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Nestle diskutiert Create Shared Value Ansatz mit internationalen Experten

Unternehmen agieren nicht im leeren Raum. Vielmehr sind sie Teil der Gesellschaft. Werte lassen sich hier nur gemeinsam schaffen – davon ist man beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé überzeugt. Seine CSR-Strategie nennt sich daher „Create Shared Value“ (CSV). Bei einem internationalen Fachforum Ende Mai diskutierte Nestlé diesen Ansatz mit Experten aus den Bereichen Ernährung, Wasser und ländliche Entwicklungen.
Experten diskutieren den Create Shared Value (CSV) Ansatz, Fotos (2): Nestlé
17.06.2010 Vevey (UD/el) -  Die Frage nach Ursprung und Zielsetzung des Create Shared Value-Ansatzes lässt sich wohl niemandem so gut stellen wie Michael Porter. Als Lehrender an der Harvard Business School ist er ein international renommierter CSR-Experte und gilt zudem als einer der Architekten des CSV-Ansatzes. Porter erläuterte beim Nestlé-Forum nicht nur die Grundlagen, sondern verwies vor allem auf aktuelle Trends: Die Rolle von Unternehmen wachse stetig auch und gerade in solchen Bereichen, die traditionell als gesellschaftliche und zunächst nicht als unternehmerische Aufgaben angesehen würden. Jetzt gelte es, ein neues Kapitel bei der Beantwortung solcher Fragen aufzuschlagen. Hierzu plädiert Porter für eine Definitionserweiterung dessen, was ein Unternehmen als effektiv und produktiv ansehen soll. Porter: Es gehe nicht alleine darum, wie man ein Produkt in den Markt bringt, sondern was diese Handlung mit allen Beteiligten macht. Als Beispiel nannte Porter, dass viele Unternehmen im Lebensmittelsektor bekanntlich darauf setzen, die Einkaufspreise zu drücken. Das gehe aber auf Dauer zu Lasten der Qualität und der Zuliefersicherheit, warnt Porter und mahnt: Nur faire Preise würden eine stabilen Markt erzeugen.
 
Solche Ansätze stehen dann nicht nur für gute Geschäftspraktiken, sondern erweitern sogar den unternehmerischen Partnerschaftsgedanken. Jane Nelson vom International Business Leaders Forum (IBLF) erläuterte, dass gerade der Agrarsektor in der Zukunft neue Entwicklungspartnerschaften bei Themen wie Ernährungssicherheit, Wasser und Klimawandel sehen werde: „Multi-Stakeholder Allianzen, die darauf abzielen, ganzheitliche Wertschöpfungsketten bei Rohstoffen anzulegen, arbeiten besser.“ Als Beispiele nannte Nelson die internationale Kakao Initiative oder auch den Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl, bei dem kein einzelnes Unternehmen, sondern das Netzwerk agiere .
 
Die Umsetzung solcher Ideen bedeutet aber für ein Unternehmen eine gewaltige Herausforderung. Das bekannte auch Peter Brabeck-Letmathe, Chairman von Nestlé, in seinem Vortrag während des Create Shared Value-Forums. Zugleich sieht Brabeck-Letmathe bei sich im Hause Wege und Bespiele dafür, wie sich die Ansicht von Michael Porter sowie das Plädoyer für Partnerschaften von Jane Nelson zusammenfügen: In Lateinamerika etwa arbeitet Nestlé nach Angaben von Brabeck-Letmathe mit über 600.000 lokalen Bauern zusammen. Schulungen rund um die Themen Wasser oder auch beim Einsatz von Saatgut würden enorme Hebelwirkungen in Gang setzen. So würde zunächst einmal Mehrwert für die Bauern vor Ort generiert, und das sichere deren Zukunft. Im nächsten Schritt sei gerade diese Absicherung auch für Nestlé mit Blick auf Qualität und Quantität vorteilhaft. Werte werden gemeinsam geschaffen und geteilt.

Peter Brabeck-Letmathe, Chairman von Nestlé
Was ist Shared Value Creation?

Der klassische Ansatz für Nachhaltigkeit im Unternehmen wurde vor Jahrzehnten von John Elkington geprägt: Sein 3-Säulen-Modell  (Triple Bottom Line) definiert neben ökonomischen auch die sozialen und Umweltbelange bei unternehmerischem Handeln. Auch der langfristig angelegte Create Shared Value-Ansatz von Nestlé setzt an diesem Modell an, geht aber bewusst einen Schritt weiter hinein in gesellschaftliche Verantwortung: 
 
Argumentativer Ausgangspunkt ist die angenommene gegenseitigen Abhängigkeit von Geschäftswelt und Gesellschaft. „Tatsache ist, dass kein Unternehmen in einer scheiternden Gesellschaft überleben kann“, sagt der CSV-Experte und Nestlé-Berater Marc Pfitzer. Firmen haben hier durchaus zunächst einmal die zentrale Aufgabe, in einer Gesellschaft Werte zu schaffen. Und das funktioniert nur dann dauerhaft, wenn die Firma sich ihrer Rechte und Pflichten in der Gesellschaft klar wird: „Fakt ist, dass schon allein der egoistische Überlebenswille eines Unternehmens dafür spricht, sich seines Umfeldes anzunehmen,“ so Pfitzer. Der NGO-Experte brachte den CSV-Ansatz kürzlich in Wien auf den Punkt: „Weiter gilt es, die Möglichkeit hervorzuheben, gleichzeitig ökonomischen und gesellschaftlichen Wert zu schaffen. Es geht in diesem Zusammenhang nicht um Gewinner und Verlierer. Es liegt weder im ökonomischen noch im gesellschaftlichen Interesse, dass Unternehmen nur deshalb sozial denken, weil sie von ihren Stakeholdern unter Druck gesetzt werden. Die Denkrichtung sollte sich weg vom „machen-müssen“ zum „machen-wollen“ bewegen.“

Preis an kambodschanische Organisation

Am Randes Forums wurde zudem auch erstmals der Nestlé-Preis für Gemeinsame Wertschöpfung an International Development Enterprises (IDE) Cambodia verliehen. Dabei handelt es sich um die kambodschanische Abteilung einer internationalen gemeinnützigen Organisation, die sich dafür einsetzt, das Einkommen der armen Landbevölkerung zu steigern, indem sie marktbasierte Ansätze verfolgt, die auf einen besseren Marktzugang, eine höhere landwirtschaftliche Produktion und eine nachhaltige lokale Geschäftsentwicklung abzielen.

Der Preis wurde 2009 von Nestlé ins Leben gerufen. Er sieht eine finanzielle Unterstützung in Höhe von bis zu CHF 500.000 (zur Zeit etwa 360.000 Euro) für Einzelpersonen, NGOs oder kleine Unternehmen vor, die innovative Lösungen anbieten, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser und dessen Management zu optimieren, die Lebensbedingungen von Bauern und ländlichen Gemeinschaften zu verbessern oder Ernährungsdefizite zu bekämpfen.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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