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Interview: C.B. Bhattacharya zum E.ON Lehrstuhl für Corporate Responsibilty

Seinen Master of Business Administration erhielt er am Indian Institute of Management, zuletzt unterrichtete er an der Boston University School of Management, das Wirtschaftsmagazin „BusinessWeek“ nahm ihn zwei Mal in die Liste herausragender Fakultätsmitglieder auf – nun ist Prof. C.B. Bhattacharya Inhaber des neuen CR-Lehrstuhls an der European School of Management and Technology (ESMT). Gestiftet durch den Energiekonzern E.ON ist es der erste Namenslehrstuhl der Berliner Wirtschaftshochschule. UmweltDialog sprach mit Prof. Bhattacharya über erste Eindrücke und die Ziele seines Unterrichts.
Prof. C. B. Bhattacharya, Foto: ESMT
01.12.2009 Berlin (UD/jb) - UmweltDialog (UD): Sie haben nun vor gut zwei Monaten Ihre Arbeit als Professor für Corporate Responsibility (CR) an der European School of Management and Technology (ESMT) aufgenommen. Wie sind ihre ersten Eindrücke?

Prof. C. B. Bhattacharya: Als eine forschungsorientierte Wirtschaftshochschule ist die ESMT für mich ein sehr spannender Ort. Ihre Leitbilder stehen für die Ausbildung verantwortungsvoll handelnder Führungskräfte und Nachhaltigkeit. Ich bin sehr erfreut über die Aussicht, einen Beitrag zum Wachstum der Schule in diesem Feld beitragen zu können und in einer Gruppe von Fachleuten mit den gleichen Interessen zu arbeiten.

UD: Eine Studie des „Centrum für Corporate Citizenship Deutschland“ belegt, dass der Schwerpunkt der angebotenen CR-Lehrveranstaltungen an Hochschulen fast ausschließlich auf dem Thema Wirtschaft- und Unternehmensethik liegt. Wo liegen in Ihrem Unterricht die Schwerpunkte bei der Vermittlung des Themas Corporate Responsibility?

Bhattacharya: Die Schwerpunkte meines Unterrichts liegen in der Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit. Ich bringe den Studenten nahe, wie Unternehmen sinnvoll Gutes tun können oder, um es anders auszudrücken: Wie sie gleichzeitig sozialen und wirtschaftlichen Nutzen erzeugen können.

UD: Welcher Bereich dagegen wird aus Ihrer Sicht an Hochschulen vernachlässigt, beziehungsweise sollte eine größere Gewichtung bekommen und warum?

Bhattacharya: Nach meinen Erfahrungen als Professor der Managementlehre an internationalen Wirtschaftshochschulen denke ich, es sollte eine größere Gewichtung auf der Tatsache liegen, dass Unternehmen mehr Ziele haben als die Gewinnmaximierung. Die Studenten sollten lernen, dass Unternehmen nicht nur nach ihrem Profit beurteilt werden sollten, sondern auch nach dem sozialen Nutzen sowie der Umweltverschmutzung, die sie vermindern. Gesellschaftlich verantwortlich und gleichzeitig profitabel zu sein, schließt sich nicht gegenseitig aus. Im Laufe der Zeit können wir eine soziale Bilanzaufstellung entwerfen, mit welcher der soziale Nutzen eines Unternehmens gemessen werden kann.

UD: Wie lässt sich das Thema Corporate Responsibility nach Ihrer Erfahrung am besten vermitteln?

Bhattacharya: In dem wir die Vermittlung von Theorien und Prinzipien mit erfahrungsorientiertem Lernen kombinieren, bekommen die Studenten die Möglichkeit zu begreifen, was sie in einer Gesellschaft durch ehrenamtliche Arbeit oder ähnliches aktives Engagement bewirken können. Wir nutzen Fallstudien um zu veranschaulichen, wie Unternehmen wirklich erfolgreich sein können oder warum sie an der Aufgabe ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, scheitern. Feldprojekte ermöglichen den Studenten anzuwenden, was sie in einer akademischen Umgebung gelernt haben. Viele der Studenten, die ich unterrichtet habe, kommen in die Klasse als Skeptiker. Doch wenn sie sehen, welchen weitreichenden Einfluss sie haben können, sind sie weitaus enthusiastischer. Sie erkennen, welche Auswirkungen sie in einer Gesellschaft erreichen können.

UD: Die oben angesprochene Studie ergab auch, dass ein standardisiertes CR-Curriculum für alle Hochschulen nicht sinnvoll wäre. Jede Hochschule müsse Ihren „eigenen Weg“ finden das Thema CR zu integrieren. Können Sie kurz beschreiben wie sich dieser Weg an der ESMT darstellt?

Bhattacharya: Als eine junge aufstrebende Wirtschaftshochschule hat sich die ESMT Corporate Responsibility zur Verpflichtung gemacht. Von Beginn war das Thema CR in den Lehrplan integriert, mehr als strategisches Seminar und nicht als zusätzliches ethisches oder philosophisches Wahlfach. Zu dem profitiert die Schule aus ihrem weitreichenden geschäftlichen Netzwerk. Mit diesem kann sie ihren Studenten Feldprojekte anbieten, in denen sie CR-Erfahrungen aus erster Hand gewinnen.

UD: Können Sie anhand eines Beispiels aus der Praxis erläutern, welche Fehler häufig von jungen Managern in der Unternehmensführung begangen werden, und wie das Verständnis oder Bewusstsein für CR-Aspekte hier helfen würde?

Bhattacharya: Ein genereller Fehler, den Angestellte eines Unternehmens – egal in welcher Führungsebene – häufig begehen, ist der Glaube, dass ihre persönliche Vorstellung von der Aufgabe eines Managers die Beste für das Unternehmen sein muss. Viele von ihnen führen ihre Lieblingsprojekte ein, ohne zu wissen, was ihre Anspruchsgruppen wollen. Guter Unterricht in CR lehrt Studenten, dass sie Stakeholder-Befragungen machen müssen um herauszufinden, welche Projekte zu einem guten Umgang mit ihren Kunden und Angestellten führen, bevor sie Geld in CR-Aktivitäten investieren.

UmweltDialog bedankt sich für das Gespräch!

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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Foto: Verena N./Pixelio


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