Exklusiv: Umweltchef Haag erläutert Lufthansa-Klimaschutzkampagne
Einige Branchen stehen in der aktuellen Klimadebatte erheblich in der Kritik. Dazu zählen auch die Fluglinien. Bei Lufthansa hat man darauf reagiert und eine breit angelegte Informationskampagne gestartet, die das Umwelt- und vor allem Klimaengagement des Aviationkonzerns aufzeigen soll. Im Exklusiv-Interview für UmweltDialog erläutert Dr. Karlheinz Haag, Umweltbeauftragter bei der Lufthansa, Ziele und Hintergründe.
Dr. Karlheinz Haag, Foto: Ingrid Friedl/Lufthansa
Dr. Karlheinz Haag: Der Luftverkehr hat einen relativ geringen Anteil an den antrophogenen Emissionen. In den letzten Jahren und auch in der aktuellen Debatte hat man sich zum Teil sehr stark – auch aufgrund des hohen Wachstums der Industrie - auf den Luftverkehr fokussiert. Aber das Wachstum des Luftverkehrs ist nun einmal an das Wirtschaftswachstum gekoppelt. Die Lufthansa und die ganze Luftfahrtbranche insgesamt tut sehr viel, um das Wachstum des Transportaufkommens vom Wachstum der Emissionen zu entkoppeln. Ich denke, wir sind heute und bereits in der Vergangenheit sehr erfolgreich gewesen. Es mag sein, dass wir das nicht ausreichend kommuniziert haben.
UmweltDialog: Verschiedene Politiker haben unlängst dazu aufgerufen, auf Flugreisen zu verzichten. Statt in der Ferne sollten die Deutschen lieber in ihrem Heimatland Urlaub machen. Wie sehr ärgern Sie solche Äußerungen?
Haag: Solche Aussagen sind relativ wenig sachgerecht. Der Luftverkehr ist ein Transportsystem, das in dieser globalisierten Welt essentiell dazu gehört. Ein großer Teil unseres Wohlstandes basiert auf dem Austausch von Waren und Gütern, und natürlich auch von Personen. Die positiven Fortschritte, die man in den Entwicklungsländern sehen kann, sind zum Teil auch auf den Tourismus zurückzuführen. In Fernreisen steckt etwas ganz Wesentliches, ein kultureller Aspekt. Solange Sie fremde Kulturen kennen lernen können und wollen, können Sie auch versuchen, diese zu verstehen. Sie bauen eher Vorurteile ab, entwickeln Verständnis für bestimmte Situationen. Sie helfen auch den Menschen, ihre eigenen Lebensumstände vor Ort zu verbessern. Um den Chef der IATA zu zitieren: „Der Luftverkehr trägt mit etwa acht Prozent zum globalen Bruttosozialprodukt bei. Verglichen mit drei Prozent Klimawirkung ist das eine ganz gute Bilanz.“ Er will damit ausdrücken, dass man mit beiden Augen schauen muss, um ein vollständiges Bild zu erhalten.
UmweltDialog: Sie steuern derzeit mit einer Aufklärungskampagne gegen. Worum geht es dabei? Was wollen Sie erreichen?
Caribic Forschungscontainer, Foto: Lufthansa
UmweltDialog: Forderungen nach der Einführung einer Kerosinsteuer werden immer wieder laut. Ebenso wie Pläne, die Luftfahrt ab 2012 in den europäischen Emissionsrechtehandel mit einzubeziehen, der bislang nur den Industriesektor und Kraftwerke betrifft. Wie stellt sich die Lufthansa auf diese staatlichen Reglementierungen ein?
