.

KfW Entwicklungsbank positioniert Klimabeauftragten-Stelle

Seit dem 1. Oktober hat die KfW Entwicklungsbank einen Klimabeauftragten: Dr. Jochen Harnisch (40), promovierter Physiker und Mitglied des Weltklimarates. Die neue Position ist Ausdruck der besonderen Relevanz, die dem Klimawandel in der Entwicklungsarbeit inzwischen zukommt, denn es sind die Entwicklungsländer, die zum einen von den Folgen am stärksten betroffen sind und zum anderen erhebliche Emissionsminderungen erbringen müssen. Wir sprachen mit Harnisch über Aufgaben, Ziele und die Herausforderungen im Bereich der Klimapolitik.
Dr. Jochen Harnisch, Foto: KfW
05.01.2009 Frankfurt a.M. (UD) -  UmweltDialog: Herr Dr. Harnisch, seit Anfang Oktober bekleiden Sie bei der KfW Entwicklungsbank den Posten des Klimabeauftragten. Worin bestehen die Hauptaufgaben Ihrer Tätigkeit?
 
Dr. Jochen Harnisch: Vielleicht zunächst erst mal zum Kontext: Die KfW Entwicklungsbank führt im Auftrag der Bundesregierung und weiterer Mandanten Projekte und Programme der finanziellen Zusammenarbeit mit Projektträgern in Entwicklungsländern durch, d.h. wir gewähren ihnen thematisch gebunden Zuschüsse und zinsverbilligte Darlehen.  Diese Arbeit hat oft in verschiedener Hinsicht Bezug zu Klimathemen: Sei es, dass wir durch Technologietransfer zum Klimaschutz in diesen Ländern beitragen, sei es dass wir sie unterstützen, ihre Exponiertheit dem Klimawandel gegenüber z.B. in der Landwirtschaft oder Trinkwasserversorgung zu reduzieren. Oder schlicht die von uns finanzierten Infrastrukturmaßnahmen werden so gestaltet, dass sie etwa im Falle von Wasserkraftwerken trotz Klimawandel über ihre Lebensdauer von 30-50 Jahren einen dauerhaften Beitrag zur Entwicklung des Landes leisten können.

Meine Aufgabe ist nun die Koordinierung und Steuerung der relevanten Prozesse mit Bezug zum Klimawandel innerhalb der KfW Entwicklungsbank. Neben der Außenvertretung der Bank in der Fachwelt, internem Wissensmanagement und der Qualitätssicherung gehören dazu die Strategieentwicklung und Umsetzung, die Unterstützung der Entwicklung neuer Produkte, sowie die Weiterentwicklung unseres CO2-Wirkungsmonitorings.  
 
UmweltDialog: Welche Themen haben für Sie derzeit höchste Priorität?
 
Harnisch: Zwei Themen liegen mir besonders am Herzen: zum einen die fachliche Begleitung der internationalen Diskussion zur Gestaltung der Klimafinanzarchitektur, zum anderen die Einführung von praxistauglichen Verfahren zur Sicherung unserer Investitionen gegen die Wirkungen des Klimawandels, dem sogenannten „Climate-Proofing“. Beim Thema Klimafinanzarchitektur geht es bei der Vorbereitung der Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009 darum, einen geeigneten Rahmen zu schaffen, der es ermöglicht, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern zu forcieren. Hierbei wird es substantielle Finanztransfers aus den Industriestaaten in die Entwicklungsländer geben. Die Vereinten Nationen schätzen den Finanzbedarf im Jahr 2030 auf jährlich über 200 Mrd. US-Dollar.

Beim Climate-Proofing gilt es aus meiner Sicht, in den nächsten Monaten international Lösungen zu entwickeln, die den Entwicklungsländern viel Verantwortung bei der Gestaltung eigener nationaler Maßnahmenpakete überlassen, ohne dabei die Interessen der Steuerzahler und der Wirtschaft in den Industrieländern aus den Augen zu verlieren. Hier muss es einen intelligenten Mix von Produkten, die Kombination bilateraler und multilateraler Zusammenarbeit basierend auf öffentlichen wie auch privaten Mitteln geben, wenn man zum Erfolg kommen möchte.
 
UmweltDialog: Was ist nötig, um diese Ziele in die Praxis umzusetzen?
 
