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Nachhaltigkeit ist wichtiges Kriterium beim „BMW Supplier Innovation Award“

Die BMW Group hat erstmals neun Zulieferunternehmen mit dem „Supplier Innovation Award“ ausgezeichnet. Der Preis wurde für herausragende Innovationen ausgelobt, mit denen die Zulieferer zum Erfolg der BMW Group beitragen. Im Rahmen der Auszeichnung spielte auch das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle: Besonders die Preisträger „ZF Friedrichshafen“ und „Dürr“ unterstützen mit ihren Innovationen das Nachhaltigkeitsengagement des Autobauers. Derzeit arbeitet die BMW Group verstärkt daran, Aspekte der Nachhaltigkeit fest in das Lieferkettenmanagement zu verankern. Mit dem Supplier Innovation Award will das Unternehmen dafür ein sichtbares Zeichen setzen.
Preisträger des BMW Supplier Innovation Award 2011. Foto: BMW
17.11.2011 München (UD/jb) - Der Lackierungsvorgang im Rahmen der Automobilherstellung geht meist mit einem besonders hohen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß einher. Grund dafür ist vor allem die notwendige Reinigung der Kabinenluft, in der das Fahrzeug lackiert wird. Denn beim Auftragen des Lacks erreicht ein großer Teil des Materials, der als „Overspray“ bezeichnete Restlack, gar nicht erst die Karosserie, sondern wirbelt in der Luft umher. Bei herkömmlichen Verfahren wird dieser Restlack in den Unterbau der Kabine geleitet und dort mit Wasser gebunden. Zudem wird die Kabinenluft ausgeleitet, da sie durch den Wasserkontakt Feuchtigkeit aufnimmt und restliche Lackpartikel enthält. Diese Luft muss gereinigt und wieder zugeführt werden, dabei ist der Aufbereitungsprozess ist besonders energieintensiv.

Der Maschinen- und Anlagenbaukonzern Dürr aus Baden-Württemberg hat hier ein System zur Luftreinigung entwickelt, dass ohne Wasser auskommt und deutliche Verbesserungen bei Energieverbrauch, CO2 Ausstoß und Farbpartikelemissionen erreicht. Dazu wendet der sogenannte „EcoDryScrubber“ das System der Trockenabscheidung an, das direkt in die Spritzkabine integriert ist. Dabei wird die mit Lackpartikeln verunreinigte Luft durch Filter gezogen, in denen die Partikel durch Steinmehl gebunden werden. Die gereinigte Luft kann dann wieder verwendet werden. „Der EcoDryScrubber kann den Energieverbrauch in den Lackierkabinen um bis zu 60 Prozent und in der gesamten Lackiererei um bis zu 30 Prozent senken“, so Mathias Christen, Senior Manager bei Dürr. Von diesen Vorteilen profitiert auch das BMW-Werk in Regensburg, in dem der EcoDryScrubber im Einsatz ist.
EcoDryScrubber. Bild: Dürr AG
Von seinem Nutzen überzeugt verlieh die BMW Group nun dem Unternehmen Dürr als Zulieferer des EcoDryScrubbers den Supplier Innovation Award in der Kategorie „Sustainability“. Christen zeigt sich erfreut über diese Auszeichnung: „BMW steht für Qualität, Innovation und die konsequente Orientierung an Nachhaltigkeitsthemen. Daher hat es für Dürr einen hohen Stellenwert, wenn uns ein solches Unternehmen als innovativen Lieferanten im Bereich ‚Sustainability‘ auszeichnet.“  

ZF Friedrichshafen in der Kategorie „Efficient Dynamics“ ausgezeichnet

Insgesamt wurden im Rahmen des Awards neun Preise in jeweils unterschiedlichen Kategorien vergeben. Neben der Kategorie Sustainability zählten außerdem dazu: Efficient Dynamics, Leichtbau, Connected Drive, New Technology Experience, Höchster Kundennutzen, Qualität, Produktivität sowie der Sonderpreis Innovation New Business Model. Dr. Herbert Diess, Vorstand Einkauf- und Lieferantennetzwerk bei BMW, sagte bei der feierlichen Preisverleihung: „Unsere Lieferanten tragen entscheidend zum Erfolg der BMW Group bei. Um ihre Leistungen zu würdigen, haben wir den „BMW Supplier Innovation Award“ ins Leben gerufen. Damit möchten wir den Lieferanten die Möglichkeit geben, ihre Leistungen der Öffentlichkeit zu präsentieren und einen Anreiz bieten, auch künftig mit Innovationen bei der BMW Group eine herausragende Stellung im Wettbewerb einzunehmen.“


Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, Dr. Gerhard Wagner, Mitglied des Vorstands ZF Friedrichshafen und Peter Langen, Leiter Entwicklung Antrieb bei BMW (v.l.n.r.). Foto: BMW
Auch das Unternehmen ZF Friedrichshafen gehört zu den ausgezeichneten Zulieferern. Den Preis in der Kategorie „Efficient Dynamics“ brachte ihm das „8HP ECO PRO Modus Automatikgetriebe“ ein. Aus der Sicht der Nachhaltigkeit hat diese Innovation vor allem auf Grund der deutlichen Verbrauchseinsparungen einen hohen Nutzen. Das Getriebe ermöglicht mit Hilfe des ECO-Modus Kraftstoffeinsparungen von sechs Prozent. Der ECO-Modus verändert die Leistungscharakteristik des Motors, blendet gleichzeitig eine Fahrpedalempfehlung ein und unterstützt so den effizienten Fahrmodus. Der Verbrauch wird reduziert, ohne die Dynamik zu beeinträchtigen. Eine zusätzlich erhältliche Start-Stopp-Automatik kann den Verbrauch und die Emissionen um weitere fünf Prozent reduzieren. „Wir haben stets den Anspruch, Innovations- und Technologieführer auf dem Gebiet der Antriebs- und Fahrwerktechnik zu sein“, so Dr. Gerhard Wagner, Mitglied des ZF-Vorstands und verantwortlich für die Division Antriebstechnik. „Umso mehr freut es uns, genau dafür von einem unserer bedeutenden Kunden ausgezeichnet zu werden“, so Wagner weiter.

