Regenwald-Schutz droht zum Fiasko zu werden
Der Schutz der Regenwälder, der in der Absichtserklärung "Redd" (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) in Kopenhagen unterzeichnet wurde, ist nicht ausgereift. Indigene Waldbewohner werden weiter zurückgedrängt, falls sich die Geberländer nicht rasch auf konkrete Regelungen der Umsetzung einigen, warnt ein aktueller Bericht der Rights and Resources Initiative. "Die Situation um Redd ist weitaus komplexer, als sich viele vorgestellt haben. Ein nicht vorhersehbarer Druck könnte auf manche Gebiete entstehen", so Berichtsautor Andy White.
Bild: Marion Book
In den Schwellen- und Entwicklungsländern, in die diese Gelder fließen werden, könnte jedoch bald der Wettkampf um Investoren dazu führen, dass lokale Gemeinschaften weiter zurückgedrängt werden und die Korruption steigt, so der Bericht. Im schlimmsten Fall würden die Redd-Mittel direkt bei den Holzfirmen landen, die zuvor auf unlauterem Weg Waldlizenzen erworben haben. Es wäre weitaus besser, nicht staatliche Bürokraten sondern die Waldbewohner zu Hütern der Wälder zu machen. "In von Regierungen kontrollierten Wäldern ist die Abholzung am größten, in denen von indigenen Völkern verwalteten am geringsten. Hier liegt die Holzschlagrate sogar unter der von Nationalparks", so White.
Grundsätzliche Bedenken gegenüber Redd äußert Thomas Brose, Geschäftsführer des europäischen Klimabündnisses und Zuständiger für die Kooperation mit indigenen Völkern. "Dieses Instrumentarium verringert den Druck der Industrieländer als größte Treibhausgas-Emittenten, eine ökologisch nachhaltige Energieversorgung aufzubauen. Man kann sich dadurch gewissermaßen freikaufen", so Brose. Das Abkommen wolle zudem den Wald nicht schützen, sondern die Emissionen aus der Waldzerstörung minimieren. "Redd zielt auf die Zerstörer statt auf die eigentlichen Schützer des Waldes ab, da zweiteres ökonomisch nicht sinnvoll ist."
Die Rechte der Indigenen und deren Einbeziehung hätten die Verhandler in Kopenhagen deutlich verwässert. Doch selbst geplante Verträge mit indigenen Gemeinschaften, die eine Zusicherung an einer bestimmten Landfläche bei Einhaltung eines bestimmten CO2-Schutzes beinhalten, seien äußerst kritisch zu sehen. "Die angebotenen Geldmittel locken zwar die indigenen Völker, doch was passiert, wenn die CO2-Grenzwerte nicht eingehalten werden, etwa in Folge eines Brandes? Es stehen damit die Landtitel auf dem Spiel, die das einzige Pfand darstellen, das indigene Gruppen besitzen", betont Brose.
Naturschutzorganisationen würden die Menschen aus Gründen des Pflanzen- oder Tierschutzes häufig aus ihren Konzepten ausschließen. Den Ansatz der Nutzung durch Waldbewohner solle man jedoch stärker in Betracht ziehen. "Das Nutzungskonzept ist bei Kleinbauern, Indigenen und etwa Kautschukpflanzern Teil der Tradition und sie erhalten dadurch den Regenwald. Wäre das schon vor 7.000 Jahren nicht passiert, gäbe es heute keinen Regenwald mehr, über den wir diskutieren würden", so Brose. Es gäbe zudem zahlreiche Nachweise dafür, dass Teile des heutigen Regenwaldes nicht nur reines Naturprodukt, sondern auch Ergebnis menschlicher Gestaltung sind.
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