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Vodafone: Blicke über den Tellerrand in der SustainabilityLounge

Wie neu ist eigentlich für Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit? Handelt es sich hier um alten Wein in neuen Schläuchen, einfach besser verpackt und offensiver kommuniziert als in Zeiten vor Bio-Boom oder Klimawandel-Debatte? Mit diesen Fragen beschäftigten sich hochrangige Experten auf der jüngsten Berliner SustainabilityLounge. Mitinitiator des Dialogforums ist der Kommunikationskonzern Vodafone, der so zum Austausch zwischen Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft in der Nachhaltigkeitsdebatte beitragen will.
SustainabilityLounge 2007, Fotos (3): IÖW
22.11.2007 Berlin (UD) - Lichtdurchflutete Räume, moderne orangerot leuchtende Sessel, viel Glas, helles Parkett und der Blick über die Dächer Berlins – so lässt es sich debattieren. Die SustainabilityLounge wird ihrem wohlklingenden Namen mehr als gerecht. Ihre Organisatoren haben für die Veranstaltungsreihe mit der Berliner Akademie der Künste guten Geschmack bewiesen. Das moderne Ambiente bildete nun schon zum zweiten Mal den Ort für ein Dialogforum zu dem Themenfeld Wirtschaft, Politik und Nachhaltigkeit. In der SustainabilityLounge kommen CSR-Experten und Entscheider aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik oder Vertreter von Medien, NGOs und Gewerkschaften zusammen, um über innovative Nachhaltigkeitskonzepte in Theorie und Praxis zu diskutieren. Dabei soll das Forum Impulse geben für verantwortliches Handeln auf Unternehmensseite und in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Als Veranstalter der SustainabilityLounge fungieren das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), Ecologic, Institut für Internationale und Europäische Umweltpolitik sowie Vodafone Deutschland.
 
„Der direkte Kontakt zu unserem Umfeld ist uns als Kommunikationsanbieter besonders wichtig. Den Austausch mit unseren Stakeholdern pflegen wir auf verschiedenen Ebenen“, erklärt Kathrin Ankele, Senior Corporate Responsibility Managerin bei Vodafone. Vodafone hat den Stakeholder Dialog fest in seiner CSR-Strategie verankert. Das Kommunikationsunternehmen versteht Stakeholderforen als wichtige Mittel, um neue Perspektiven für verantwortliches Handeln und die gesellschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeitsthemen zu erkennen. Gerade in den Bereichen Klimawandel oder Jugendschutz wird derzeit der Dialog mit Bezugsgruppen wie NABU, Kommission Jugendmedienschutz, der Verbraucherzentrale und weiteren öffentlichen und privaten Institutionen ausgebaut. 
Die Anfang 2007 gestartete SustainabilityLounge ist dabei ein besonderes Stakeholderforum. „Die Motivation für Vodafone bestand darin, eine Veranstaltung zu initiieren, die sich unabhängig vom Tagesgeschäft mit zukunftsweisenden Fragestellungen und Perspektiven beschäftigt“, so Ankele. Dabei richtet sich die SustainabilityLounge bewusst an einen kleineren Kreis. Ziel ist es, sich mit einem festen Stamm von Gästen sowie themenspezifisch weiteren Gästen regelmäßig zur Diskussion über Nachhaltigkeitsthemen treffen. An der ersten Veranstaltung Ende Januar nahmen mehr als 200 Gäste teil. Hochkarätige Referenten wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel oder UNEP-Leiter Achim Steiner debattierten mit dem Publikum über Klimawandel, Energieeffizienz oder die Verantwortlichkeit von Unternehmen und Politik.
 
