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Umweltbewusste Jugendliche oft Außenseiter

Um sich für eine nachhaltige Entwicklung zu engagieren, müssen junge Menschen das Gefühl von Hilflosigkeit überwinden. Zu diesem Schluss kommt die schwedische Forscherin Ellen Almers von der School of Education and Communication der Universität Jönköping. In narrativen Interviews befragte sie eine kleine Gruppe junger Erwachsener, die einen Großteil ihrer freien Zeit und Energie für Projekte des Klimaschutzes, der Biodiversität oder der sozialen Gerechtigkeit widmen, nach der Grundlage ihres Tuns.
Schüler des Schillergymnasiums Münster, Foto: Marion Book
30.07.2009 Jönköping (UD/pte) - "Gemeinsames Kennzeichen der Befragten war die moralische Verpflichtung gegenüber Menschen, denen sie nie begegnen werden, da sie beispielsweise in einem anderen Erdteil leben oder erst in Jahrhunderten geboren werden", so die Forscherin. Darüber hinaus fand sie gemeinsame soziale und emotionale Motivationsfaktoren und zeigte, welchen wichtigen Einfluss auch außerschulische, informelle Kanäle haben.

Der Nährboden des Engagements für die Umwelt werde bereits in der frühen Kindheit vorbereitet, ausgelöst oft von emotionalen Reaktionen auf Missstände. "Häufig ist es ein Gefühl der Empörung etwa über Hunger in der Welt oder über Tiersterben, das zu einer ersten Handlung führt", so Almers. Statt deterministischer Weltsicht sei die Einstellung entscheidend, dass man die Welt durch eigene Handlungen mitgestalten und verändern könne, was erst das wichtigste Hemmnis - das Gefühl von Hilflosigkeit - überwinde. Ein weiterer Faktor sei Wissenskompetenz über Umweltthemen und Handlungsmöglichkeiten, wofür die Forscherin das Konzept des ökologischen Fußabdrucks als Beispiel nennt. "Dieser Zugang vermittelt besonders anschaulich, wie selbst unbewusste Handlungen Auswirkungen auf die Umwelt haben."

Selbst in der Umweltthematik sind Jugendliche ständig verschiedenen Perspektiven ausgesetzt. "Elternhaus, Schule und manchmal auch moralische Instanzen wie die Kirche vermitteln verschiedene Sichtweisen, was Jugendliche zur eigenen Stellungnahme auffordern kann." Sich Gruppenzwängen und Konsumzwang nicht zu beugen, sei eine emotional schwierige Erfahrung, weshalb viele auf die Suche nach eigenen Positionen verzichten würden. "Kritisches, reflektiertes Denken und Handeln nach dem Gewissen erwächst jedoch erst daraus. Viele die sich später in sozialen Organisationen engagieren waren in ihrer Schulzeit aufgrund ihrer Einstellungen Außenseiter und sind später froh, Gleichgesinnte zu entdecken", so die Forscherin.

Der Schule rät Almers, neben der Wissensvermittlung über den Klimawandel zu umweltfreundlichem Verhalten einzuladen und dieses selbst zu praktizieren. "Oft konzentriert man sich zu viel auf Probleme und zu wenig auf Lösungen. Ein Weg dazu wäre etwa, Menschen aus NGOs einzuladen, die für Schüler Beispiele für Umweltengagement liefern und Identifikation ermöglichen." Die Förderung und Diskussion von Umwelthandlungs-Strategien für den Alltag seien schon bisher Anliegen sensibilisierter Lehrer, die laut Almers an jeder Schule zu finden seien. Man dürfe jedoch die Schule nicht abgesondert von ihrem Umfeld betrachten. "Das materialistische Konsumverhalten, das uns die Werbung einbläut, ist sehr schwer zu bekämpfen. Es ist wichtig, Alternativen dazu aufzuzeigen und zu fördern."

Als Aufgabe der Eltern für das Umwelthandeln sieht Almers einerseits die Vermittlung eines Wertesystems. "Kinder müssen spüren, dass es nicht verhandelbare Dinge gibt, etwa der gleiche Wert des Lebens aller." Beeindruckend war für die Forscherin vor allem die Erfahrung, dass es keine perfekten familiären Situationen brauche, um Weichen in Richtung Umweltengagement zu stellen. "Manche der Befragten berichteten von großen Problemen ihrer Eltern, unter anderem Alkoholismus und Scheidung. Doch selbst diesen Eltern kann es gelingen, ihren Kindern zu vermitteln, dass sie an sie glauben und in sie vertrauen. Das ist für die spätere Handlungsfähigkeit enorm wichtig."

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