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Deutsche Post DHL: Studie zur Nachhaltigkeit in der Logistikbranche

Welchen Wert haben Investitionen in Nachhaltigkeit für ein Logistikunternehmen? Welche Bedeutung hat die Branche für eine nachhaltige Entwicklung? Mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen, wenn keine Veränderungen stattfinden? Das sind die Ausgangsfragen der Studie „Delivering Tomorrow – Zukunftstrend Nachhaltige Logistik“ der Deutschen Post DHL. Untersucht wurden die Erwartungen von Endkonsumenten und Geschäftskunden, Methoden zur Messung von CO2-Emissionen sowie politische Maßnahmen zur Förderung einer „grünen Logistik“. Zum Abschluss präsentiert die Studie sieben zentralen Trends der Logistikbranche auf dem Weg zur Nachhaltigkeit.
„Delivering Tomorrow – Zukunftstrend Nachhaltige Logistik“: Studie der Deutschen Post DHL
20.01.2011 Bonn (UD/jb) - Der wichtigste Ausgangspunkt für einen nachhaltigen Ansatz in der Logistikindustrie ist die Erkenntnis, dass die Branche eine der Hauptquellen von CO2-Emissionen ist. Nach Angaben des World Economic Forums aus dem Jahr 2009 ist die Logistik für etwa 5,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Eingerechnet sind dabei die Emissionen aus dem Straßengüterverkehr, See- und Luftfracht, Schienengüterverkehr sowie Logistikgebäuden. Die Globalisierung und das Wirtschaftswachstum führten in den vergangenen Jahren zu einem steigenden Bedarf an Logistikdienstleistungen und demzufolge auch zu mehr Treibhausgasemissionen. Sollte diese Entwicklung unverändert voranschreiten, wird geschätzt, dass sich der Energieverbrauch des Transportsektors bis zum Jahr 2050 gegenüber 2000 mehr als verdoppelt. Unsicherheiten bei der Ölversorgung, Preisschwankungen bei fossilen Brennstoffen sowie Regierungen mit ambitionierten Emissionszielen sind dabei Herausforderungen, für die die Logistikbranche Lösungen finden muss.

Untersuchungen in den sechs großen Märkten

Ebenso gilt es, die Erwartungen von Geschäftskunden und Endverbrauchern zu erfüllen. Hierzu befragten die Autoren der Studie anhand der Onlineumfrage „Green Trend Survey“ 1.800 Geschäftskunden und ebenso viele Endkonsumenten in Indien, China, den USA, Brasilien, Großbritannien und Deutschland, um ihre Meinungen zur Entwicklung der Logistikindustrie mit Blick auf die Nachhaltigkeit zu erfassen. Umfassend präsentiert die Studie die daraus resultierenden Ergebnisse: Die Befragungen der Geschäftskunden ergaben zum Beispiel, dass das Bewusstsein für eine nachhaltige Logistik weltweit verbreitet ist. Für 73 Prozent der Befragten in den USA und Brasilien sind „grüne“ Transportlösungen wichtig. Diese Meinung teilen 66 Prozent der Kunden in China und Indien sowie 45 Prozent in Europa. 63 Prozent sehen den Transport als ein wichtiges Mittel zur Verbesserung der CO2-Bilanz von Unternehmen, 57 Prozent würden künftig eher auf einen „grüneren“ als auf einen günstigeren Anbieter zurückgreifen, und mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen haben sich bereits konkrete CO2-Reduktionsziele auferlegt. Die Umfrage ergab unter anderem auch, dass 60 Prozent der befragten Endkonsumenten den Klimawandel zu den derzeit dringlichsten Themen zählen. Grünere Logistikdienstleistungen seien gefragt, jedoch erwarten zwei Drittel der Endkonsumenten die Bereitstellung dieser Leistungen zum gleichen Preis wie von herkömmlichen Angeboten. Bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen gaben 52 Prozent der Endkonsumenten an, auf CO2-Kennzeichnungen zu achten, sollten sich diese durchsetzen.

Transparente Daten über CO2-Emissionen erleichtern Reduktion

Daraus folgend schildert die Studie die Problematik einer CO2-Kennzeichnung. Denn aktuell existiert noch kein umfassendes, leicht verständliches System. Für Unternehmen ist die Kennzeichnung der CO2 Emissionen mit hohen Kosten verbunden, da hierfür umfangreiche CO2-Audits ihrer Lieferketten notwendig sind. Michael Lohmann, Senior Expert im GoGreen Programm, unter anderem mit dem Schwerpunkt CO2 Bilanzierung, stellt in der Studie zwei Ansätze zur Messung von CO2 Emissionen vor. Für eine effektive Verringerung des CO2-Ausstoßes seien transparente Daten ein Schlüsselfaktor für alle Stakeholder: Konsumenten könnten die Kennzeichnung von Produkten als Kaufkriterium nutzen, Unternehmen benötigen die CO2-Bilanz ihrer Zulieferer für den eigenen Fußabdruck, und der öffentliche Sektor braucht sie zur Umsetzung entsprechender politischer Maßnahmen.

