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Dossier zur Frauenquote: Unternehmen veröffentlichen Ziele

Frauenquote ja oder nein? Das Treffen zwischen den dreißig größten börsennotierten deutschen Unternehmen und der Regierung brachte zwar Bewegung, aber nicht unbedingt Fortschritt in die Diskussion. Ein Entschluss, ob eine gesetzlich festgelegte Frauenquote für Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Deutschland eingeführt werden soll, wurde nicht gefällt. Ergebnislos war das Treffen dennoch nicht: Jedes der Unternehmen legte eine freiwillige Zielvereinbarungen zur Steigerung des Anteils von Frauen in Führungspositionen vor.
Foto: mirimcfly/flickr.com
24.10.2011 Münster (UD/jb) - Zwar gibt es zwischen den Plänen der Unternehmen große Unterschiede, doch mit der Bekanntmachung ihrer Ziele machen sie sich überprüfbar. Die online Ausgabe des Manager Magazins hat die vorgelegten Zahlen der Unternehmen in einer Übersicht veröffentlicht:

DIE SELBSTVERPFLICHTUNG DER 30 DAX-KONZERNE [Mehr...]


In der Berichterstattung nach dem Treffen steht jedoch vor allem Uneinigkeit der Diskussionsbeteiligten um die Frage der gesetzlichen Frauenquote im Vordergrund. Die Hauptakteurinnen sind dabei die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder und die Arbeitsministerin Ursula von der Leyen – beide vertreten grundsätzlich verschiedene Standpunkte. Schröder ist gegen die Quote per Gesetz, sie setzt auf die Freiwilligkeit der Unternehmen und ist daher mit dem Ergebnis des Treffens zufrieden. Der Druck der Öffentlichkeit, der durch die Bekanntgabe der Unternehmensziele entsteht, soll ihrer Meinung als Anreiz zur Erfüllung der Zahlen reichen. Von der Leyen plädiert nach wie vor für die gesetzliche Quote. An die Freiwilligkeit glaubt sie in dieser Sache nicht, denn ihre Erfahrungen sprechen dagegen. Bereits vor zehn Jahren wurde eine freiwillige Vereinbarung mit den Unternehmen geschlossen, genützt hat es wenig. Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war bei diesem Treffen zugegen und äußerte sich eindeutig gegen die Einführung der gesetzlichen Quote.

Neben diesen, sowie den dreißig Unternehmen, die einheitlich gegen eine Gesetzesverordnung sind, gibt es aber noch weitere wichtige Stimmen in dieser Debatte. Zum Beispiel die von Viviane Reding, Vize-Chefin der EU-Kommission. Für sie gibt es keinen Zwischenweg mehr, nur noch eine letzte Chance: Sind bis 2012 nicht ausreichend Chefsessel mit Frauen besetzt, kommt die Frauenquote per Gesetz von der EU.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zu dem letzten Treffen bisher nicht geäußert. Ihre Meinung zur gesetzlichen Quote hat sie jedoch schon bei früheren Anlässen deutlich gemacht: Sie ist dagegen und plädiert auf die Selbstverpflichtung der Unternehmen.

In dieser Übersicht erfahren Sie mehr über die Reaktion und Standpunkte der Beteiligten nach dem Treffen zwischen Unternehmen und Regierung:


Kristina Schröder, Familienministerin:

  
17.10.2011 – „Wette gewonnen“
„Ich habe prophezeit, dass sich kein Konzern eine einstellige Frauenquote als Ziel setzen wird – und die jetzt vorgelegte Liste zeigt, dass tatsächlich kein Unternehmen unter zehn Prozent geblieben ist“, so Schröder (welt.de) [Mehr...]

15.10.2011 - Schröder bereitet Gesetz zur Frauenquote vor
„Die Flexi-Quote, wie ich sie mir für Vorstände und Aufsichtsräte vorstelle, lässt Unternehmen den vollen Entscheidungs- und Gestaltungsspielraum bei größtmöglicher rechtlicher Verbindlichkeit“, so die CDU-Politikerin. (wiwo.de) [Mehr...]

Ursula von der Leyen, Arbeitsministerin:



17.10.2011 – Von der Leyen pocht auf gesetzliche Regelung
„Ich bin der festen Überzeugung, ohne Gesetz wird es nicht gehen“, sagte von der Leyen. Das hätten die „frustrierenden Erfahrungen in den letzten zehn Jahren“ gezeigt. Die Dax-Konzerne hätten fast nichts bewegt. (rp-online.de) [Mehr...]

