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Interview: Georg Abel über die Studie „CSR Engagement bei Unternehmen“

Die Verbraucher Initiative hat 30 Unternehmen mit dem Titel „Nachhaltiger Hersteller 2011“ ausgezeichnet. Vorangegangen war eine Befragung von über 1.300 Markenherstellern der sechs umsatzstärksten Branchen bezüglich ihres Nachhaltigkeitsengagements. Im Interview sprachen wir mit Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative, über die Hintergründe und Ergebnisse der Untersuchung. Lesen Sie außerdem im Folgenden einige Kommentare der ausgezeichneten Unternehmen über die Bedeutung dieser Studie.
Georg Abel, Bundesgeschäftsführer der Verbraucher Initiative. Foto: VERBRAUCHER INITIATIVE e.V.
09.02.2012 Münster (UD/jb) - UmweltDialog: Aus welcher Motivation wurde diese Befragung durchgeführt?

Georg Abel: Eine der Säulen der inhaltlichen Arbeit der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. (Bundesverband) ist das Thema Nachhaltigkeit. Die Förderung einer nachhaltigen Lebensweise ist dabei eine übergreifende Aufgabe und bedarf der Anstrengung aller Akteure.

Wir beschäftigen uns im Rahmen unserer „Initiative Nachhaltig handeln“ schon seit vielen Jahren mit dem Thema und berücksichtigen hier unterschiedliche Akteure und Zielgruppen. Zu den verschiedenen Projekten gehör(t)en unter anderem Maßnahmen zur Absatzsteigerung von Biobaumwolle oder von ökologisch vorteilhaften Baumarktprodukten am Point of Sale, unterschiedliche Aktivitäten zum Thema Energie sparen und seit dem Jahr 2009 das Teilprojekt „Umwelt- und Sozialverantwortung bei Unternehmen“.

Hier wurden in den Jahren 2009 bis 2011 in drei Befragungen die neun umsatzstärksten Branchen des Einzelhandels und im letzten Jahr erstmals Markenhersteller in den sechs umsatzstärksten Branchen untersucht. Ziele dieses längerfristig angelegten Teilprojektes sind dabei unter anderem die Ermittlung, Darstellung und Auszeichnung des Engagements durch eine branchenspezifische Befragung sowie die Förderung und Motivation von Nachhaltigkeit bei Unternehmen. Aus diesem Grund ist der Fragebogen gleichzeitig als Checkliste für nachhaltiges Engagement im Unternehmen angelegt und wir verzichten deshalb auf ein Blaming.

UmweltDialog: Was waren die Schwerpunkte des Fragebogens?

Georg Abel: Ausgangspunkt war im Jahr 2009 eine externe Machbarkeitsstudie, wie überhaupt die Umwelt- und Sozialverantwortung von Unternehmen abgebildet werden kann. Es folgte die Entwicklung eines umfassenden Kriterienkatalogs durch das Öko-Institut e.V., der Kriterien entlang der gesamten Wertschöpfungskette abbildet.

Der Kriterienkatalog mit rund 350 branchenspezifischen Aspekten ist in die drei Hauptbereiche Geschäftstätigkeit, Lieferkette und Förderung des nachhaltigen Konsums gegliedert. Bei der Geschäftstätigkeit untersuchen wir beispielsweise die Unternehmensführung (Leitbild, Betriebliche Umweltmanagement-Ziele etc.), Maßnahmen im Unternehmen und an den Verkaufsstellen und die Transparenz (Berichterstattung, Information). Bei der Lieferkette betrachten wir den Einkauf hinsichtlich von Umwelt- und Gesundheitsaspekten, der sozialen und gesellschaftlichen sowie der Tierschutzaspekte. Im dritten Bereich blicken wir unter anderem auf die nachhaltige Sortimentsgestaltung, auf Verbraucherinformation und -service sowie die Schulung des Personals.

UmweltDialog: Woher wissen Sie, dass die Fragen wahrheitsgemäß beantwortet wurden?

Georg Abel: Mit ihrer Unterschrift im Fragebogen versichern die teilnehmenden Unternehmen die Richtigkeit der Angaben zu einem bestimmten Zeitpunkt. Außerdem wurden sie aufgefordert, Belege für ihre Antworten mitzuschicken, zum Beispiel wenn sie angeben, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen oder Mitglied in einer Nachhaltigkeitsinitiative zu sein.

UmweltDialog: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung?