Nachhaltigkeitsengagement bringt auch ökonomische Vorteile

"Go Green" ist das zentrale Umweltprogramm von Deutsche Post DHL. Foto: DHL
Damit sich Unternehmen jedoch freiwillig engagieren, müssen sich Investitionen, zum Beispiel in Kennzeichnungssystem für Emissionen, rechnen. Dazu schildert die Studie detailliert den wachsenden ökonomischen Wert der Nachhaltigkeit: Laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung Accenture aus 2007 sind 87 Prozent der befragten CEOs der Meinung, dass sich Nachhaltigkeit durch eine Steigerung der Umsatzerlöse oder durch eine Senkung der Produktionskosten positiv auf das Ergebnis auswirkt. Zum Beispiel hätten umweltfreundliche Anbieter auch Vorteile bei Ausschreibungen des öffentlichen Sektors: Hier zählt die umweltfreundliche Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung zu den Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel. Zudem schützt ein lückenloser Nachhaltigkeitsansatz entlang der gesamten Lieferkette besonders multinationale Konzerne vor Reputationsverlusten durch fragwürdiges Verhalten von Zulieferern. Dieses kann sich bei Bekanntwerden schnell auf die Nachfrage nach Produkten des Unternehmens auswirken: 91 Prozent der von Accenture befragten Kunden würden ihr Kaufverhalten in Frage stellen, wenn sie von einem umweltschädigendem Vorgehen eines Unternehmen erfahren würden. Vorteilhaft wirkt sich das Nachhaltigkeitsengagement von Unternehmen auch bei der Gewinnung neuer Arbeitskräfte aus. Die Umfrage „Green Trends Survey“ ergab, das rund 50 Prozent der Befragten ökologisch beziehungsweise nachhaltig wirtschaftende Unternehmen gegenüber anderen bevorzugen würden. Zudem wirkt sich die Einführung umweltfreundlicher Verfahren kostensenkend aus. Jedoch sind zum Beispiel effizienzsteigernde Maßnahmen für kleinere Unternehmen schwer zu realisieren, da sie sich erst langfristig rechnen. Hier könnten politische Maßnahmen Abhilfe schaffen, beispielsweise durch finanzielle Anreize.

Die Rolle der Politik auf dem Weg zu einer „grüneren“ Logistik

In diesem Zusammenhang beleuchtet die Studie auch die Rolle der Politik zur Förderung einer „grüneren“ Logistik. Hier gäbe es verschiedene Ansätze: Als dringend notwendigen Schritt nennt die Studie unter anderem die Abschaffung von Gesetzen, die einen reibungslosen grenzüberschreitenden Straßen-, Schienen- oder Luftgüterverkehr einschränken. Um die Attraktivität von Energieeinsparungen zu steigern, wäre auch die CO2-Bepreisung ein Instrument. Des Weiteren befürwortet eine Mehrheit der Transport- und Logistikkunden die Einführung eindeutiger Standards für den Ausgleich von CO2-Emissionen aus dem Transport sowie die Prüfung durch unabhängige Organisationen. Primär wichtig seien jedoch generell internationale Vereinbarungen. Nur so könnten gleiche Wettbewerbsbedingungen geschaffen und vermieden werden, dass die Produktion in Länder mit weniger strengen Regelungen verlagert wird. Die Studie stellt im weiteren Verlauf drei Gruppen von politischen Optionen zur Senkung von Transportemissionen vor. Dazu gehören traditionelle Regulierungsinstrumente wie zum Beispiel die Errichtung von Umweltzonen, marktwirtschaftliche Instrumente wie der Emissionshandel sowie Infrastrukturinstrumente, wie die Aufhebung von Marktbarrieren.

Lösungen und Trends

Ein eigenes Kapitel nimmt ein Überblick über die verschiedenen konzeptionellen und operativen Lösungen für eine nachhaltigere Logistik ein. Dazu gehören beispielsweise Beschaffungs-, Produktions- oder Distributionsstrategien, sowie Lösungen für den Straßen-, See-, Luft- oder Schienenverkehr, aber auch Energieeffizienz am Lager.

Abschließend präsentiert die Studie sieben zentrale Trends der Logistikbranche auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Dabei wird deutlich, dass die Logistikbranche eine wichtige Rolle in der Entwicklung einer CO2-armen Wirtschaft einnimmt. Auch wird die Zusammenarbeit an Bedeutung gewinnen: Bei der Investition neuer Technologien ist die gegenseitige Unterstützung von Unternehmen, Finanzinstitutionen und öffentlichem Sektor entscheidend. Ebenso werden Zulieferer, Geschäftskunden und Logistikunternehmen stärker kooperieren, um Emissionen zu reduzieren. Wahrscheinlich ist auch, dass sich die Geschäftsmodelle von Logistikunternehmen durch eine nachhaltige Ausrichtung verändern. Die übrigen Trends sagen die Standardisierung einer CO2-Kennzeichung, eine Bepreisung der CO2-Emissionen und daraus resultierende strikte regulatorische Maßnahmen des öffentlichen Sektors voraus.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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