EU startet Tool zur Nachhaltigkeitsbewertung in der Forstwirtschaft
EU-Forscher haben ein Tool entwickelt, das Regierungen und die Industrie dabei unterstützen soll, nachhaltige Entwicklung zum obersten Ziel der EU-Forstwirtschaft zu erklären. „ToSIA", Werkzeug für Nachhaltigkeitsbewertung (Tool for sustainability impact assessment), erlaubt es politischen Entscheidungsträgern, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Elemente einer nachhaltigen Entwicklung gleichermaßen in Betracht zu ziehen.
Das computergestützte Werkzeug ToSIA soll zur Entscheidungshilfe in der Forstwirtschaftssektor dienen. Foto: Marion Book
ToSIA hat den Forschern zufolge nun objektive Informationen zu bieten, die genau zeigen, auf welche Weise Veränderungen in der Forstwirtschaft Faktoren wie Beschäftigung, Wirtschaft, Biodiversität und Treibhausgasemissionen beeinflussen.
"Es handelt sich weder um ein Instrument zur Vorhersage der Zukunft noch um ein Mittel, das festlegt, ob etwas gut oder schlecht ist", stellt Kaj Rosén vom Forestry Research Institute in Schweden, Forschungskoordinator des Programms, klar. "ToSIA erleichtert objektive Antworten auf Was-wäre-wenn-Fragen und hebt die Folgen der verschiedenen denkbaren Zukunftsszenarien hervor." Rosén nennt als Beispiel die möglichen Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen, wenn der Bau von Holzhäusern um 25 Prozent zunehmen würde.
Politische Entscheidungsträger, die die Vorteile des Systems nutzen wollen, werden Zugang zu der ToSIA-Toolbox – einem Datenerhebungsprotokoll, das erklärt, wo die für eine Bewertung von Nachhaltigkeitsauswirkungen benötigten Indikatorwerte zu finden und wie sie zu berechnen sind – dem Daten-Clienten und der EFORWOOD-Datenbank, dem ToSIA-Rechner sowie Bewertungstools und der Datenbank für die politische Analyse erhalten.
Mit Hilfe dieses Werkzeugkastens untersucht ToSIA die gesamte Wertschöpfungskette des Forstsektors – vom lebenden Wald bis zum fertigen Produkt bzw. Wiederaufbau/Rückgewinnung bis zum Ende des Lebenszyklus, wobei Indikatoren verwendet werden, um die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit und wie sie diese im Laufe der Zeit verändern zu beschreiben. Die Analyse kann an spezifische Anforderungen angepasst werden. Beispielsweise kann sie geographisch betrachtet einen einzelnen Landstrich oder eine Region abdecken oder auf Gesamt-EU-Ebene angewendet werden. Ebenso kann eine Analyse der gesamten Prozesskette oder nur eines Teils davon vorgenommen werden, oder sie kann auf nur ein oder zwei Indikatoren für Nachhaltigkeit beschränkt werden.
Die Forscher geben durchaus zu, dass es nicht unbedingt einfach sei, ToSIA-Resultate zu interpretieren: Wie zum Beispiel soll eine Regierung eine Zunahme der Beschäftigung gegen einen Rückgang der biologischen Vielfalt abwägen? Deshalb wurde auch eine Vielzahl von Verfahren erarbeitet, die darauf abzielen, den Nutzer durch derartige Schwierigkeiten einschließlich Kosten-Nutzen- und Multi-Kriterien-Analysen hindurch zu lotsen. Letztere erlauben es dem Nutzer, die verschiedenen Indikatoren zu priorisieren und zu einem Nachhaltigkeitsindex zusammenzufassen, der es ermöglicht, Variablen zu vergleichen, die in der Theorie nicht vergleichbar sind.
Die EU-Unterstützung in Form des EFORWOOD-Projekts ("Tools for sustainability impact assessment of the forestry-wood chain") ist eine der größten europäischen Forstwirtschaft-Forschungsstudien mit einem Budget von 20 Mio. EUR, das einen Beitrag von fast 13 Mio. EUR aus dem Themenbereich "Nachhaltige Entwicklung, globale Veränderungen und Ökosysteme" des Sechsten EU-Rahmenprogramms beinhaltet.
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