Seite ist ein Dialog gewollt. Wir wollen den Investoren Informationen über unser Unternehmen geben, die sie vorher in der Tiefe noch nicht erfahren haben. Das heißt aber nicht, dass wir dies stur abarbeiten, sondern wir fangen die Gespräche in kleinem Kreis immer so an, dass wir dem Investor zunächst die Gelegenheit geben, ihre Interessensbereiche darzulegen, und dann gehen wir gezielt auf diese Wünsche ein. Üblicherweise ergibt sich sehr schnell eine Diskussion, wo nachgehakt wird und vertiefende Fragen folgen. Für uns ist es hier stets wichtig zu lernen, welche Interessen die Investmenthäuser als unsere potenziellen oder bestehenden Aktionäre haben.
UmweltDialog: Gibt es da eigentlich Unterschiede bei der Fragestellung zwischen angelsächsischen und kontinentaleuropäischen Investoren?
Boeckers: Nicht wirklich. Es kommt vielmehr auf die Kompetenz der Investmenthäuser an. So existiert beispielsweise ein großes belgischen Finanzhaus, dass seit Jahren hierzu eine ausgewiesene Expertise besitzt und mit seinem Know how manch anderen in der Londoner Finanzwelt in den Schatten stellt.
UmweltDialog: Oft fällt das Argument, dass Umwelt- und Sozialengagement Geld koste. Ihr Vorstand Monika Wulf-Mathies hielt dem jüngst entgegen, dass die Kapitalmärkte sehr genau auf Umweltbilanzen schauen. Haben sie die IR-Diskussionen als Chancen- oder Kostendebatte erlebt?
Dr. Häser: Es wird nicht voreingefärbt vorgetragen. Vielmehr möchte man wissen, wie wir das Thema einschätzen. Von unserer Seite sehen wir es so, wie es auch Frau Dr. Wulf-Mathies, die Leiterin des Nachhaltigkeitsbereiches bei Deutsche Post World Net, dargestellt hat. Wenn wir die Gesamtauswirkungen betrachten, haben wir sowohl Risiken als auch Chancen, und unsere Managementsysteme müssen darauf ausgelegt sein. Die Chancen versuchen wir beispielsweise dadurch zu nutzen, indem wir zum Thema Klimawandel unsere „Go Green“-Produkte auf den Markt gebracht haben, und diese Produkte auch künftig durch verfeinerte Angebote für spezielle Marktsegmente ausbauen wollen. Das ist ganz klar eine Chance, die wir nicht hätten, wenn sich das Umweltbewusstsein bei unseren Kunden nicht gewandelt hätte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Risiken, wie etwa die Verknappung fossiler Ressourcen, die sich auch auf unsere Preiskalkulation auswirken.
Zentrale der Postbank, Foto: DPWN
Boeckers: Unsere Ansprechpartner sind nicht ausschließlich nachhaltig investierende Häuser, sondern wir reden mit klassischen Investmenthäusern. Da sitzen dann acht bis zehn Personen an einem Tisch, von denen jeder seine Kernkompetenz hat, wobei SRI ein Aspekt ist. Die Entscheidung, ob DPWN-Aktien gekauft werden, fällt also nicht auf Grundlage einer Ansicht, sondern das Gesamtbild muss stimmen.
Dr. Häser: Wir haben mit der SRI-Roadshow nicht spezielle Fondsmanager – etwa von ausgewiesenen Nachhaltigkeitsfonds – angesprochen, sondern die Investmentteams in den Finanzhäusern, die ganz verschiedene Fonds mit ihrem Input unterstützen. Unsere Erkenntnis ist, dass SRI auch bei den vielen anderen, traditionellen Fonds an Bedeutung gewonnen hat. SRI-Aspekte werden heute in die täglichen Investmententscheidungen sauber eingearbeitet.
UmweltDialog: Sie sind ja auch in einer Reihe nachhaltiger Indices und Ratings gelistet. Inwiefern prägt deren Anforderungsprofil ihr internes Management?
Dr. Häser: Man analysiert die Anforderungen schon, zumindest, sofern sie uns offen gelegt werden. Vor allem den DJSI und FTSE4Good sehen wir als die Leitindices im Nachhaltigkeitsbereich weltweit an. Uns ist es daher schon sehr wichtig, in diesen Indices vertreten zu sein. Wenn sich dort die Anforderung ändern, passen wir ggfs. unseren Fokus an. So legen wir heute beispielsweise einen stärkeren Fokus auf Umweltmanagementprozesse und ihre Zertifizierung, z.B. durch ISO 14001, denn dies wird von Ratingagenturen und Indices als Indikator für die Qualität der eigenen Umweltleistung angesehen.
UmweltDialog: Für Außenstehende kommt der Eindruck auf, dass das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltiges Investment dem Mutterkonzern DPWN sehr wichtig ist, während die Tochter Postbank hier erst am Anfang steht, und es bei der Bausparkasse BHW noch gar nicht angekommen ist. Denken Sie auf Konzernebene über vereinheitlichende Strategien nach?
Boeckers: Eine leicht unterschiedliche Aufstellung ist hier notwendig. Die Postbank ist eine Privatkundenbank, während der Rest des Konzern ein Logistikunternehmen ist. Da sind Unterschiede vorgegeben, wenn Sie alleine schon den „ökologischen Fußabdruck“ betrachten. Aber auch bei unseren Töchtern passiert vieles, etwa im gesellschaftlichen Engagement. Erst jüngst hat zudem die BHW angekündigt, dass man für Bausparer Finanzierungsmodelle anbieten will, die ganz konkret Klimaschutzziele unterstützen. Das heißt, auch hier geht eine Konzerntochter neue Wege und versucht Produkte anzubieten, die der Gesamtkonzernstrategie entsprechen. Die Postbank ist damit und mit ihrem umfangreichen gesellschaftlichen Engagement, z.B. als Unterstützer der „Aktion Mensch“, auch im Vergleich mit anderen Banken sicher gut aufgestellt!
Herzlichen Dank für das Gespräch!
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