Volkswagen positioniert CSR-Geschäftsstelle
Modethema oder Megatrend – das Thema „Corporate Social Responsibility“ beschäftigt zurzeit die Unternehmen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass es sich nicht als ein schnelllebiges „Consulting-Thema“ erledigt, sondern dass es einen wesentlichen Beitrag zur Profilierung von Unternehmen im Wettbewerb leisten kann. Bei Volkswagen, Europas größtem Autobauer, hat man darauf reagiert. Mit der Einrichtung einer Geschäftsstelle „Koordination CSR und Nachhaltigkeit“ will das Unternehmen sein Nachhaltigkeitsprofil schärfen. Im Gespräch mit dem UmweltDialog erläutert der Leiter, Dr. Gerhard Prätorius, Ziele und Aufgaben.
Konzernzentrale Wolfsburg, Foto: Volkswagen
Auch Gerhard Prätorius, Leiter der Geschäftsstelle „Koordination Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit“ beim Volkswagen Konzern, weiß um diesen Spagat. Kapitalmärkte und Stakeholder signalisieren: Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit als Eckpfeiler einer langfristigen Unternehmensstrategie tragen zur Differenzierung von Unternehmen im Wettbewerb bei. Bei VW hat man auf die sich verändernden Erwartungen mit der neu geschaffenen CSR-Koordinierungsstelle reagiert. Prätorius: „Die Wahrnehmung sozialer Verantwortung durch Unternehmen ist historisch nichts Neues. Während es sich in dem traditionellen Verständnis eher auf die Unterstützung der Schwächeren als Einzelaktivitäten beschränkte, wird es heute als ein strategisches Anliegen für gesellschaftliches Engagement und Nachhaltigkeit verstanden.“ Mit der Verstärkung der Managementfunktionen für die Integration von CSR in den Geschäftsprozessen wird dieser Entwicklung bei Volkswagen Rechnung getragen.
Blick nach innen
„Wenn man sich anschaut, wie wir auf bestimmte Entwicklungen oder auch Ratings reagiert haben, dann kann man erkennen, dass wir unser Potenzial hier nicht ausschöpfen,“ erläutert Prätorius im Gespräch mit UmweltDialog. Das war die Initialzündung für die CSR-Geschäftsstelle. Es geht dabei nicht, so betont Prätorius, um Zentralisierung, sondern darum, die bestehenden Prozesse zu verbessern, Informationssysteme des gegenseitigen Lernens anzupassen, um so schneller und besser auf externe Ereignisse reagieren zu können.
Ein wesentlicher Bestandteil der Aufgabe ist daher der Blick ins Unternehmen selbst. Prätorius: „Wir haben eine ausgezeichnete Expertise in den einzelnen Fachabteilungen.“ Verbesserungsfähig seien allerdings die Austauschprozesse, was bei der Größe des Unternehmens nicht verwunderlich sei. Mit der Einrichtung eines funktionsübergreifenden CSR-Projektteams ist es gelungen, das Know how dort abzuholen, wo es vorhanden ist, um es für das CSR- und Nachhaltigkeitsprofil des Unternehmens zu nutzen. Dabei geht es zum Beispiel um die Anpassung und Entwicklung von Informationssystemen in den unterschiedlichen Bereichen – etwa im Umweltbereich und im Sozialwesen. Diese können die Grundlage bieten für eine indikatorenbasierte Berichterstattung, wie sie zunehmend bei Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberichten, bei Ratings und Rankings verlangt wird.
Prof. Dr. Martin Winterkorn, Foto: Volkswagen
Unterstützung finden die Nachhaltigkeitsmanager im neuen Konzernvorstand. Professor Dr. Martin Winterkorn, der Vorstandsvorsitzende, bezog zum Thema im aktuellen Geschäftsbericht Stellung: „Der Schlüsselbegriff für die Herausforderungen lautet im Jahr 2007 und auch darüber hinaus ´Nachhaltigkeit´… Indem wir Verantwortung übernehmen und Nachhaltigkeit praktizieren, stärken wir die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Konzerns.“
Dazu hat sich die neue CSR-Geschäftsstelle ehrgeizige Ziele gesteckt. Eine der Vorgaben, an der man sich messen lassen werde, sei eine Verbesserung der Position in Nachhaltigkeitsrankings. Zudem soll die interne Beratung forciert werden. In beiden Feldern sei man nach Ansicht von Prätorius „gut unterwegs“. Impulse will man in den kommenden Jahren beim Stakeholderdialog setzen und bei der Initiative „CSR Europe“ zum Thema „Verantwortung in der Zulieferkette“ die Federführung übernehmen.
CSR-Profil: Austausch und Freiwilligkeit
Doch wie können solche Meilensteine konkret erreicht werden? Welche Hürden gibt es auf dem Weg? Prätorius erläutert dies so: „Das Thema CSR kann seine Möglichkeiten nur dann voll entfalten, wenn es auf Austausch und Freiwilligkeit basiert.“ Beispielsweise setze ein intensiver Dialog mit anderen Unternehmen und den Ratingagenturen ein, um im beiderseitigen Interesse die Systeme und Methoden permanent zu verbessern. Die Wirtschaftsinitiative econsense etwa sei eine hervorragende Ebene, um sich offen auszutauschen. Davon ist man in Wolfsburg überzeugt, weil das Thema in Zukunft erheblich an Bedeutung gewinnen werde: So fließen die Ergebnisse der Nachhaltigkeitsagenturen immer öfter auch in die Arbeiten der Mainstream-Analysten ein. Große Pensionsfonds legen heute bei ihren Investments strenge Kriterien bei den Themen Gesellschaftliche Verantwortung, Corporate Governance und Nachhaltigkeit an. Prätorius: „Das ist eine spannende Entwicklung und wir werden den Weg sehr genau beobachten.“
Ein weiteres Aktionsfeld ist der Dialog mit der Politik. CSR eigne sich wie kaum ein anderes Thema zur Differenzierung über den Wettbewerb. Ordnungspolitisch gehöre es daher zwingend in den Bereich derjenigen unternehmerischen Aktivitäten, die freiwillig sind und sich einer Durchregulierung entziehen. Prätorius ist davon überzeugt, dass nur so dem Thema CSR angemessen beizukommen ist.
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