Georg Abel: Unternehmen nutzen das Thema Nachhaltigkeit als Investition in die Zukunft und um sich von Mitbewerbern zu unterscheiden. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede in den einzelnen Branchen und auch zwischen Handel und Markenherstellern. So lässt sich das unternehmerische Engagement der Hersteller – besonders beim Thema Sozialverantwortung – noch erheblich steigern.

Das Nachhaltigkeitsengagement ist dabei auch von der Unternehmensgröße abhängig. Wir haben uns deshalb zu überlegen, ob und wie wir beim Thema Nachhaltigkeit Angebote für klein- und mittelständische Unternehmen entwickeln können.

UmweltDialog: Was ist ihr Gesamtresümee aus der Befragung – wie gut sind die deutschen Unternehmen in punkto Nachhaltigkeit aufgestellt?

Georg Abel: Wir haben die im Jahr 2009 durchgeführte Untersuchung der sechs umsatzstärksten Branchen im Einzelhandel zwei Jahre später wiederholt. Gegenüber unserer ersten Befragung ist hier das Engagement der Unternehmen bezüglich ihrer Umwelt- und Sozialverantwortung gestiegen. Diese Entwicklung ist sicherlich positiv, aber kein Grund, sich auf dem Status quo auszuruhen. Im Gegenteil, das unternehmerische Engagement muss ausgebaut werden. Ein Grund dafür: 65 Prozent der Verbraucher sagten in unserer repräsentativen Befragung vom Sommer 2011, dass Sie zukünftig beim Kauf mehr auf „verantwortungsvolle Unternehmen“ achten wollen.

UmweltDialog: Verbraucher zeigen zunehmendes Interesse am Thema Nachhaltigkeit und erwarten von den Unternehmen entsprechendes Engagement. Was würden Sie, angesichts der Ergebnisse Ihrer Untersuchung, den Verbrauchern mit auf den Weg geben?

Georg Abel: Unsere Verbraucherbefragung zeigt, nur 33 Prozent der Konsumenten haben eine klare Vorstellung von der Bedeutung des Begriffs Nachhaltigkeit. Gleichwohl werden einzelne Aspekte wie Abfall trennen, Energie sparen etc. in hohem Maß gelebt. Den hohen Werten für Bereiche mit Umweltbezug stehen allerdings niedrige Werte für Bereiche mit sozial-gesellschaftlichem Bezug gegenüber. Hier ist ein Ansatz für unsere Arbeit.

Verbraucher sollten bei ihrem Einkauf neben der Produktqualität stärker das ökologische und soziale Engagement von Handel und Hersteller berücksichtigen und mit ihrem Einkauf „belohnen“. Dabei sollten sich Konsumenten nicht von plakativen Einzelaktivitäten blenden lassen, sondern den Gesamtansatz des Unternehmens betrachten. Durch die Wahl nachhaltiger Unternehmen und entsprechender Produkte können Verbraucher ihre Macht mit dem Einkaufskorb ausüben.


Stimmen der ausgezeichneten Unternehmen


 Deutsche Telekom
Branche: Informations- und Kommunikationstechnologie
Medaille: GOLD

Luis Neves,
Leiter Corporate Responsibility:

„Wir legen großen Wert auf die Meinungen unserer Stakeholder und sind bemüht diesen Vorstellungen auch Rechnung zu tragen. Aus diesem Grund haben wir uns über die Goldmedaille der Verbraucher Initiative sehr gefreut, weil sie unsere Bemühungen unterstreicht. Rückmeldungen von Verbänden und NGOs nehmen wir selbstverständlich an. Mal handelt es sich um Kritik, mal um ein Lob für erbrachte Arbeit. Uns bestärkt dieses Lob und zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
» Deutsche Telekom auf UmweltDialog
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Nestlé Deutschland
Branche: Nahrungsmittel
Medaille: SILBER