17.10.2011 – Schelte von Ministerin
„Ich hätte erwartet heute und mich gefreut, wenn wir eine klare Aussage zu der Frage bekommen hätten, wie geht es weiter mit Vorständen und Aufsichtsräten.“ (reuters.com) [Mehr...]

Sabine Leutheusser-
Schnarrenberger, Justizministerin
17.10.2011 – Justizministerin will Konzernen bis 2013 Zeit geben
Solange eine Selbstregulierung der Unternehmen ans Ziel führe, bedürfe es „keiner gesetzlichen Quoten“, sagte die Ministerin (spiegel.de) [Mehr...]

Viviane Reding, EU-Kommissarin:17.10.2011 – Frauenquote könnte von EU kommen
„Im März 2012 werde ich Bilanz ziehen“, sagte Kommissarin Reding der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. „Gibt es keine konkreten Erfolge, dann kommt die gesetzliche Quote.“ (stern.de) [Mehr...]

Angela Merkel, Bundeskanzlerin:03.02.2011 - Bundesregierung lehnt Frauenquote ab
Über ihren Sprecher Steffen Seibert ließ Kanzlerin Angela Merkel ausrichten, sie verfolge "fürs Erste" nicht das Ziel einer gesetzlich verbindlichen Quote. (dw-world.de) [Mehr...]




Das sagen die Unternehmen:

BASF
Eine feste Frauenquote hält BASF-Konzernchef Kurt Bock für eine „fehlgeleitete Idee“. (morgenweb.de) [Mehr...]

  
SAP
„Bei SAP stehen die langfristige, nachhaltige Personalentwicklung und die Schaffung flexibler Rahmenbedingungen zur Verbesserung der Arbeitssituation für Frauen im Vordergrund“, sagte Finanz-und Personalvorstand Werner Brandt. (morgenweb.de) [Mehr...]

HeidelbergCement
„HeidelbergCement setzt auf die freiwillige Selbstverpflichtung als nachhaltigen Weg zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen“, sagte Andreas Schnurr, Leiter Personal.
(morgenweb.de) [Mehr...]

Deutsche Post DHL
„Aus unserer Sicht bedarf es keine gesetzliche Vorgabe, um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen“, Personalvorstand Walter Scheurle. (dp-dhl.com) [Mehr...]

  
Deutsche Telekom
„Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass die Qualität der Diskussionen in gemischten Teams besser ist. Gemischte Teams liefern am Ende bessere Ergebnisse“, so René Obermann, Vorstandsvorsitzender. (telekom.com) [Mehr...]

BMW
„Eine gesetzliche Quote führt nicht zu einem nachhaltigen Weg, das zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern. Nachhaltig werden nur einzelne Selbstverpflichtungen sein.“ BMW-Personalchef Harald Krüger (taz.de) [Mehr...]

adidas
„Wir sind davon überzeugt, dass wir uns Ziele gesetzt haben, die zu unserem Unternehmen und unserer Mitarbeiterstruktur passen. Wir fokussieren uns auf die Erhöhung der Frauenanteile in unseren Führungsprogrammen, um mehr Frauen ausreichend zu unterstützen, Führungspositionen in allen Bereichen unseres Unternehmens einnehmen zu können.“ Matthias Malessa, Chief Human Resources Officer. (nordbayern.de) [Mehr...]


 
Aktuelle Umfragen:

18.10.2011 – Umfrage: Frauen wollen keine weiblichen Chefs
Nur drei Prozent aller weiblichen Fach- und Führungskräfte wünschen sich eine Chefin. 27 Prozent bevorzugen einen Mann als Chef. Dem Rest ist das Geschlecht egal. (welt.de) [Mehr...]

19.10.2011 – Umfrageergebnis: Frauenquote soll nicht per Gesetz durchgesetzt werden
ka-news.de hat seine Leser befragt: Weibliche Führungskräfte - Soll die Frauenquote gesetzlich geregelt werden? Das Ergebnis ist eindeutig: 74,77 Prozent der Umfrageteilnehmer halten überhaupt nichts von einer gesetzlichen Quotenregelung. (ka-news.de) [Mehr...]


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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