Bericht vom ersten Nachhaltigkeitstag der Deutschen Post DHL
Erstmals hat die Deutsche Post DHL zu einem Nachhaltigkeitstag in ihre Bonner Unternehmenszentrale eingeladen. „Drängende gesellschaftliche Fragen bedürfen einer offenen Diskussion unter Beteiligung aller wesentlichen Akteure", sagte Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post DHL. Nachhaltigkeit darf kein „grünes Feigenblatt sein“, so der Postvorstand weiter. Vielmehr wolle man eine entsprechende Unternehmenskultur pflegen und „den Dialog mitgestalten." Wie das inhaltlich und argumentativ konkret aussehen kann, zeigte der Nachhaltigkeitstag.
Rainer Wend, Leiter des Zentralbereiches Politik und Unternehmensverantwortung bei Deutsche Post DHL. Foto: Deutsche Post DHL
Rainer Wend, Leiter des Zentralbereiches Politik und Unternehmensverantwortung, erläuterte in seinem Impulsreferat, wie etwa das Thema Nachhaltigkeit einen Beitrag zur ambitionierten Konzernstrategie 2015 leisten will. Hier möchte die Post nämlich als Anbieter, als Arbeitgeber sowie auch bei Investoren die erste Wahl sein. Mittlerweile müssen beispielsweise nun alle Geschäftsbereiche quartalsweise ihre „Go Green“-Zahlen – also insbesondere die Klimaschutz-Kennzahlen – intern nennen. „Das schafft Transparenz und Disziplin“, so Wend. Derzeit liege der Co2-Fußabdruck des Konzerns bei etwa 6 Mio. Tonnen pro Jahr. Hinzu kämen etwa 18 Mio. Tonnen, die von Subunternehmen erzeugt werden, die im Auftrag der Post unterwegs sind. Reduktionen sind hier neben der Flottenmodernisierung vor allem durch Fahrertrainings und moderne Routenplanung möglich. Auch die Ideen der weltweit 500.000 Mitarbeiter trügen dazu bei: Ein entsprechender konzernweiter Ideenwettbewerb zum Spritsparen habe erreicht, dass vier Mio. Liter Treibstoff eingespart werden können.
Der Logistikbranche kommt bei der Senkung des Kohlendioxidausstoßes eine Schlüsselfunktion zu. Mit seinem Umweltschutzprogramm GoGreen hat sich der Konzern als erstes Unternehmen in der Logistikbranche ein konkretes CO2 -Ziel gesetzt: seine Effizienz bis 2020 im Vergleich zu 2007 um 30 Prozent zu verbessern. Das bedeutet konkret, die CO2 Emissionen pro verschicktem Brief, pro transportiertem Container und genutztem Quadratmeter Fläche zu reduzieren. Schon heute fahren über 3.000 Fahrzeuge mit Hybrid- bzw. Elektromotoren, mit aerodynamischen Modifikationen oder alternativen Antrieben wie Bio- oder Erdgas für die Deutsche Post DHL. Aber auch der grüne Versandservice GOGREEN für Privat- und Geschäftskunden verzeichnet eine steigende Tendenz. So wurden allein im letzten Jahr weit über eine Milliarde GOGREEN-Sendungen verschickt. Dabei gleicht die Deutsche Post DHL die beim Transport entstehenden CO2-Emissionen in externen Klimaschutzprojekten aus. Voraussichtlich 2012 sollen Kunden dann auch die Möglichkeit haben, ihre CO2-Emissionen über das erste eigene, nach höchsten Standards verifizierte Klimaschutzprojekt von Deutsche Post DHL in Lesotho/Afrika ausgleichen zu können.
Damoklesschwert „Demographischer Wandel“
Neben solchen Umweltaspekten und dem sozialen Engagement des Konzerns wirkt als weiterer wichtiger Faktor der sogenannte „demographische Wandel“, der hierzulande vor allem als Überalterung der Gesellschaft diskutiert werden muss. Ziel beim Nachhaltigkeitstag war es, mit Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche über unternehmerische Verantwortung im 21. Jahrhundert, die sich wandelnden Anforderungen der Arbeitswelt an Arbeitgeber und Arbeitnehmer und die Erwartungen von Investoren an eine nachhaltige Unternehmensführung zu diskutieren.
Welche Dimension die Bundesregierung diesem Thema einräumt, erläuterte der Staatssekretär Gerd Hoofe vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Im Vordergrund steht hier die wachsende Nachfrage nach qualifiziertem Personal: Der Standort Deutschland hat sich wie kaum ein anderer von der Finanzkrise 2008 erholt. Getragen wird das derzeitige Wachstum nicht alleine vom Export, sondern auch von einer stetigen Binnennachfrage aus Modernisierung und Kapazitätenausbau. „Wir sind zurück auf dem Weltmarkt“, betonte Hoofe nicht ohne Stolz. Dabei sei das Thema unternehmerische Verantwortung nicht außen vor. Im Gegenteil: Unternehmen seien verpflichtet, „dafür zu sorgen, dass in ihren Produktionsketten sozial und ökologisch gewirtschaftet wird“, so Hoofe. Genau an dieser Stelle setzt der Aktionsplan CSR der Bundesregierung an. Der im Oktober 2010 vom Bundeskabinett beschlossene „Aktionsplan CSR“ setzt sich zum Ziel, mittels Awareness rising, Partnerschaften sowie „soft laws“ das bürgerschaftliche und unternehmerische Engagement zu stärken. Für Hoofe zählt dazu auch der Umgang mit einem wachsenden strukturellen Mangel: Einem Mangel an Ressourcen, aber auch an Arbeitskräften.
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