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Telekom will Frauen den Aufstieg möglich machen

Erneut ist eine Diskussion um die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote entbrannt. Bei der Deutschen Telekom ist das längst kein Thema mehr: Als erstes Dax-30-Unternehmen hat das Unternehmen bereits Anfang 2010 eine Frauenquote eingeführt, die darauf abzielt, bis Ende 2015 dreißig Prozent der Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Um das zu erreichen, liegt es aber vor allem am Unternehmen selbst, beste Voraussetzungen für aufstrebende Mitarbeiterinnen zu schaffen und sich in der Frauenförderung zu engagieren. Zielwerte bei Neueinstellungen, Teilzeitarbeit und betriebliche Kinderbetreuung sind laut Telekom wichtige Grundsteine dafür.
Foto: Colleen Lane/flickr.com
17.03.2011 Bonn (UD/jb) - Die Umsetzung der Frauenquote „geschieht systematisch und mit langem Atem“, sagt Mechthilde Maier, Leiterin Group Diversity Management bei der Deutschen Telekom. Das Unternehmen setzt dazu an zahlreichen Stellschrauben gleichzeitig an: So sollen beispielsweise die Zielwerte bei Neueinstellungen von Hochschulabsolventen mindestens analog zum Frauenanteil in den jeweiligen Hochschulabschlüssen sein und sukzessive erhöht werden. Zudem hat sich der Konzern auferlegt, bei der Besetzung von Toppositionen generell mindestens 30 Prozent Frauen in die engere Bewerberauswahl zu nehmen. Bereits kurz nach Einführung der Quote konnte der Anteil an Neueinstellungen weiblicher Top-Nachwuchskräfte gesteigert werden: Lag der Anteil 2020 bei 33 Prozent stieg er ein halbes Jahr später auf 52 Prozent.
 
Auch in den Entwicklungsprogrammen für Führungskräfte sollen mindestens 30 Prozent weibliche Teilnehmerinnen vertreten sein. Seit Einführung der Quote ist der Anteil weiblicher Teilnehmerinnen an solchen Managemententwicklungsprogrammen von 18 auf 31 in 2010 Prozent gestiegen. Weiterhin wurden spezielle „Diversity Consultants“ eingeführt, die weibliche Mitarbeiter bei ihrer Karriereplanung unterstützen.

Tradierte Rollenmuster müssen durchbrochen werden

Ohne konkrete Ziele gelingt es nicht, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen – das hat die Deutsche Telekom selbst feststellen müssen. Obwohl bereits seit vielen Jahren verschiedene entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden, „blieb der durchschlagende Erfolg aus“, so Mechthilde Maier. Aus diesem Grund entschied sich der Konzern für eine verbindliche Vorgabe. „Tradierte Rollenmuster, etablierte Hierarchien und eingefahrene Mentalitäten lassen sich eben nicht durch bloße Absichtserklärungen ändern“, erklärt Maier. Dem pflichtet auch Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Telekom, in einem Interview mit Spiegel online bei. Er rät Unternehmen zu ernsthaften und gesellschaftlich sichtbaren Bekenntnissen, inklusive verbindlicher Zielvorgaben. „Man kann keinen Prozess ohne klares Ziel steuern“, sagt er. Eine gesetzlich geregelte Frauenquote für Unternehmen, wie sie derzeit diskutiert wird, hält Sattelberger jedoch für „ultima ratio“. Nach wie vor setzt er auf die freiwillige Selbstverpflichtung von Unternehmen in Sachen Frauenförderung – vor allem auch zum Vorteil der Betriebe selbst: „Viele Studien belegen, dass Unternehmen mit hohem Frauenanteil im Management produktiver und innovativer sind“, macht er deutlich. Demnach sei es doch schlicht fahrlässig, dieses Potential nicht zu nutzen. Doch er kennt auch die Gründe, aus denen viele Unternehmen vor der Quote zurückschrecken. „Tiefschürfende Kulturveränderungen“, die mit der Einführung der Quote einhergehen, seien mit Ängsten verbunden. Denn um mehr Frauen in obere Managementpositionen zu befördern, müssten beispielsweise auch hier Teilzeitarbeit sowie Auszeiten ermöglicht werden. Ist das nicht der Fall, sehen Frauen keine Möglichkeit, ihr Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen und scheuen vor verantwortungsvolleren Posten zurück. Das Bekenntnis zur Quotensteigerung von Unternehmensseite bringt daher nichts, wenn das nicht auch mit entsprechenden Maßnahmen verbunden ist: Wie Frauen ihre beruflichen und privaten Pflichten und Bedürfnisse vereinbaren können, bezeichnet Mechthilde Maier daher als „überragende Schlüsselfrage“.

