Nachhaltigkeitsexperten im Gespräch mit Bundesregierung
Die Bundesregierung hat den hohen Handlungsdruck erkannt, unter den Deutschland in einem globalen Wettbewerb um Lösungen für eine klima- und umweltfreundliche Wirtschaft und Gesellschaft gerät. Diesen Schluss zogen ausländische Nachhaltigkeitsexperten aus einer Unterredung in Berlin mit Bundeskanzleramtsminister Ronald Pofalla und den für Nachhaltigkeitspolitik zuständigen Staatssekretären aller Ministerien.
Björn Stigson, Präsident des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD). Foto: WBCSD
Andere Länder, insbesondere China, verfolgen laut Stigson bereits jetzt ehrgeizigere strategische Ziele für die Umstellung ihrer Volkswirtschaften auf eine ressourcen- und klimaschonende Produktion und Energieerzeugung. Daraus ergebe sich ein „Green Race“, ein scharfer internationaler Wettbewerb um Chancen und Positionen in einem neuen, nachhaltigen Wachstum. Deutschland habe dafür „enormes Potenzial“, doch dies bleibe in vielen Fällen ungenutzt, sagte Stigson, der auch die chinesische Regierung und den US-amerikanischen Kongress in Nachhaltigkeitsfragen berät. „Wenn Deutschland weiterhin eine wichtige Rolle spielen will, muss es seine Wirtschaft neu organisieren.“ Der Bundesregierung riet Stigson, trotz großer tagespolitischer Herausforderungen Kurs auf eine nachhaltige Entwicklung zu nehmen. Dies müsse jetzt geschehen.
Stigson mahnte dazu unter anderem eine bessere Kooperation zwischen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und dem Staat an. Kooperations- und Abstimmungsdefizite sieht er insbesondere auf dem deutschen Energiesektor: „Hier ist keine echte Langfristplanung erkennbar.“ Die dadurch erzeugte Unsicherheit verhindere wichtige Investitionen und höhle das Vertrauen der Menschen in die Gestaltungskraft von Politik und Wirtschaft aus.
Den Peer Review „Sustainability –- Made in Germany“ hatten Nachhaltigkeits-, Klima- und Wirtschaftsexperten aus sieben Ländern mit organisatorischer Unterstützung des Rates für Nachhaltige Entwicklung erstellt. Auf der Jahreskonferenz des Nachhaltigkeitsrates im Herbst 2009 hatte Stigson den Bericht Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht. Vereinbart wurde damals ein Folgetreffen mit dem Chef des Bundeskanzleramts und dem Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung, das am 21. Juni 2010 stattgefunden hat.
Weiterführende Links zum Thema:
Peer Review „Sustainability – Made in Germany“
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