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Im Aufwind: PPP bei der UNESCO

Innerhalb des UN Systems ist die UNESCO für die Förderung von Wissenschaft, Bildung, Kultur und Kommunikation zuständig. Darüber hinaus koordiniert sie die Umsetzung der Weltdekade Bildung für Nachhaltigkeit. Finanziert wird die Arbeit durch staatliche Mitgliedsbeiträge sowie auch durch Partnerschaften mit der Wirtschaft. UmweltDialog sprach mit dem Leiter der Public Private Partnership (PPP) Sektion der Deutschen UNESCO-Kommission, Dr. Stefan Rennicke, über Ziele und Kooperationsprojekte.
Dr. Stefan Rennicke
09.04.2010 Berlin (UD/el) -  UmweltDialog: Für einen Außenstehenden ist es schwierig, das Modell der nationalen UNESCO-Kommissionen zu verstehen.  Könnten Sie es unseren Lesern kurz erläutern?
 
Dr. Stefan Rennicke: Das Netz besteht, weil sich mittlerweile 193 Staaten in der UNESCO zusammengeschlossen und verpflichtet haben, in ihren Ländern nationale Kommissionen einzurichten. Das ist im gesamten UN System einzigartig. Die deutsche UNESCO-Kommission ist eine davon und hat zwei Aufgaben: Auf der einen Seite beraten wir die Bundesregierung in allen UNESCO-Fragen und zum anderen tragen wir die Beschlüsse der UNESCO in die Bundespolitik hinein. Zudem ist die Deutsche UNESCO-Kommission für die Umsetzung der Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in Deutschland verantwortlich.  Hier gilt es, das Thema Nachhaltigkeit in den Bildungsbereich hineinzutragen.
 
UmweltDialog: Sie sind Leiter des PPP-Bereiches von UNESCO Deutschland. Was gehört zu ihren Aufgaben?
 
Dr. Rennicke: Zu meinen Aufgaben gehört es, private Partner zu finden, um die Programme und Arbeitsbereiche der UNESCO-Kommission in Deutschland zu stärken. Wir haben seit 2007 unser Engagement in diesem Bereich intensiviert und arbeiten mittlerweile mit vier Kooperationspartnern. Wir haben für uns erkannt, dass es nicht alleine darum geht, unser Anliegen auf der politischen Ebene umzusetzen, sondern dass es auch immer wichtiger wird, die Bevölkerung einzubinden. Ob nun bei der Bildung für nachhaltige Entwicklung oder unseren Projekten zu Biosphärenreservaten - Unternehmen sind hier wichtige Player in der Gesellschaft und wir möchten sie deshalb in unsere Arbeit einbeziehen.

UmweltDialog: Das gängige Konzept von PPP geht davon aus, dass der Unternehmenspartner wirtschaftlich von der Zusammenarbeit profitiert. Wie sieht das bei ihren Projekten aus?
 
Dr. Rennicke: Das kann man gut am Beispiel unserer Kooperation mit der BASF verdeutlichen! Hier geht es darum, die frühkindliche Bildung in Kindertagesstätten am Stammsitz in Ludwigshafen zu stärken. Mit dem gemeinsamen Bildungsprogramm soll u. a. das Interesse an Naturwissenschaften und Mathematik gestärkt werden. Die damit verbundene Hoffnung ist, so eines Tages mehr und besser ausgebildete Mitarbeiter zu entwickeln. Davon profitiert das Unternehmen langfristig. 


UmweltDialog: Reden wir über die Kooperationsbeispiele! Was machen sie da konkret?
 

Dr. Rennicke: Mittlerweile haben wir vier große Projekte angeschoben. Mit der BASF haben wir gemeinsam an der besagten Initiative zur frühkindlichen Bildung gearbeitet.  L´Oreal ist eine etablierte, langjährige Kooperation, bei der wir junge Wissenschaftlerinnen mit Kind fördern, damit sie weiterhin in der Forschung arbeiten können. Mit dm-drogerie markt haben wir die bislang größte Kooperation umgesetzt: Das geschah im Zusammenhang mit der Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Hier haben wir junge Leute dazu aufgerufen, eigene  nachhaltige Projekte zu initiieren. Über 1000 Projekte haben sich so gefunden und wurden von dm finanziell unterstützt. Das vierte Projekt ist mit Danone Waters zur Förderung von Biosphärenreservaten.


