.

Otto Group und Grameen gründen „Fabrik der Zukunft“

Die Otto Group, größte Versandhandelsgruppe der Welt, und Grameen haben ein Joint Venture zur Errichtung der Grameen Otto Textile Company gegründet. Sie wird als „Fabrik der Zukunft“ in Bangladesch errichtet und ist damit weltweit das erste Unternehmen im Bereich des Social Business (Typ II), das profitorientiert arbeitet. Der Profit wird aber in einer Stiftung, dem Grameen Otto Trust, verwaltet und dient ausschließlich zur Verbesserung der Lebensumstände der Angestellten, ihrer Familien und geförderten Gemeinden.
Professor Muhammad Yunus und Dr. Michael Otto, Fotos (2): Otto Group
18.11.2009 Hamburg (UD/cp) - Die „Fabrik der Zukunft“ wird in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, errichtet werden und dort unter sozial und ökologisch nachhaltigen Bedingungen Bekleidung für den Export produzieren. Das ökologisch optimierte, CO2-neutrale Gebäude wird mit modernster Isolierung, energiesparender Beleuchtung und optimierten Lüftungssystemen unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung erneuerbarer Energien ausgestattet.

Ziel des Projekts ist es, der armen Bevölkerung in Bangladesch die Möglichkeit zu geben, sich selbst aus der Armut zu befreien. In einem ersten Schritt sollen zwischen 500 und 700 Menschen angestellt werden, zu einem angemessenen Lohn und mit guten Sozialleistungen. Dazu Professor Muhammad Yunus: „Arme Menschen bitten nicht um Wohltätigkeit, denn Wohltätigkeit ist keine Lösung für Armut. Sie wollen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Grameen Otto Textile Company schafft Arbeit für die Armen. Sie wird ein Zeichen setzen gegen die Armut in der Welt“. Die Otto Group gewährt zur Errichtung und zum Betrieb der Fabrik ein zinsloses Darlehen zur Deckung der Investitionskosten. Das Darlehen wird über einen Zeitraum von 10 bis 15 Jahren aus den Gewinnen der Grameen Otto Textile Company zurückgezahlt.

Die Gewinne werden nicht als Dividende an Anteilseigner oder Investoren ausgeschüttet, sondern dienen der Erweiterung und Modernisierung des Unternehmens sowie der Verfolgung sozialer Ziele vor Ort. In erster Linie soll mit den Überschüssen für die Angestellten ein gesundes Mittagessen gestellt werden, Aus- und Weiterbildung sowie Gesundheitsbetreuung erfolgen und ein Kindergarten mit Vorschulunterricht eingerichtet werden. Darüber hinaus werden in den umliegenden Gemeinden Unterstützungen im Gesundheitsbereich, für Sanitäreinrichtungen sowie für die Aus- und Weiterbildung der Bevölkerung getätigt. Das Projekt wird Leuchtturm-Charakter für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften haben.

Auch Dr. Michael Otto, Mit-Initiator des Projekts und Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group, ist überzeugt: „Die Grameen Otto Textile Company wird zeigen, dass es durchaus möglich ist, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen. Sie soll Vorbild werden für die Textilproduktion in Bangladesch und für ähnliche Fabriken auf der ganzen Welt.“ Die Grameen Otto Textile Company soll nachhaltig wachsen. Für die zweite Phase des Projekts ist die Erweiterung der Fabrik am Standort Dhaka geplant, in einer dritten, langfristig angelegten Phase ist eine Expansion innerhalb Bangladeschs und in weitere Länder denkbar.

Hintergrund zum Konzept des Social Business

Ein Social Business Typ I generiert sozialen Mehrwert durch die Herstellung von sehr preiswerten, aber qualitativ guten Produkten oder die Bereitstellung von Services, wie Nahrungsmittel, Wohnraum, Gesundheitsvorsorge oder Bildung. Es muss kein Profit erzielt werden, nur die entstehenden Kosten müssen gedeckt werden. Den Armen wird durch den Zugang zu diesen Produkten geholfen. Bei einem Social Business Typ II hingegen wird ein profit-orientiertes, neues Unternehmen ins Leben gerufen. Jedoch wird der Profit nicht als Dividende an Investoren ausgezahlt, sondern dient der Verbesserung der Lebensumstände der Angestellten, ihrer Familien und der Gemeinden. Grameen Otto ist das erste Social Business Typ II weltweit und ein Leuchtturm für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften.

Die Betriebsführung bei einem Social Business erfolgt nach klassischem Muster. Die Geschäftstätigkeit stützt sich in keiner Weise auf ehrenamtliche Mitarbeiter, vielmehr steht eine angemessene Bezahlung der Arbeitskräfte im Zentrum. Ein Social Business ist in allen Bereichen nachhaltig ausgerichtet: in seiner direkten Auswirkung auf die Umwelt, in seiner Auswirkung auf die Wertschöpfungskette und bezüglich seiner finanziellen Unabhängigkeit. Das Social Business soll sich finanziell selbst tragen, so dass es seine Unabhängigkeit nutzen kann, um langfristig eine Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten zu erreichen.


Weitere Artikel zum Thema:


Wöchentlich, kompetent und kostenlos  - Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Grafik: Husin Sani/Flickr

Newsletter bestellen

Nicht verpassen!

Hier finden Sie die wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Corporate Social Responsibility.
Foto: Verena N./Pixelio


Nachhaltigkeitsakteure und Partner

Links zu Vertretern der Politik, Zivilgesellschaft oder Forschung sowie Verbände und Initiative rund um das Thema Nachhaltigkeit.

.
.