.

B.A.U.M. Preisverleihung löst breite Kontroverse aus

Wo anders als in der Europäischen Umwelthauptstadt Hamburg sollte in diesem Jahr die prestigeträchtige B.A.U.M.-Jahrestagung stattfinden? Doch der diesjährige Preisträger Unilever-Chef Harry J. M. Brouwer sorgt schon vorab für Kontroversen. So will die kritische NGO „Rettet den Regenwald“ zeitgleich den „Baum-ab Preis“ verleihen. Beim Verein B.A.U.M. verwahrt man sich gegen die Zweckentfremdung seines renommierten Umweltpreises.
23.09.2011 Hamburg (UD/el) - Neben prominenten Wirtschaftsbossen werden auch hochrangige öffentliche Interessenvertreter wie Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, und Jo Leinen, Vorsitzender des Umweltausschusses des Europäischen Parlaments, in Hamburg erwartet. Höhepunkt des Nachmittages: Die Verleihung der renommierten B.A.U.M.-Umweltpreise und des Internationalen B.A.U.M.-Sonderpreises.

Doch Freude kommt derzeit bei den Veranstaltern nicht auf: Der Verein „Rettet den Regenwald“ plant, die Verleihung der diesjährigen B.A.U.M.-Preise am 23. September durch die parallele Verleihung des so genannten Baum-ab-Preises an Unilever für seine Zwecke zu nutzen. Mit seiner eigens als Gegenentwurf zum renommierten B.A.U.M.-Preis ins Leben gerufenen Auszeichnung will „Rettet den Regenwald“ eigenem Bekunden zufolge gegen die Rodung der Regenwälder für massenhaft produziertes Palmöl protestieren. „Der Baum-ab-Preis wurde geschaffen als notwendiges Gegenstück zum B.A.U.M.-Umweltpreis“, so der Verein. „Diese Anerkennung für einen Konzern, der für seinen riesigen Palmölkonsum Naturvernichtung, Gewalt und Vertreibung in Kauf nimmt, ist ein verheerendes Signal an die Öffentlichkeit“, sagt Reinhard Behrend, Vorsitzender von Rettet den Regenwald. „Und B.A.U.M. ist ein Verein, in dem 500 Wirtschaftsbetriebe sitzen, die sich gegenseitig medienwirksam auf die Schulter klopfen.“

Dagegen wehrt sich der B.A.U.M.-Vorsitzende und ­Mitgründer Prof. Dr. Maximilian Gege: „Wer sich die Mühe macht, sich die Geschichte des mittlerweile zum 19. Mal vergebenen B.A.U.M.-Umweltpreises anzuschauen, kommt zu einem anderen Ergebnis, da die große Anzahl der Preisträger aus kleinen und mittelständischen Unternehmen und aus Institutionen kommt, die nachweislich als Vorreiter einer nachhaltigen Entwicklung zu bezeichnen sind“, stellt Gege klar.

Mit dem B.A.U.M.-Umweltpreis zeichnet der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) seit 1993 Einzelpersonen – und nicht, wie von „Rettet den Regenwald“ dargestellt, Unternehmen – für ihr langjähriges herausragendes Engagement für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung in verschiedenen Kategorien aus. „Als Wirtschaftsinitiative zeichnet B.A.U.M. dabei auch Akteure aus Großunternehmen für ihren Einsatz aus. Die Preisträger der anderen Kategorien kommen aus den Bereichen kleine und mittelständische Unternehmen, Verbände und Institutionen, den Medien und der Wissenschaft“, erklärt Gege. Zu den bisherigen B.A.U.M.-Preisträgern gehören von Unternehmerseite unter anderem Ökopioniere wie Jürgen Schmidt vom „grünen“ Büromittelversand memo, Dr. Franz Ehrnsperger von der Ökobrauerei Neumarkter Lammsbräu, Ulrich Walter von Lebensbaum, Dr. Michael Otto, Claus Hipp, oder Franz Fehrenbach von der Robert Bosch GmbH.

Maximilian Gege wehrt sich gegen Kritiker. Foto: B.A.U.M.
„Wir verleihen den Preis an Herrn Brouwer, weil wir uns persönlich davon überzeugt haben, dass er das Thema Nachhaltigkeit bei Unilever zur Chefsache gemacht hat“, erläutert Gege. Unilever führt bereits seit zwölf Jahren den Dow Jones Sustainability Index für den Lebensmittelsektor an und beweist damit sein langjähriges, kontinuierliches und erfolgreiches Engagement. Zudem setzt Unilever mit seiner Deutschland-Zentrale in der Hamburger Hafencity Maßstäbe für energieeffiziente Bürogebäude und leistet einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Energiewende. Unilever hat sich zum Ziel gesetzt, die Umweltauswirkungen der Produkte zu halbieren, landwirtschaftliche Rohwaren zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau zu beziehen sowie eine Milliarde Menschen zu besserer Gesundheit und mehr Lebensqualität zu verhelfen.

Doch bei „Rettet den Regenwald“ hält man dagegen: Durch Brandrodung seiner Regen- und Torfmoorwälder belegt Indonesien nach China und den USA Platz drei auf der Weltrangliste der größten CO2-Verursacher. Sie brennen vor allem für Palmöl-Plantagen – auf neun Millionen Hektar wuchern die grünen Wüsten bereits; 20 Millionen sind für die nahe Zukunft geplant. Ganz vorn dabei: Wilmar International, indonesisch-malaysisch-US-amerikanische Investment Holding mit Sitz in Singapur – einer der größten Palmölkonzerne der Welt. Und Lieferant von Unilever. Mit 1,3 Millionen Tonnen pro Jahr gehört der Hersteller von Rama und 400 weiteren Marken zu den größten Palmöl-Verbrauchern weltweit. „Wilmar und die gesamte Palmölindustrie vernichten den tropischen Regenwald, den Lebensraum der Orang-Utans; sie stehlen uns das Land, verseuchen unsere Flüsse und Seen mit Pestiziden und den Giftabfällen aus den Ölfabriken. Außerdem bricht der Konzern indonesische Gesetze, indem er ohne Genehmigung und ohne Umweltverträglichkeitsprüfung abholzt.“ Das sagt Nordin von Save our Borneo, Partnerorganisation von Rettet den Regenwald. In den indonesisischen Provinzen Zentral- und Westkalimantan auf Borneo hat Wilmar bereits 240.000 Hektar abgeholzt und mit Monokulturen bepflanzt – ein Fläche so groß wie das Saarland. „Für mindestens weitere 220.000 Hektar hat Wilmar in Kalimantan Konzessionen beantragt oder schon erhalten“, so Nordin.



Wöchentlich, kompetent und kostenlos  - Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Grafik: Husin Sani/Flickr

Newsletter bestellen

Nicht verpassen!

Hier finden Sie die wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Corporate Social Responsibility.
Foto: Verena N./Pixelio


Nachhaltigkeitsakteure und Partner

Links zu Vertretern der Politik, Zivilgesellschaft oder Forschung sowie Verbände und Initiative rund um das Thema Nachhaltigkeit.

.
.