UmweltDialog: Wie messen Sie Erfolg bei den Projekten?
 
Dr. Rennicke: Nehmen wir das Beispiel Danone Waters: Danone hatte hier ein neues Produkt auf den Markt gebracht und wir konnten die Flaschenetiketten dazu nutzen, um über Biosphärenreservate zu informieren. Wir hatten in der Marktforschung vorab gesehen, dass die Bevölkerung sehr interessiert ist an solchen Themen, aber so gut wie keiner darüber Bescheid wusste. Wir sind im dritten Jahr der Kooperation und auf 10 Mio. Etiketten wurden mittlerweile unsere Informationen über Biosphärenreservate an die Konsumenten verbreitet. Wir sehen dadurch eine eindeutige Steigerung der Bekanntheit dieses wichtigen UNESCO-Programms. Ein anderes Beispiel ist die Kooperation mit dm, mit der wir junge Leute zur Initiierung von Nachhaltigkeitsprojekten motivieren wollten. Es gab über 2.500 Projekteinsendungen und mehr als 50.000 jungen Leute haben sich an der Initiative beteiligt. Das hat unser Ziel erreicht und unsere Erwartungen übertroffen.  

UmweltDialog: Gibt es bei den Projekten Gemeinsamkeiten, quasi eine „Erfolgsformel“?
 
Dr. Rennicke: Ich habe eine ganz persönliche Erfolgsformel: Wir setzen auf eine begrenzte Anzahl an Kooperationen. Alle sind arbeitsintensiv und der Erfolg stellt sich ein, wenn man sich die Zeit für regen Austausch nimmt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass Kooperationspartner immer auf „Augenhöhe“ zusammenarbeiten müssen.
 
UmweltDialog: Kein noch so gutes Projekt ohne Kritiker! Mit welchen Vorwürfen sehen sie sich am Häufigsten konfrontiert und wie begegnen sie denen?
 
Dr. Rennicke: Bisher haben wir relativ wenig Kritik bekommen, weil wir unsere Partner sehr gut auswählen. Unser großer Vorteil ist sicher auch, dass wir keine ´Funding Agency ´der UN sind, also unabhängig von Spenden sind. Wir sind Zuwendungsempfänger des Auswärtigen Amtes. Mit dieser relativen finanziellen Unabhängigkeit können wir unsere Partner sorgfältig auswählen. Darüber hinaus müssen sich potenzielle Partner dazu verpflichten, bestimmte Regeln einzuhalten. Da sind zum einen natürlich die Richtlinien über die Nutzung des UNESCO-Logos, aber auch die Verpflichtung, die zehn Prinzipien des UN Global Compact einzuhalten. Wird dagegen verstoßen, behalten wir uns das Recht vor, die Kooperation umgehend zu beenden. 

UmweltDialog: Wo sehen Sie Grenzen der Partnerschaften?  Welche Art von Anfragen lehnen sie ab?

Dr. Rennicke: Wir haben klar definierte Grenzen. Ausgeschlossen sind Unternehmen, die Waffen, Alkohol oder Zigaretten herstellen. Dann haben wir die vorher erwähnten Richtlinien zu Logo-Policy und zum Global Compact, die eingehalten werden müssen. Schließlich haben wir eine Kapazitätenbegrenzung, die sich daraus ergibt, dass wir nur eine begrenzte Anzahl an Kooperationen eingehen wollen.
 
UmweltDialog: Erleben Sie bei ihren Gesprächen  und potenziellen Anfragen eine Veränderung weg von eher philantrophischen Ansätzen hin zu CSR-Management geprägten Kooperationsmodellen?
 
Dr. Rennicke: Definitiv. Bei den Unternehmen hat sich in den letzten Jahren eine deutliche Professionalisierung eingestellt. Die Business-case Orientierung bei den Firmen hat erheblich zugenommen und der Trend geht weiter in diese Richtung.  Das ist auch gut so. Außerdem ist im Moment auch nicht die Zeit, dass Unternehmen einfach Geld verschenken.
 
UmweltDialog: Herzlichen Dank für das Gespräch!
 

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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Foto: Verena N./Pixelio


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