Unternehmen zeigen Nachhaltigkeitsengagement

Das Nachhaltigkeitsengagement des Unternehmens Dürr sowie das der ZF Friedrichshafen geht über die Berücksichtigung von ökologischen Aspekten bei der Entwicklung von Innovationen hinaus. Bei Dürr hat die Reduktion des Energie- und Materialverbrauchs der Anlagen Priorität, wodurch die Ressourceneffizienz in der Automobilproduktion gesteigert werden soll. Zudem wurde ein neues Geschäftsfeld in Leben gerufen: Die Energieeffizienztechnik. „Hier entwickeln und vermarkten wir zum Beispiel ‚Organic-Rankine-Cycle-Anlagen‘, die warme Abluft in Strom umwandeln“, so Christen. Das Unternehmen veröffentlicht außerdem regelmäßig Verbrauchs- und Emissionskennzahlen und nimmt am Carbon Disclosure Project teil. Auch die ZF Friedrichshafen zeigt ein umfassendes Engagement: „Unser Bekenntnis zur Nachhaltigkeit schließt den schonenden Umgang mit Ressourcen, den Schutz der Umwelt und die Achtung unseres sozialen und kulturellen Umfeldes ein. Wir übernehmen soziale Verantwortung, gestalten Öffentlichkeit mit und engagieren uns für soziale und humanitäre Belange, für Kultur, Bildung und Sport. Dem Wohl unserer Mitarbeiter und ihrer Familien gilt unsere besondere Aufmerksamkeit“, so schreibt es das Unternehmen in seinem Internetauftritt.

Nachhaltigkeit im Lieferkettenmanagement bei BMW

Engagement wie dieses spielt bei der Auswahl und Bewertung der Lieferanten bei BMW eine große Rolle. „Nachhaltiges Wirtschaften zeigt Wirkung, wenn es die gesamte Wertschöpfungskette einbezieht. Wir arbeiten daran, Nachhaltigkeit in allen Prozessen und bei Lieferanten und Partnern zu verankern. Wir fordern von unseren Geschäftspartnern die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards“, so Dr. Herbert Diess. Mit vielen Lieferanten steht BMW aber nur über die Hauptlieferanten in Verbindung, wodurch bisher die Einflussmöglichkeiten gering waren. Daher hat das Unternehmen im vergangenen Jahr begonnen, Nachhaltigkeitsaspekte verstärkt in Auswahl, Monitoring und Schulung seiner Lieferanten zu integrieren. Für die nachhaltige Ausrichtung der Lieferketten ist bei BMW das Einkaufsressort verantwortlich. Seit 2010 werden die Mitarbeiter daraus in der „Supply Chain Academy“ der BMW Group gezielt auch zu Nachhaltigkeitsaspekten wie Menschenrechten und Umweltschutz geschult. Ein weltweites Netz von International Purchasing Offices (IPOs) ist für die Überprüfung von Lieferanten vor Ort zuständig. Sie unterstützen künftige Partner auch dabei, die Prozesse zur Entwicklung und Erfüllung ökologischer und sozialer Standards aufzubauen. Ein weiteres Mittel zur Überprüfung der Nachhaltigkeitsperformance von Lieferanten ist bei BMW die Selbstauskunft. Dazu hat der Konzern einen Fragenkatalog entwickelt, der den Stand der Dinge zu verschiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit wie zum Beispiel dem Umweltschutz abgefragt. Bei der Lieferantenauswahl werden nur die Unternehmen berücksichtigt, die eine vollkommene und zufriedenstellende Selbstauskunft abgegeben haben.

Zur Überprüfung der festen Lieferanten werden jährlich rund 200 von ihnen einem Requalifizierungsprozess unterzogen, Hauptlieferanten werden sogar zwei- bis dreimal pro Jahr besucht. Mit dem Ziel eines quantifizierbaren Monitorings hat BMW gültige Leistungskennzahlen verabschiedet, die den Abdeckungsgrad, eine Risikobewertung und die Anzahl wesentlicher Abweichungen bei den Lieferantenüberprüfungen erfassen. Bei Verstoß eines Lieferanten gegen diese Nachhaltigkeitskriterien setzt ein dreistufiger Eskalationsprozess ein. Zu Beginn wird der Lieferant dabei um eine Stellungnahme gebeten, zudem werden ihm umfangreiche Schulungen und Hilfestellungen geboten. Im Extremfall wird die Geschäftsbeziehung beendet. „Unsere  Einkaufsbedingungen enthalten entsprechende verbindliche Vorgaben. Das sind wir unseren Kunden schuldig. Letztlich ist die Nachhaltigkeit in der Lieferkette eine Gemeinschaftsaufgabe der gesamten Industrie. Je mehr Unternehmen sich beteiligen, umso erfolgreicher wird sie umgesetzt“, ist Dr. Diess überzeugt. Insgesamt zählen 12.000 Unternehmen auf dem Güter- und Dienstleistungsbereich aus 70 Ländern zu den Zulieferern der BMW Group und leisten damit einen Beitrag zum Erfolg des Automobilherstellers.

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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