Haag:Das Thema Kerosinsteuer wird immer wieder einseitig diskutiert.: Es ist nicht ganz richtig, wenn man mit dem Argument kommt, die Autofahrer müssten ja auch alle Steuern zahlen. Der Luftverkehr ist anders organisiert als andere Verkehrsträger. Die völkerrechtlich verbindliche Grundlage hierfür ist die Chicago-Konvention. Der Luftverkehr ist von Anfang an als Gebühren orientiertes System angelegt. Er finanziert alle Leistungen z.B. den Erhalt und Ausbau der Infrastruktur aus Gebühren, während das Straßennetz über die öffentlichen Haushalte finanziert wird. Insofern gibt es eigentlich keine sachliche Rechtfertigung, eine Kerosinsteuer zu fordern. Wir finanzieren auch die Abgeltung von Umweltleistungen aus Gebühren. In Frankfurt beispielsweise wurden Investitionsmaßnahmen von mehreren Hundert Millionen getätigt, um Schutzmaßnahmen gegen Lärm durchzuführen. Lärmschutzmaßnahmen der Bahn dagegen werden aus dem Bundeshaushalt finanziert. Auch hier muss man das Gesamtsystem betrachten und dann seine Schlussfolgerung ziehen.
Was den Emissionshandel angeht, ist die Diskussion in vollem Gange. Es liegt ein Vorschlag der EU-Kommission vor, die Luftfahrt in den Emissionshandel mit einzubeziehen. Wir haben uns bereits - und werden uns auch weiterhin - in die Diskussion einschalten. Wir sind ein globales Unternehmen und brauchen auch globale Lösungen. Wir müssen in der Luftfahrt einheitliche Flugführungssysteme benutzen. Wir haben auf internationaler Ebene einheitliche Lärmkriterien und einheitliche Grenzwerte für die Stickoxide. Warum soll das beim Emissionshandel völlig anders sein? Wir sehen die einseitige Fokussierung auf den Emissionshandel kritisch. Wir erwarten, dass man in Europa zu einer schlüssigen Gesamtstrategie kommt, wobei wir in der Technologie aber auch in der Einführung eines einheitlichen europ. Luftraums erhebliches ungenutztes Einsparpotenzial sehen. Solange der einheitliche europ. Luftraum noch 15 Jahre auf sich warten läßt und die Emissionsminderungspotenziale dort ungenutzt bleiben, ist nur schwer einzusehen, warum ein Emissionshandel die Lösung bringen soll. Er kostet Geld, erzeugt keine wirkliche Emissionsminderung sondern nur eine Kompensation.
Foto: Werner Krüger/Lufthansa
Haag: Wir haben vor, unseren Kunden, die ein besonders Maß an Verantwortung wahr nehmen wollen, ein Angebot zu machen, ihre CO2-Emissionen zu kompensieren. Es ist kein direkter Aufschlag auf ein Ticket. Wir sind momentan in der Diskussion mit Partnern, die hier in Frage kommen könnten. Es ist geplant, das System noch in diesem Jahr zu installieren.
UmweltDialog: Die Lufthansa unterstützt verschiedene Forschungsprojekte wie zum Beispiel CARIBIC, um die Effekte des Flugverkehrs auf die Umwelt zu messen. Einige Projekte wie FREQUENZ oder MOZAIC laufen in diesem Jahr aus. Welchen Ausblick auf Ihre Forschungsvorhaben können Sie uns geben?
Haag: Bei FREQUENZ geht es um Lärmminderung. Wir haben die Absicht gemeinsam mit dem Verbund, mit dem wir in der Vergangenheit zusammen gearbeitet haben, die Arbeiten zur Lärmminderung fortzusetzen bzw. in ein neues Projekt zu überführen, das wir dann voraussichtlich 2008 starten können.
Das Klimaforschungsprojekt MOZAIC läuft nach zwölf Jahren Laufzeit standardmäßig aus. Wir haben mit CARIBIC ein vergleichbares Projekt, das in seinem Studiendesign wesentlich komplexer ist. Es ist vor einem Jahr gestartet und hat auch eine Laufzeit von zwölf Jahren. Die langfristige Vision ist, gemeinsam mit anderen Airlines, eine Überwachungsinfrastruktur aufzubauen. Lufthansa war lange Zeit, die einzige Luftverkehrsgesellschaft, die die Klimaforschung unterstützt hat. Dies ändert sich jetzt und wir freuen uns, andere Luftfahrtgesellschaften mit ins Boot zu nehmen.
UmweltDialog: Herzlichen Dank für das Gespräch!
Lesen Sie in Teil 2 unseres Exklusiv-Interviews mit Dr. Karlheinz Haag über mögliche, auch politische, Verbesserungsmaßnahmen in der Luftfahrt und die ökologische Verantwortung der Lufthansa.
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