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Volkswagen: Biodiversität im Kerngeschäft

Nur in den wenigsten Wirtschaftsbereichen ist der Bezug zur Artenvielfalt sofort ersichtlich. Doch letztendlich alle Ressourcen werden der Natur entnommen. Der Erhalt von Flora und Fauna ist daher nicht mehr nur ein Thema für Umweltschützer, sondern auch eine unternehmerische Größe. Die in 2008 ins Leben gerufene Initiative „Business for Biodiversity“ forciert den Dialog hierzu. Wie der Umgang mit Artenvielfalt in Industrieunternehmen aussehen kann, zeigt das Beispiel Volkswagen.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee testet den Tiguan HyMotion, Foto: Volkwagen
14.07.2009 Berlin/Münster (UD/el-ld) -  Ein metallisch schimmerndes Auto, die Chromverzierungen glänzen, es riecht nach neuen Lederbezügen und der Innenausstattung. Nicht viel erinnert hier an Naturschutz und Artenvielfalt. Dennoch werden nahezu alle Bestandteile dieser technisch hochentwickelten Automobile aus natürlichen Ressourcen gewonnen – ob nun die Erze in Bergwerken, das Leder aus Gerbereien oder die Plastik- und Verbundstoffe aus entsprechenden chemischen Verbindungen. Und auch die Nutzung des Fahrzeugs selbst hat Auswirkungen auf die Umwelt – durch den Treibstoff, durch den Straßenbau und schließlich durch die spätere Entsorgung. In jedem Auto steckt also eine Menge Natur, das weiß man auch bei Volkswagen und daher ist der Schutz der Biodiversität „zur Grundlage und zum Erfolgsfaktor unternehmerischen Handelns geworden“. Mit der Verabschiedung des Firmengrundsatzes zur biologischen Vielfalt hat VW daher ein unternehmensweit gültiges Leitbild beschlossen, das dem Artenschutz einen hohen Stellenwert einräumt. „Wir wollen aufzeigen, wie es im Sinne nachhaltiger Entwicklung gelingen kann, die notwendigen Erfordernisse der materiellen Produktion mit dem Erhalt der Biodiversität zu verbinden“, beschreiben die Wolfsburger die Ziele.

Doch wie kann der Autobauer dieses Thema in der Praxis umsetzen? Dies erfolgt auf zwei Ebenen: Die eine ist die Managementebene, wo das Anliegen durch Vorgaben, entsprechende Rahmenvereinbarungen und Kontrollmechanismen in den einzelnen Produktionstiefen durchgesetzt werden kann. Das klingt für den Außenstehenden abstrakt, ist aber der Schlüssel zum Erfolg, erläutert Michael Scholing-Darby im Gespräch mit UmweltDialog. Scholing-Darby begleitet für den VW Konzern unter anderem die „Business for Biodiversity“-Initiative. Die zweite Ebene für das Umsetzen von Artenschutz im Unternehmen besteht aus lokalen, ganz praktischen Umweltschutzprojekten. Dabei werden die Mitarbeiter, die Anwohner und möglichst vielen Anspruchsgruppen vor Ort gezielt eingebunden.

Standorte bewerten

Um dem Engagement für den Artenschutz mehr Gewicht zu verleihen, stellt der Firmengrundsatz darüber hinaus Selbstverpflichtungen in Form verschiedener Umsetzungsmaßnahmen vor. Demnach sollen unter anderem die Produktionsstandorte einer ökologischen Begutachtung unterzogen, das Kennzahlensystem der Global Reporting Initiative (GRI) anerkannt und ausgestaltet sowie die Lieferanten in die Verantwortung für den Schutz der Biodiversität einbezogen werden.

Volkswagen setzt im Werk Wolfsburg auf Sonnenenergie, Foto: Volkswagen
Ergänzend betont der Konzern in seinem Leitbild die Notwendigkeit, den Schutz der biologischen Vielfalt auch in die Umweltmanagementsysteme des Unternehmens stärker zu integrieren. Denn das Umweltmanagement schütze nicht nur „Böden, Luft und Wasser – es hilft uns auch, Prozesse zu verbessern und Kosten zu sparen“, konstatiert der Autobauer. Weltweit werden die Umweltmanagementsysteme von VW nach der internationalen Norm ISO 14001 überprüft, einige europäische Werke beteiligten sich sogar zusätzlich am Öko-Audit-Verfahren der Europäischen Union (EMAS), gibt der Konzern an.

