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Klimaschutz-Konzept für Tourismus

Mit weltweit 220 Mio. Beschäftigten und einer Wachstumsrate von langfristig 4 Prozent gehört die Reise- und Tourismusbranche zu den wichtigsten und dynamischsten Wachstumsmärkten der Zukunft. Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften werden zu zentralen Erfolgsfaktoren für den langfristigen Erfolg der Industrie als globalen Mobilitätsdienstleister. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie, die vom World Economic Forum (WEF) in Zusammenarbeit mit führenden internationalen Organisationen und Marktteilnehmern der Tourismus-Industrie sowie mit Hilfe der internationalen Strategieberatung Booz & Company erstellt wurde.
Foto: Klaas Hartz/pixelio.de
29.07.2009 München (UD/na) - "Für die Studie haben wir innerhalb eines Jahres die wichtigsten Akteure aus den relevanten Organisationen, Unternehmen und Regierungen zusammengebracht und befragt. Ziel war es, gemeinsam den CO2-Ausstoß der gesamten Reise- und Tourismusbranche zu analysieren und einen sektorübergreifenden Maßnahmenplan zu dessen Verringerung zu schaffen", so Thea Chiesa, Leiterin Aviation, Travel & Tourism Industries beim WEF. Unter der Ägide des WEF erarbeiteten erstmals so unterschiedliche Marktteilnehmer wie Flug- und Schifffahrtsgesellschaften, Hotels, Reiseveranstalter und Mietwagen-Anbieter ein gemeinsames Konzept, um als miteinander verbundener Sektor die negativen Effekte der zunehmenden Mobilität auf die Umwelt signifikant zu verringern.

Die Studie stellt Initiativen vor, die innerhalb der nächsten 30 Jahre eine Reduzierung der Emissionen um ca. eine Milliarde Tonnen ermöglichen können. So können beispielsweise Fluggesellschaften durch die Umstellung auf Flugzeuge mit effizienterem Treibstoffverbrauch sowie neue Luftraum Management-Systeme wie NextGen in den USA oder Single European Sky/SESAR in Europa einen entscheidenden "Green Travel"-Beitrag für die gesamte Branche leisten. Dabei reichen die bisher im Tourismus-Sektor geplanten Maßnahmen zur CO2-Senkung bei weitem nicht aus. "Das bis 2035 zu erwartende jährliche Branchenwachstum von ca. 4 Prozent wird mehr Emissionen produzieren, als durch die bisher geplanten Maßnahmen eingespart werden", betont Dr. Jürgen Ringbeck, Partner bei Booz & Company und Senior Project Advisor der Studie. Die Experten schätzen, dass trotz der erheblichen Bemühungen der letzten Jahre und der geplanten Initiativen und Programme der CO2-Fußabdruck der Branche in den nächsten 30 Jahren signifikant anwachsen wird.

Besonders Entwicklungs- und Schwellenländer beschleunigen diesen Trend. Im direkten Vergleich zu den Industrieländern, die sich bereits für einen Wechsel hin zu "Green Travel" engagieren, hinken diese Staaten stark hinterher. Bevölkerungsreiche Volkswirtschaften wie Indien oder China stellen schnelles Wachstum häufig über nachhaltigen und ökologischen Tourismus.

Generell aber müssen Umweltthemen zu einem zentralen Bestandteil jeder Management-Agenda werden. Kooperationsstrategien und die Koordination eines multi-institutionellen Vorgehens zum nachhaltigen Abbau von Emissionen bergen in einer heterogenen Industrie wie der Reise- und Tourismus-Branche beträchtliche Probleme und Hindernisse.

Dennoch bieten die in der Studie erarbeiteten Maßnahmen Anlass zu Optimismus. Demnach soll der Wechsel von Autos hin zu umweltfreundlicheren Transport-Systemen wie der Bahn stattfinden. Die Entwicklung von nachhaltigen kohlenstoffarmen Treibstoffen im Flugverkehr und der Einsatz erneuerbarer Energien im Hotelgewerbe werden bereits vorangetrieben. Um die Auswirkungen der Reise- und Tourismusbranche auf den Klimawandel deutlich zu reduzieren, müssen diese Maßnahmen in den nächsten 10-15 Jahren verstärkt umgesetzt werden.

Über allem steht jedoch die Frage der Finanzierung: Booz & Company schätzt, dass allein für die Umsetzung eines CO2-neutralen Wachstums eine Investition in Höhe von über 100 Mrd. US$ notwendig ist. Die erforderlichen Investitionen fallen jedoch gerade in eine wirtschaftlich schwierige Phase, in der die Reisedestinationen und die Marktakteure erheblich unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise leiden. Auch verfügt gerade die Reise- und Tourismus-Industrie mit ihren traditionell niedrigen Margen ohnehin über geringen finanziellen Spielraum. Dennoch ist die Situation keineswegs ungünstig, erklärt Ringbeck: "Die aktuelle Wirtschaftskrise birgt erhebliche Chancen, neue Strategien und zukunftsfähige Technologien im Kampf gegen den Klimawandel um- bzw. einzusetzen. Um diesen Prozess zu forcieren, sollten gezielt staatliche Anreizpakete für Innovationen im Tourismus eingesetzt werden." Daher unterstreicht die Studie auch die Notwendigkeit für die Regierungen, z.B. Steuerbefreiungen für Investitionen in energieeffiziente Technologien zu schaffen.

Das langfristige Ziel, das Entstehen einer CO2-neutralen Branche, kann nur durch die Kooperation der gesamten Industrie mit Regierungen, NGOs und der Privatwirtschaft erreicht werden. Dies betonen auch die Autoren der Studie. "Wir beschäftigen uns in diesem Report mit einem der bedeutendsten Themen unserer Zeit - der Frage, wie man Schritt für Schritt den Wechsel hin zu einer emissionsarmen Lebensweise vollziehen kann", so der stellvertretende UNWTO Generalsekretär Geoffrey Lipman. "Die UNWTO unterstützt die geforderten Maßnahmen, die alle das Ziel verfolgen, die Tourismus-Industrie auf ihre Aufgaben zur Reduktion von Emissionen hinzuweisen und sie so zum Klimaschutz zu bewegen. Fakt ist, dass unsere Branche 5Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes produziert und dass wir daran schrittweise, konsequent und global etwas ändern müssen."


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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