„Die Einrichtung eines CSR-Teams hat sich definitiv bewährt“
Sowohl Kunden als auch Investoren betrachten Unternehmen nicht länger losgelöst von den Auswirkungen, die ihre Geschäfte auf Umwelt und Gesellschaft haben. Bei Volkswagen hat man auf diese Entwicklung mit der Einrichtung der Geschäftsstelle „Koordination CSR und Nachhaltigkeit“ reagiert. Ihr Leiter, Dr. Gerhard Prätorius, zieht im Exklusiv-Interview mit UmweltDialog eine erste Zwischenbilanz.
Dr. Gerhard Prätorius, Foto: Volkswagen
Dr. Gerhard Prätorius: Ich denke, dass sich die Einrichtung des CSR-Teams definitiv bewährt hat, denn damit haben wir über alle CSR-relevanten Themen hinweg, sprich von der Personalarbeit über den Umweltschutz bis hin zu den Investor-Relations, einen sehr engen Draht in alle Fachbereiche unseres Konzerns aufbauen können. Das hat dazu geführt, dass wir die Informationsflüsse verbessern konnten und dass sich die Austauschintensität zwischen den verschiedenen Bereichen deutlich erhöht hat. Ein guter Beleg dafür ist unser erfolgreiches Abschneiden in diversen Nachhaltigkeitsrankings.
UmweltDialog: Volkswagen ist 2007 wieder in den Dow Jones Sustainability World Index aufgenommen worden und hat es 2008 als einziges Automobilunternehmen neu in den enger gefassten Dow Jones Sustainability STOXX Indexgeschafft. Was war Ihrer Ansicht nach Ausschlag gebend für diesen Erfolg?
Prätorius: Zum einen konnten wir klarere Aussagen zu unserer Nachhaltigkeitsstrategie machen. Zum anderen haben wir in nahezu allen Bereichen signifikante Fortschritte erzielt. Zum Beispiel haben wir unser Lieferantenmanagement weiter vorangetrieben: Über eine Online-Plattform können sich unsere Zulieferer jetzt nicht nur über unsere ökologischen und sozialen Standards informieren, sondern wir bieten darüber hinaus auch die Hilfe von Expertenteams bei Informations- oder Trainingsbedarf an. Dazu haben wir deutlich überdurchschnittlich in den Bereichen Corporate Citizenship und Transparenz abgeschnitten. Vor allem aber wurden in der Bewertung die Fortschritte unserer Personalarbeit hervorgehoben.
„Nachhaltigkeit wird bei uns gelebt“
UmweltDialog: Welche sind das genau?
Prätorius: Neben dem Ausbau der Talentförderung konnte Volkswagen vor allem mit der Einführung des Stimmungsbarometers, einer umfassenden Online-Befragung der Mitarbeiter an allen Standorten weltweit, punkten. Dieses Barometer gibt deutliche Hinweise darauf, wo Handlungsbedarf besteht. Immerhin beläuft sich die Teilnahmequote auf über 80 Prozent.
UmweltDialog: Bei einem Unternehmen mit über 330.000 Mitarbeitern an 50 Standorten weltweit ist das ein recht ambitioniertes Vorhaben...
Prätorius: Das ist richtig, aber es zeigt zugleich auch eine wesentliche Stärke unseres Konzerns: Durch die Vielfalt unserer Mitarbeiter sind wir in der Lage, auf die ökonomischen und kulturellen Unterschiede der verschiedenen Märkte adäquat reagieren zu können. CSR als wahrgenommene gesellschaftliche Verantwortung lebt vor allem durch das Engagement vor Ort. Es wäre eine Anmaßung, die Entscheidung für ein bestimmtes CSR-Projekt zum Beispiel in Südamerika von einem Schreibtisch in Wolfsburg treffen zu wollen. Wir haben überall dieselben Rahmenvorgaben, dieselben Richtlinien, aber die Entscheidung über die konkrete Ausgestaltung der Themen und Projekte muss vor Ort getroffen werden. So wird Nachhaltigkeit durch Beteiligung bei uns gelebt.
UmweltDialog: Eine der wichtigsten Anspruchsgruppen neben den Kunden sind die Investoren. Wie hat sich das Thema Nachhaltigkeit aus Ihrer Sicht am Kapitalmarkt entwickelt?
Prätorius: Das Thema ist definitiv im Mainstream angekommen und wird meiner Meinung nach in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen, denn es hat sich ja gezeigt, dass Unternehmen, die Ihr ESG-Risiken im Griff haben, am Markt besser abschneiden.
UmweltDialog: Wie gut ist Volkswagen – auch vor dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise – hier aufgestellt?
Prätorius: Natürlich ist die Situation momentan schwierig. Aber wir sehen sie auch als Chance, weil wir Technologien, die ökologische und ökonomische Aspekte verbinden, bereits seit längerem anbieten. Die Blue-Motion-Serie ist der beste Beleg dafür, die Modelle verkaufen sich weiterhin gut. Ich denke, jetzt zahlt sich aus, dass wir das Thema Verbrauch mit unseren hocheffizienten Technologielösungen wie den TSI- und TDI-Motoren oder unserem Doppelschaltgetriebe (DSG) schon immer ganz oben auf der Agenda hatten. Das wird auch der neue Polo zeigen, der 2009 auf den Markt kommt. Mit seinem geringen Verbrauch und den niedrigen Emissionswerten entspricht das Modell sehr gut den derzeitigen Erwartungen des Marktes.
UmweltDialog: Herr Dr. Prätorius, wir bedanken uns für das Gespräch.
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