Schutz von lokalen Biotopen

Was für die Produkte, die Unternehmenspolitik und das Management gilt, gilt ebenso für die Werksstandorte weltweit. VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn betont, dass Unternehmen setze sich, über die Management-Ebene hinaus, „an seinen Standorten weltweit für den Naturschutz ein“. Zu den Initiativen und konkreten Projekten zählen unter anderen: Maßnahmen zum unmittelbaren Schutz bedrohter Arten, Biotopförderung im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen und die Unterstützung von Forschungsvorhaben. So unterstützt der Autobauer in China beispielsweise das Panda-Forschungszentrum des Pekinger Zoos und dessen Zuchtprogramm zum den Erhalt einer vom Aussterben bedrohten Tierart, den großen Panda. An dem brasilianischen Werksstandort Sao Carlos setzt sich das Unternehmen zusammen mit lokalen Partnern für den Erhalt der bedrohten Cerrado-Baumsteppe ein. Mit Hilfe eines Aufforstungsprogramms sollen auf einer Fläche von 140.000 Quadratmetern etwa 63 verschiedene Baumarten angepflanzt werden, in der Hoffnung, damit zahlreichen gefährdeten Tieren ihren angestammten Lebensraum wiederzugeben, erklärt der Konzern. Volkswagen de México hat seit 2006 unter dem Motto „Aus Liebe zum Planeten“ ein Programm mit dem Ziel, die wissenschaftliche Erforschung von Naturschutzgebieten zu fördern, gestartet. „Wir sind überzeugt, dass sich unser Handeln konsequent an nachhaltigen Grundsätzen ausrichten muss. Nur dann sind wir in der Lage unseren wirtschaftlichen Erfolg langfristig zu sichern“, erklärt Martin Winterkorn den Antrieb des Unternehmens, sich für den weltweiten Naturschutz einzusetzen.

Bundesweite Biodiversitätsinitiative

Eben diese Verbindung zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Erhalt der natürlichen Vielfalt macht sich die vor zwei Jahren gegründete Initiative „Business&Biodiversity“ zu Nutze. Ziel der Initiative ist es, die Wirtschaft stärker als bisher in internationale Bemühungen um den Erhalt der Biodiversität zu integrieren. Auch zum Vorteil der Unternehmen, „denn Umwelthandeln und Umweltkommunikation sind zu einer strategischen Ressource geworden, ohne die kein Unternehmen zukünftig erfolgreich sein wird“, erklärt die Initiative in der sogenannten „Leadership-Erklärung“. Als einer der ersten Konzerne unterzeichnete Volkswagen diese Beitrittserklärung und erklärte sich damit bereit, den Schutz der Biodiversität auch auf der Prozessebene weiter voranzutreiben. In der Präambel heißt es, „es geht nicht um das perfekte Unternehmen, sondern um Unternehmen, die bereit sind, in einen Prozess einzusteigen und Biodiversitätsziele in ihren Unternehmenszielen zu verankern". Folglich verpflichteten sich die unterzeichnenden Unternehmen, die nachhaltige Nutzung von Biodiversität in ihre jeweiligen Managementsysteme zu integrieren, die Auswirkungen ihrer Unternehmensaktivitäten zu analysieren und messbare sowie realistische naturschutzbezogener Ziele und Maßnahmen im Rahmen regelmäßig stattfindender Regionalkonferenzen festzulegen. Auf der letzten Regionalkonferenz in Eschborn wurde unter anderem darüber diskutiert, wie NGOs in die Arbeit der Initiative involviert werden können. Gesprächs- und Kooperationsangebote sollten sich an ein möglichst breites Spektrum von Organisationen richten, führte Michael Scholing-Darby nach dem Treffen aus. Weitere Vorhaben seien die Herausgabe eines „Management Handbuchs“ sowie die Konzeption einer internationalen Wanderausstellung über das Engagement und Möglichkeiten der Wirtschaft zum Schutz der Biodiversität. Insgesamt verfolge die Initiative „ein Programm, das auf Jahre angelegt ist“, betont Scholing-Darby.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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