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Clean-Fuel in Bulgarien: ThyssenKrupp-Tochter Uhde wickelt Großprojekt ab

Die Arbeiten laufen auf Hochtouren: Seit Anfang Mai liefert die ThyssenKrupp-Tochter Uhde Ausrüstung und Know-how zum Bau für zwei der größten Diesel- und Benzinentschwefelungsanlagen in Burgas am Schwarzen Meer. Damit schafft das Unternehmen die Voraussetzung dafür, dass Lukoil Neftochim Bourgas, einer der größten Raffinerie-Konzerne Bulgariens, ab 2009 seine Produktion auf schwefelarme Kraftstoffe umstellen kann.
Fotos (2): Uhde
17.06.2008 Dortmund/Bourgas (UD) - Bulgarien und speziell das Schwarze Meer verbinden die meisten Menschen hierzulande mit Urlaub, Strand und Sonne. Doch spätestens seit dem Beitritt des Balkanstaates zur EU im Januar 2007 hat sich das Land auch zu einem begehrten Handelspartner entwickelt. Vor allem in der Chemiebranche: Nach Angaben des Auswärtigen Amtes war Bulgarien in den vergangenen Jahren einer der besten Kunden des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, und alles deute darauf hin, dass dies zumindest kurz- und mittelfristig so bleiben werde. Denn nicht nur die notwendige Anpassung an EU-Normen, sondern auch zahlreiche Modernisierungs- und Erweiterungsvorhaben sorgen jetzt und in den kommenden Jahren für einen erheblichen Bedarf an Maschinen und Ausrüstung. So beziffert die bulgarische Kammer für die Chemieindustrie (BKCP) die voraussichtlichen Investitionen der Branche für die kommenden fünf Jahre auf einen Wert von über 1 Milliarde Euro. Tatsächlich hätten zahlreiche bulgarische Chemiebetriebe neue Investitionen bereits angekündigt, so die BKCP.
 
Die größten Investitionspläne hat derzeit der russische Ölkonzern Lukoil, der unter anderem die Raffinerie in Bourgas besitzt. Die dortige Diesel- und Benzinproduktion soll nun entsprechend der dort ab 2009 geltenden EU-Kraftstoffrichtlinie modernisiert werden. Den Zuschlag für das rund 100 Millionen schwere Projekt hat die ThyssenKrupp Tochter Uhde erhalten. Bereits im Oktober 2007 einigten sich die Dortmunder mit den Vertretern von Lukoil Neftochim auf eine Zusammenarbeit. Von der Planung über die Lieferung der Ausrüstung und die Umsetzung der Montagearbeiten bis hin zur Inbetriebnahme und Schulung des Betriebspersonals unterstützt Uhde den bulgarischen Konzern dabei, seine Produktion auf schwefelarme Kraftstoffe umzustellen.
 
Das ist auch bitter nötig, denn Bulgarien hat große Probleme, die Umweltschutzauflagen der EU zu erfüllen. „Bulgarien hat im Bereich Umwelt noch Aufholbedarf“, erklärte etwa die Europa-Abgeordnete Rumjana Schelewa gegenüber Radio Bulgarien erst im Februar dieses Jahres. „Für mich hat das Thema Umwelt einen hohen Stellenwert. Nicht nur, weil ich in Burgas als EU-Abgeordnete gewählt wurde, und Burgas eine Stadt ist, die mit einer ganzen Reihe Umweltproblemen zu kämpfen hat. Sondern auch, weil ich der Ansicht bin, dass Bulgarien zur Umsetzung der europäischen Gesetzgebung einen höheren Beitrag leisten kann“, so Schelewa weiter.
Dass der Balkanstaat auf einem guten Weg ist, belegt nicht zuletzt die Zusammenarbeit zwischen Uhde und Lukoil Neftochim, dem Betreiber eines der größten Tankstellennetze in Bulgarien. Den Zuschlag für das Großprojekt führt Uhde-Geschäftsführer Helmut Knauthe vor allem auf die langjährige Erfahrung seines Unternehmens zurück. „Wir haben in den letzten sieben Jahren Clean-Fuels-Anlagen mit einer Gesamtkapazität von mehr als 33 Millionen Tonnen Benzin- und Dieselkraftstoff für namhafte Konzerne der Mineralölindustrie planen und realisieren können“, sagte Knauthe anlässlich der Vertragsunterzeichnung. „Dies unterstreicht eindrucksvoll unsere Kompetenz auf dem Gebiet der Raffinerietechnik. Unsere innovativen Anlagen zur Produktion emissionsmindernder Kraftstoffe leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur Umweltentlastung“, fügte er hinzu.
 
Die Entschwefelungstechnik der Raffinerie in Bourgas beruht auf den sogenannten Axens- bzw. Haldor Topsoe-Verfahren für Benzin resp. Diesel. Dabei wird dem jeweiligen Kraftstoff in einem ersten Schritt Wasserstoff hinzugefügt. Indem die Flüssigkeit daraufhin durch einen Katalysator geleitet wird, verbinden sich die schädlichen Schwefelverbindungen mit dem Wasserstoff und können so aus dem Kraftstoff herausgefiltert werden. Auf diese Weise wird sicher gestellt, dass der Schwefelgehalt des produzierten Benzins resp. Diesels unter 10 ppm (parts per million) liegt, was den Schadstoffausstoß der mit diesen Kraftstoffen betriebenen Autos signifikant verringert.

Derzeit werden die ersten Ausrüstungsteile für die Anlage in Burgas ans Schwarze Meer geliefert. Die Inbetriebnahme der Raffinerie ist für 2009 geplant. Sie wird dann jährlich bis zu 1,1 Millionen Tonnen schwefelreduziertes Benzin und 1,6 Millionen Tonnen Diesel produzieren.


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Grafik: Husin Sani/Flickr

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