CSR-Trendthema Nachhaltiger Konsum
 
Auch mit der jüngsten SustainabilityLounge Ende September können die Organisatoren zufrieden sein. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen von nachhaltigem Kaufverhalten und deren Kommunikation. Unter dem Titel  „Come to where the future is – Kommunikationsstrategien für nachhaltigen Konsum“ diskutierten Experten über eines der gegenwärtigen CSR-Trendthemen. Als Referenten konnten Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Till Wagner, CEO von J. Walther Thompson Deutschland sowie Achim Lohrie, Head of Corporate Responsibility bei der Tchibo GmbH gewonnen werden. Dabei bot vor allem die Frage reichlich Diskussionsstoff, ob nachhaltige Produkte in vielen Fällen schlichtweg alter Wein in neuen Schläuchen seien. So wies Till Wagner darauf hin, dass Nachhaltigkeit in der Wirtschaft ein viel älteres Thema sei, als es heute oft den Eindruck mache.
 
Alte Hüte der 80er?
 
Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, konnte sich diesem Urteil anschließen. „Nachhaltigkeit war bereits seit den 80er Jahren für Unternehmen von Bedeutung. Diese haben aber erst spät mit der Kommunikation des Themas begonnen.“ Als ehemaliger Leiter des Bereichs Umwelt- und Gesellschaftspolitik bei der Otto Group nahm Billen hier auf deren langjährige Tradition Bezug. So verstünde das Handelsunternehmen seit jeher die Einhaltung von Sozialstandards oder die Nutzung von Biobaumwolle als einen wichtigen Faktor für die Bindung und Gewinnung von Kunden.


Doch es scheint so, dass erst in den vergangenen Jahren das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum bei den Kunden spürbar zugenommen hat. Nicht nur die Lebensmittelbranche sieht sich verstärkt mit sensiblen Konsumenten konfrontiert. Auch Produzenten von Mode, Kosmetika oder Elektronik müssen auf die Marktmacht der Kunden bzw. auf steigende Ansprüche hinsichtlich Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Produkten reagieren. Achim Lohrie von Tchibo gab hier jedoch zu Bedenken, dass nachhaltige Produkteigenschaften nur zusätzliche Pluspunkte für ein Produkt sein könnten. Voraussetzungen seien Qualität, Aussehen oder Geschmack des Produktes. Insofern sei es aus Unternehmenssicht konsequent, Fair-Trade-Kaffee in der gewohnten Hochglanzverpackung anzubieten, anstatt eine Ökoverpackung zu verwenden. Eine Haltung, die unter den Diskutierenden nicht nur auf Zustimmung stieß. Nina Scheer von UnternehmensGrün kritisierte diesen Ansatz als kurzsichtig. Gerade umweltfreundliche Verpackungen könnten durch ihre eigene Ästhetik die Nachhaltigkeit eines Unternehmens unterstreichen.
 
Die Verbraucher im Label-Dschungel
 
Kritisch wurde auf der SustainabilityLounge auch das Thema Transparenz bei nachhaltigen Produkten hinterfragt. Angesicht der Vielzahl von Öko- oder Bio-Labels verliert der Konsument oftmals die Orientierung. Gerd Billen plädierte deshalb für klare, einheitliche Kriterien und eine unabhängige Kontrolle deren Einhaltung. Auch die Rolle der Politik sei hier gefragt – nicht unbedingt bei der Kontrolle, jedoch aber bei der Rahmensetzung. „Ansonsten haben die Verbraucher keine Chance, die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens zu beurteilen“, so Billen. Letztlich sei aber der Verbraucherdruck wichtiger als die Politik, was die Durchsetzung einer nachhaltigen Produktion betrifft. Auch die anderen Referenten sahen die Politik hier nicht als zentrale Kraft. Indem Politik sich an kurzfristigen Themen orientierte, verhindere sie, dass langfristige Perspektiven entwickelt werden können.
 
Die nächste SustainabilityLounge ist für das kommende Frühjahr 2008 angesetzt. Thema und den genauen Termin der Veranstaltung werden auf der Website der SustainabilityLounge bekannt gegeben.

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Grafik: Husin Sani/Flickr

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Foto: Verena N./Pixelio


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