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Psychologie: Kaum Geduld bei Umweltprojekten

Kleine und sofort eintretende Erfolge im Kampf gegen den Klimawandel sind den Menschen lieber als große positive Auswirkungen auf lange Sicht. Das schreiben US-Forscher der Columbia University im Journal of Experimental Psychology: General. Als sie Versuchspersonen nach Umweltthemen befragten, entdeckten sie dieselben irrationalen Mechanismen, die schon von riskanten finanziellen Entscheidungen bekannt sind. Das psychologische Wissen aus dem Finanzbereich solle man stärker bei umweltpolitischen Strategien anwenden, schließen die Forscher aus ihrer Studie.
Foto: Erich Kasten/pixelio.de
10.08.2009 New York  (UD/pte) - 300 Personen wurden um ihre Entscheidung bei verschiedenen Situationen befragt, wobei es etwa um Luftqualität, Nahverkehr, Müllreinigung oder um Chancen auf Gewinn oder Verlust eines Geldbetrags ging. Jede Fragestellung hatte kurz- und langfristige Ebenen. "Menschen haben lieber jetzt eine bessere Luft an 21 Tagen als 35 Tage im nächsten Jahr und ziehen auch den 250 Dollar-Sofortgewinn einem 400-Dollar-Gewinn im nächsten Jahr vor. Gewinne in der Zukunft werden meist heruntergespielt", berichtet Studienleiter David Hardisty. Bei Verlusten war allerdings das Gegenteil der Fall. Das Bewusstsein zukünftiger Bedrohungen wie etwa die des Klimawandels lösten weit mehr Reaktionen hervor als die Chance zukünftiger Errungenschaften "grüner" Technologien. "Menschen sind eher bereit, für die Vermeidung von Verlusten in der Zukunft zu bezahlen als für die Erreichung von Gewinnen."

"Ein sicherer Gewinn lockt Menschen mehr als ein größerer, jedoch unsicherer Gewinn", betont auch Erich Kirchler vom Institut für Wirtschaftspsychologie der Universität Wien. Bei Verlusten sei es umgekehrt, denn man sei zur Wettmachung eines sicheren Verlustes eher zu Risiko bereit, auch wenn dadurch ein noch größerer Verlust auf dem Spiel stehe. Als psychologischen Fachterminus dieser noch jungen Erkenntnis hat sich der Begriff "Diskontierung der Zukunft" durchgesetzt. Knackpunkt für die Wirkung entsprechender Botschaften, egal ob sie aus der Finanz-, Umwelt- oder Gesundheitswelt stammen, sei stets ihre Darstellung. "Will man Sicherheitsverhalten erreichen, stellt man besser sichere Vorteile dar. Für Risiko eignet sich mehr die Betonung sicherer negativer Aspekte eines Themas", so der Wirtschaftspsychologe.

Zu berücksichtigen sei allerdings, dass nicht jeder in derselben Form auf Positiv- oder Negativbotschaften reagiert. "Präventions-orientierte Menschen konzentrieren sich auf Gefahren und reagieren etwa auf die Warnung 'Rauchen ist tödlich' auf Zigarettenpackungen. Es gibt jedoch auch Promotions-orientierte Menschen, die in stärkerem Maß Ziele vor Augen haben. Ein Hinweis, dass Rauchverzicht die Haut schöner macht, wäre bei dieser Gruppe viel wirksamer." Dass zielorientierte Menschen oft zu wenig angesprochen werden, gehe auf Unkenntnis der Psychologie zurück, so Kirchler. "Das Wissen um diese Mechanismen ist etwa zehn Jahre alt. Es ist zu hoffen, dass es einmal Umsetzung in der politischen Praxis findet."

Einen alternativen Ansatz dazu bietet die Lernpsychologie. "Vorhaben und Strategien im Umweltbereich haben auch die Strategie der kleinen Schritte zu berücksichtigen", erklärt die Wiener Umweltpsychologin Renate Cervinka. Dieses Vorgehen erscheine stets mühseliger als der "große Wurf", führe jedoch im Allgemeinen eher zum Ziel. "Kleine Belohnungen motivieren und sind löschungsresistenter. Dieses System kennt man aus der Erziehung von Kindern und der Verhaltenstherapie", so die Forscherin.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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