Harnisch: Wir müssen Formen der internationalen Zusammenarbeit finden, die gerecht, nachweisbar wirksam, effizient und in hohem Maße transparent sind.
 
UmweltDialog: An welchem Punkt steht die KfW Entwicklungsbank in Sachen Klimapolitik derzeit?
Zentrale der KfW-Bankengruppe, Foto: KfW
Harnisch: Die KfW gehört weltweit zu den drei größten Finanziers von Klimaprojekten in Entwicklungsländern. In den operativen Bereichen gibt es eine Vielzahl von hochinteressanten neuen Produkten z.B. im Waldschutz, der Wiederaufforstung oder bei Energieeffizienz-Kreditlinien, die in enger Zusammenarbeit mit unseren Auftraggebern und Partnern entwickelt wurden. Im nächsten Schritt wollen wir diese Erfahrungen für andere Regionen anpassen und komplexere Lösungspakete schnüren. Wenn dafür Zeit bleibt, sollten wir auch aktiver werden, unsere Erfahrungen für den nationalen und internationalen politischen Prozess nutzbar zu machen.
 
UmweltDialog: Wo sehen Sie die wichtigsten Stellschrauben für die Zukunft?
 
Harnisch: Ich sehe die Herausforderung, Klimaschutz und Anpassung mit bestehenden Zielen und Prozessen so zu verzahnen, dass dauerhafter Mehrwert geschaffen werden kann. Solange die Diskussion im Kern um eine Umverteilung zwischen Branchen und Regionen geführt wird, fehlt ihr der auf Dauer nötige Rückenwind. Wir brauchen eine ehrliche, aus der Praxis gespeiste Auseinandersetzung um die Ausgestaltung von Technologietransfer, Klimaschutz und Anpassung und ihre Chancen und Risiken für die Entwicklung der verschiedenen Länder dieser Erde.
 
UmweltDialog: Werden Sie dabei von einem Team unterstützt oder sind Sie „Einzelkämpfer“?
 
Harnisch: Ganz direkt werde ich von zweieinhalb Vollzeitkräften inhaltlich unterstützt. Dazu kommt das umfassende konzeptionelle und operative Know-how auf diesem Gebiet in der gesamten Bank, das ich anzapfen und nutzen kann. So arbeite ich als Vorsitzender des Netzwerks Klima mit einer Gruppe von Führungskräften aus allen relevanten Bereichen der Entwicklungsbank sehr eng zusammen. Damit haben wir die besten Voraussetzungen, den Klimawandel als eine zentrale Einflussgröße von Entwicklung in unser operatives Geschäft zu integrieren und mit unseren Partnern innovative Produkte am Markt zu etablieren.
 
UmweltDialog: Herr Dr. Harnisch, wir bedanken uns für das Gespräch.
 
 
Zur Person:

Jochen Harnisch ist promovierter Physiker und beschäftigt sich schon seit 15 Jahren mit dem Thema Klimaschutz. Zuletzt war er als Manager "Energy & Climate Strategy" bei der Ecofys Germany GmbH in Nürnberg tätig. Seit 1999 gehört er darüber hinaus der "Arbeitsgruppe III Mitigation" des Weltklimarates ("Intergovernmental Panel for Climate Change" (IPCC)) an, dem für seine herausragende Arbeit im vergangenen Jahr zusammen mit Al Gore der Friedensnobelpreis verliehen worden ist. Harnisch ist wie alle IPCC-Mitglieder von der nationalen Regierung berufen und beschäftigt sich dort speziell mit Emissionsminderungsmaßnahmen und -politiken in der Industrie. Diese Aufgabe wird er auch weiterhin ausüben.


Weitere Artikel zum Thema:

Weiterführende Links zum Thema:


Wöchentlich, kompetent und kostenlos  - Abonnieren Sie unseren Newsletter!

Grafik: Husin Sani/Flickr

Newsletter bestellen

Nicht verpassen!

Hier finden Sie die wichtigsten Veranstaltungen zum Thema Corporate Social Responsibility.
Foto: Verena N./Pixelio


Nachhaltigkeitsakteure und Partner

Links zu Vertretern der Politik, Zivilgesellschaft oder Forschung sowie Verbände und Initiative rund um das Thema Nachhaltigkeit.

.
.