Wohlstand führt automatisch zu mehr Emissionen
Wer im Geschäft einen Artikel kauft, belastet damit in der Regel nicht die Umwelt im eigenen Land, sondern in der Region, in der dieser produziert wurde. Diese bisher stets vernachlässigte Tatsache nahm der Energieexperte Edgar Hertwich von der Universität Trondheim genauer unter die Lupe. Er berechnete den Klimafußabdruck von 73 Ländern und 14 Regionen, wobei Produktionsdaten, Importe und Exporte der einzelnen Länder sowie deren Treibhausgas-Emissionen als Grundlage dienten.
Foto: Marc Heiligenstein/Fotolia.com
"Kaufen wir in Europa Kleidung oder Unterhaltungselektronik aus China, so verbrauchen wir damit Energie und Emissionen auf dem Niveau Chinas. Dort und in vielen Schwellenländern produziert man jedoch weiterhin kohlenstoffintensiv und kaum energieeffizient", verdeutlicht Hertwich. Das führe dazu, dass beispielsweise 58 Mio. Tonnen von 2001 in der Schweiz produzierten Treibhausgasen 87 Mio. Tonnen derselben gegenüberstehen, die im Ausland für importierte Güter und Dienstleistungen ausgestoßen wurden. "Anstatt die Auslagerung der Produktion in Entwicklungsländer als Fortschritt im Klimaschutz zu betrachten, sollten daher in Zukunft globale Zusammenhänge transparenter gemacht werden", schlägt der Umweltexperte vor.
Deutlich macht das Fußabdruck-Modell unter anderem, dass steigender Wohlstand eines Landes unweigerlich zu höheren Emissionen führt. "Reiche Staaten sind wirtschaftlich aktiver und verbrauchen automatisch mehr Energie. Daneben hat die Globalisierung für viele billige Güter und entsprechend höheren Konsum gesorgt, denn die Lebensdauer etwa von Spielzeug oder Handys ist erheblich kürzer und der Materialdurchsatz entsprechend höher", berichtet Hertwich. Neben der Emissionsreduktion in Drittweltstaaten sei somit die Änderung der Konsummuster der wichtigste Ansatzpunkt für den Klimaschutz. Das Bewusstsein für "Grünes Shopping" ist bisher noch wenig ausgeprägt, erste Angebote dazu gibt es jedoch bereits.
Die Forschung liefert wichtige Daten für die Erweiterung der "integrierten Produktpolitik" der EU. Dabei handelt es sich um Bemühungen, die Auswirkungen eines Produktes in all seinen Lebensphasen von Entwicklung bis Entsorgung auf Boden, Wasser und Luft zu erfassen und in weiterer Folge Umweltbelastungen zu minimieren. Umgesetzt wird dies bereits teils in freiwilligen ökonomischen Instrumenten wie etwa Umweltzeichen, teils in gesundheits-, wirtschafts- oder finanzpolitischen Maßnahmen. "Bisher gibt es integrierte Produktpolitik bei Elektronik-Artikeln, wo man um Schrottrecycling bemüht ist, sowie bei der Vermeidung giftiger Chemikalien in der Produktion. In Zukunft könnte das Prinzip auf Treibhausgasemissionen ausgeweitet werden", so Hertwich.
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