Achim Drewes,
Public Affairs Manager, Corporate Communications:
„Nachhaltigkeit ist in der Lebensmittelbranche ein wichtiges Anliegen: Alle von uns benötigten Rohstoffe kommen aus der Landwirtschaft, und es gibt einen engen Zusammenhang zwischen Anbaubedingungen der Rohstoffe und Qualität der Endprodukte. Gleichzeitig ist das Verständnis der Verbraucher, was Nachhaltigkeit bei Lebensmitteln betrifft, häufig begrenzt. Es ist aber in unserem eigenen Interesse, dass wir Nachhaltigkeitsrisiken entlang unserer Wertschöpfungskette systematisch identifizieren und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Neutrale Untersuchungen wie die der Verbraucherinitiative helfen uns mit einem Blick von außen, mögliche Verbesserungspotentiale oder offene Fragen zu erkennen. Auch die aktuelle Untersuchung hat uns Hinweise gegeben, die bereits in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Sie hat uns aber auch bestätigt, dass Nestlé – wie andere Unternehmen der Branche auch – mit hohen Standards arbeitet und in Sachen Nachhaltigkeit grundsätzlich gut aufgestellt ist.“
» Nestlé auf UmweltDialog
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Speick Naturkosmetik GmbH
Branche: Körperpflege
Medaille: SILBER

Wikhart Teuffel,
Geschäftsführer, SPEICK Naturkosmetik
„Natürlich freuen wir uns über diese großartige Bestätigung unseres Engagements in fast 84 Jahren Unternehmensgeschichte durch drei Generationen. Mit unseren Inhalten sind wir tief verankert in verantwortungsvoller und nachhaltiger Markenführung. Die Auszeichnung gibt uns neuen Elan für unsere weitere Entwicklung und zeigt den Konsumenten unsere Haltung zur gesamten Wertschöpfungskette."
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WINI Büromöbel G.Schmidt GmbH & Co. KG
Branche: Möbel
Medaille: SILBER

Carolina Schmidt-Karsch,
Geschäftsführung:
„Die Auszeichnung zeigt, dass wir mit unserem unternehmerischen Engagement für Mensch und Umwelt auf dem richtigen Weg sind. Studien wie die der Verbraucher Initiative nutzen wir, um mit allen Fachbereichen unseres Unternehmens zusätzlich in Dialog zu treten und damit nachweislich und im Vergleich mit anderen Unternehmen und überprüfbar zu werden. Es ist unsere unternehmerische Pflicht und Verantwortung, unsere Leistungen zum Schutz der Umwelt immer weiter zu verbessern und in den Mittelpunkt unserer täglichen Arbeit zu stellen. Da helfen Initiativen, die das Themenfeld CSR systematisieren, neue Denkanstöße liefern und diese einem breiten Nutzerkreis nahebringen.“
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Vorwerk & Co. Teppichwerke
Branche: Textilien
Medaille: SILBER

Johannes Schulte,
Geschäftsführer Vorwerk Teppichwerke:
„Wir sind glücklich und auch stolz darauf, für unsere sozialen Unternehmungen die Silbermedaille in der Ausschreibung zum „Nachhaltigsten Hersteller 2011“ erhalten zu haben. Die bundesweite Auszeichnung im Rahmen der Studie „CSR Engagement bei Unternehmen“ der VERBRAUCHER INITIATIVE zeigt uns, dass unsere Programmatik „Eco Balance“ nicht nur richtig und zukunftsorientiert gedacht ist – sondern auch gelebt wird. Soziales Engagement ist in unserer Unternehmenspolitik fest verankert. Die langfristige Zufriedenheit unserer Mitarbeiter – und auch faire Arbeitsverhältnisse entlang unserer Lieferkette – verstehen wir als Basis für ein nachhaltiges Unternehmen. Und das seit nun fast 20 Jahren.“
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Vaillant GmbH
Branche: Heimwerker-Material
Medaille: BRONZE

Dr. Jens Wichtermann,
Direktor Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement:
„Die Auszeichnung als nachhaltiger Hersteller hat für uns große Bedeutung, weil Sie unsere Bemühungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette würdigt. Die Einschätzung unabhängiger Experten ist für uns zudem ein wichtiger Impuls. Den Anspruch, ein nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen zu sein, können wir nur erfüllen, wenn wir bei allen Erfolgen auch den Raum für Verbesserungen klar benennen. Die Ergebnisse der Erhebung leisten insofern einen wertvollen Beitrag, unsere Nachhaltigkeitsleistung weiter zu optimieren. Es freut uns sehr, dass das Siegel Verbrauchern als Richtschnur bei der Auswahl besonders nachhaltig hergestellter Produkte helfen soll – denn unsere Kunden achten nicht nur auf den energiesparenden Betrieb unserer Produkte, sondern zunehmend auch auf ökologisch und sozial verantwortungsvolle Produktionsbedingungen.“





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Grafik: Husin Sani/Flickr

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Foto: Verena N./Pixelio


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