Evonik verknüpft CSR-Strategie mit Zukunftsmärkten
Die Evonik Industries AG ist mit einem Umsatz von zuletzt rund 14 Milliarden Euro eines der Schwergewichte der deutschen Wirtschaft. Mitte November hat der Mischkonzern nun eine Corporate-Responsibility-Strategie vorgelegt, die den vielbeschworenen „Business Case“ für CSR mit Leben füllen soll. Konkrete Programme zur Umsetzung der Strategie werden zwar noch entwickelt, die vorgegebene Richtung ist aber vielversprechend.
Unternehmenszentrale von Evonik, Fotos (2): Evonik
Evonik verspricht sich durch diese Verknüpfung einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung und neue Umsatzchancen – und dürfte mit dieser Einschätzung so falsch nicht liegen. Angesichts von Klimawandel und global wachsender Energienachfrage hat der Markt für energieeffiziente Produkte und Dienstleistungen das Etikett „Zukunftsmarkt“ schon länger gepachtet. Und auch das Geschäft mit der Gesundheit boomt. Die Auguren erwarten aufgrund des steigenden Durchschnittsalters bis zum Jahr 2015 eine Steigerung der jährlichen Gesundheitsausgaben um mehr als 130 Prozent gegenüber dem Jahr 2000. In knapp sechs Jahren wäre der Markt dann sieben Billionen US-Dollar schwer, so Evonik in seiner Markteinschätzung.
Da viele Wirkstoffe, die die weltweite Kosmetik- und Pharmaindustrie benötigt, auch in den konzerneigenen Forschungslaboren entwickelt werden, sieht sich Evonik für diesen Billionen-Dollar-Markt gut aufgestellt. Umsatzhoffnungen hegt das Unternehmen vor allem in den aufstrebenden Konsumentenmärkten Osteuropas und Asiens. Die Konzernpräsenz wird dort gezielt ausgebaut. Wo es wirtschaftlich sinnvoll sei, könnte auch nahe beim Kunden vor Ort produziert werden, heißt es dazu in der Strategie.
Das ist ein ambitioniertes Ziel. Aber Unternehmen, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreiben, brauchen nicht nur Ziele, sondern auch Managementsysteme, die korrigierend eingreifen, bevor diese Ziele auf halber Strecke hängenbleiben. Evonik hat in dem Strategiepapier Elemente eines solchen CR-Managementsystems angekündigt. Das soll den CR-Beitrag aller Geschäftsfelder mit Kernindikatoren genau messen und steuern, zusätzlich soll ein „CR-Themen-Management“ als „Frühwarnsystem“ eingerichtet werden. Damit will das Unternehmen gerade erst entstehende Risiken aus ökologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen im Vorfeld minimieren. Außerdem ist eine konzernweite Koordination der CR-Themen im Aufbau.
Vor Ort, in den einzelnen Konzernbereichen, sollen die Führungskräfte und Mitarbeiter künftig mit Zielvereinbarungen zur Umsetzung der Strategie verpflichtet werden. Aus- und Weiterbildung sollen daneben für CR-Themen sensibilisieren. Und: Langfristig werden die in der CR-Strategie zusammengefassten Zielvorstellungen auch auf die Zulieferkette ausgedehnt. Deren Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung sei man sich bewusst, so Evonik-Mitarbeiterin Schulze. Man werde daher „diesem CR-Aspekt verstärkt Aufmerksamkeit widmen“. Das soll über eine eigene Richtlinie geschehen, die „die Anforderungen der Nachhaltigkeit in der Lieferkette berücksichtigt“.
Im Laufe des kommenden Jahres sollen die in der CR-Strategie genannten Themen und Maßnahmen greifbarer werden, verspricht Edda Schulze. „An einem konkreten CR-Programm mit Zielen arbeiten wir zurzeit.“ Die übergreifenden Projekte darin, etwa die Zielvereinbarungen oder das Themenmanagement, würden dann für den gesamten Konzern gelten. Die Veröffentlichung des Programms und die bis zum Frühjahr eingeleiteten Maßnahmen sollen im ersten Halbjahr 2009 in einem CR-Bericht veröffentlicht werden. Bei dessen Erarbeitung will sich Evonik an den Leitlinien der Global Reporting Initiative orientieren.
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