Ausbau der betrieblichen Kinderbetreuung

Die Deutsche Telekom versucht hier mit verschiedenen Antworten den individuellen Ansprüchen ihrer Mitarbeiter gerecht zu werden und insbesondere weiblichen, aufstrebenden Mitarbeiterinnen den Weg „nach oben“ zu ermöglichen. Flexible Arbeitszeitmodelle werden inzwischen laut Corporate Responsibility Bericht 2010 von 15.661 Mitarbeitern genutzt. Wichtig ist aber auch die betriebliche Kinderbetreuung, die der Konzern bisher an 4 Standorten ermöglicht und damit aktuell 347 betrieblich geförderte Betreuungsplätze anbietet. Weitere 240 Plätze sind in Planung. Zudem hilft das Unternehmen bundesweit bei der Suche und Vermittlung wohnortnaher Kinderbetreuung und kooperiert dazu eng mit dem AWO-Elternservice. Laut dem aktuellen CR-Bericht wurde dieses Angebot im Berichtsjahr 2009/2010 in 195 Fällen genutzt. Die ebenfalls kostenlose Notfallbetreuung für Kinder kam 2009 an 145 Tagen zum Einsatz. Ein weiteres Pilotprojekt, das sich auf die Versorgung von Schulkindern während der Ferienzeit konzentriert, startete 2009. Mit einer zweiwöchigen Betreuung von täglich neun Stunden gehört diese Ferienbetreuung seit 2010 zum festen Bestandteil der allgemeinen betrieblichen Kinderbetreuung. Häufig sind es aber auch ältere Familienmitglieder, um die sich Mitarbeiter in ihrem Privatleben kümmern müssen. Unterstützung bietet die Deutsche Telekom hier durch den Beratungs- und Vermittlungsservice für Beschäftigte mit betreuungsbedürftigen Angehörigen.

Eine weitere Stellschraube in Sachen Frauenförderung ist die Kontaktpflege während der Elternzeit. Damit und durch die „individuelle Reintegration verbessern wir den Wiedereinstieg in das Berufsleben“, erklärt Maier. Dieses Angebot soll im Rahmen des Programms „Stay in ContacT“ weiter ausgebaut werden. Gebündelt werden die angebotenen Maßnahmen und Unterstützungsangebote im 2009 gestarteten und kontinuierlich ausgebauten Programm work-life@telekom.

Frühes Engagement für qualifizierte Nachwuchskräfte

Mit der Frauenförderung will die Telekom aber auch einem anderem Problem entgegenwirken: Dem Fachkräftemangel. Um das zu verdeutlichen führt Maier eine Untersuchung der OECD an, die besagt, dass im Jahr 2020 voraussichtlich auf zehn Ingenieure im Vorruhestandsalter nur sieben Nachwuchskräfte kommen. „Unter ihnen werden kaum Ingenieurinnen zu finden sein“, stellt Maier klar, sofern Unternehmen nicht aktiv gegensteuern. Zentrale Aufgabe sei des daher, bei Mädchen Interesse an mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern zu wecken und zu beweisen, dass auch hier Karrierechancen vorhanden sind. Dazu beteiligt sich der Konzern seit Jahren an verschiedenen MINT-Initiativen wie zum Beispiel „JUMP in MINT“. Sie hat das Ziel, besonders Mädchen zu ermutigen, diese zukunftsweisenden Bereiche für sich zu erobern, die bis heute Männerdomänen sind. Außerdem kooperiert das Unternehmen mit Schulen, um Schülerinnen Einblicke in technische Bereiche wie der Telekommunikation zu geben oder öffnet am Girls Day die Türen für interessierte Schülerinnen.

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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