Tchibo verbessert seine Sozialstandards
Unter dem Motto „Jede Woche eine neue Welt“ wirbt Tchibo für seine Produkte. Damit es nicht jede Woche Proteste wegen deren Herstellung gibt, will Tchibo die Sozialstandards seiner Zulieferer verbessern. Fachlich unterstützt wird das Unternehmen dabei von der GTZ. Neu an dem Ansatz ist, dass er nicht auf Kontrolle, sondern auf Dialog setzt. UmweltDialog berichtet über die Projektvorstellung in Berlin.
Die GTZ und Tchibo präsentieren das PPP-Projekt, Fotos (3): GTZ
Auch beim Hamburger Kaffee- und Konsumartikel-Anbieter Tchibo hat man das Thema nun offensiv besetzt. Auslöser war dabei nicht zuletzt eine Kampagne der NGO „Clean Clothes“, die 2005 auf massive Menschenrechtsverletzungen bei Zulieferern in Bangladesh hinwies. Die Kritik traf das Hamburger Traditionsunternehmen damals unvermittelt und hart. Achim Lohrie, der daraufhin als CSR-Beauftragter von Otto zu Tchibo wechselte, erinnert sich: „Es wurde über Tchibo geredet, nicht mit Tchibo.“
Nun ist Tchibo bei Thema Sozialstandards wieder im Gespräch, doch diesmal im positiven Sinne: Tchibo und die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) wollen die Arbeitsbedingungen in asiatischen Zulieferbetrieben dauerhaft verbessern. Dazu stellten sie jetzt ihr gemeinsames Projekt „Worldwide Enhancement of Social Quality" (WE) vor. Das PPP-Projekt startet zunächst in Bangladesch, China und Thailand und umfasst etwa 5 Prozent der Tchibo-Waren.
v.l.: Lohrie (Tchibo), Schmitt (GTZ), Stather (BMZ)
Neu am Projektansatz „WE“ ist, dass nicht primär Kontrollen durch Audits im Blickpunkt stehen, sondern der Dialog aller Beteiligten. Der klassische Ansatz zur Überprüfung von Produktionsstandards ist traditionellerweise das Audit. Dabei überprüfen Kontrolleure vor Ort Qualitätskriterien oder auch Umweltstandards und Arbeitsschutzmaßnahmen. Zweifelsfrei schafft dies in einigen Punkten Transparenz, aber andere Fragen wie etwa die nach der Qualität des Arbeitsplatzes selbst bleiben zumeist unbeantwortet. „Der 'erhobene Zeigefinger' ist auch mit Blick auf die unterschiedlichen Gesellschafts- und Wertemodelle in den Beschaffungsmärkten keine Hilfe", beschreibt Achim Lohrie den neuen Ansatz. „Wir setzen daher nicht auf Belehrung von außen, sondern auf Dialog und gemeinsame Entwicklung von Lösungen durch alle Beteiligten."
Das gemeinsam von GTZ und Tchibo entwickelte Public Private Partnership-Projekt bietet ein umfassendes Trainingskonzept. Es fördert die Bereitschaft und Fähigkeit zum innerbetrieblichen Dialog und stellt die entsprechenden Instrumente zur Verfügung. Örtliche Trainingsorganisationen unterstützen die Qualifizierung der Zulieferer. Die Trainer werden für ihre anspruchsvolle Aufgabe eigens ausgebildet und durch internationale Berater begleitet. Das Pilotprojekt WE ist zunächst auf eine Laufzeit von drei Jahren ausgelegt und soll sukzessive auch für andere internationale Handelsunternehmen geöffnet werden. Es dient als Referenzmodell zur nachhaltigen Verbesserung sozialer Standards und soll auch auf weitere Beschaffungsmärkte ausgedehnt werden.
Rege Presseteilnahme
Langfristiges Ziel sei es, so Lohrie gegenüber Umweltdialog, die Partner zum internationalen Sozialstandard SA 8000 hinzuführen. Darauf hofft man auch auf Seiten der Bundesregierung, die über die GTZ am Projekt beteiligt ist. „Internationale Standards lassen sich am besten in unseren Partnerländern verankern, wenn sie nicht einseitig von außen vorgegeben, sondern gemeinsam mit den Beteiligten eingeführt und umgesetzt werden", sagte Erich Stather, Staatssekretär im BMZ. „Das Projekt verfolgt genau diesen Ansatz und setzt damit wichtige Akzente für die Zukunft." Übrigens: Der Wunsch nach einheitlichen Sozialstandards zahlt sich auch für Zulieferbetriebe aus Entwicklungsländern aus, selbst wenn sie zunächst für das Unternehmen mit Kostensteigerungen verbunden sind: Durch vereinheitlichte Standards werden nämlich ihre Leistungen für Interessenten vergleichbarer. Zudem sind solche Standards effizienter zu managen als die derzeitige Situation, bei der Großkunden in der Regel eigene Forderungskataloge aufstellen, die sich häufig untereinander unterscheiden oder gar widersprechen.
Messlatten für den Erfolg des „WE“-Projektes sind nach Ansicht von Lohrie deutliche und messbare Verbesserungen bei den Arbeitszeiten, der Versammlungsfreiheit und den Löhnen. Gerade letzteres ist ein Punkt, den Tchibo als Einkäufer auch mitgehen muss. Ist man in Hamburg wirklich bereit, mehr Geld für sozialverträgliche Produkte zu zahlen? Dazu Dr. Markus Conrad, Vorstand der Tchibo GmbH: „Wir sind auf die Zusammenarbeit mit erstklassigen Lieferanten angewiesen.“ Es sei ureigenes Interesse des Unternehmens und damit Teil der strategischen Zukunftssicherung, dass die Zulieferer und Partner ökonomisch, ökologisch und sozial stabil ausgerichtet seien. Der billigste Anbieter sei aus der Erfahrung von Conrad nicht immer jener mit den schlechtesten Standards. Tchibo-Vorstand Conrad macht den Projektpartnern im Süden daher Hoffnung. Künftig soll die Einhaltung der Sozialstandards ein hartes Auswahlkriterium werden. Anderenfalls, so ergänzt Lohrie gegenüber UmweltDialog, sei der Anreiz für unternehmerisches Engagement auf beiden Seiten nicht hinreichend gegeben.
Dennoch hat das Projekt klare und sicher auch kritische Grenzen, wie Achim Lohrie eingesteht. So sei die Meßlatte der Arbeitnehmerrechte und –freiheiten in China und teilweise in Thailand aufgrund der politischen Lage nur bedingt erreichbar. Man behelfe sich in den Betrieben vor Ort teilweise damit, dass Arbeitnehmervertreter gewählt werden können, die ausdrücklich nicht Gewerkschaftsmitglieder sind.
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